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Panorama Missbrauchsfall Lügde: 16-Jähriger hatte Kinderpornos vom Campingplatz
Nachrichten Panorama Missbrauchsfall Lügde: 16-Jähriger hatte Kinderpornos vom Campingplatz
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19:28 26.02.2019
Auf dem Campingplatz in Lügde stehen vor der inzwischen eingezäunten Parzelle des mutmaßlichen Haupttäters zwei Polizeibeamte. Quelle: Guido Kirchner/dpa
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Düsseldorf/Lügde

Im Fall des jahrelangen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde bei Detmold gibt es weitere Verdachtsfälle und Ermittlungen. Die Zahl der Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall ermittele, sei von sechs auf sieben gestiegen, berichtete Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag in einer Sondersitzung des Düsseldorfer Landtags.

Dabei handele es sich um einen 16-Jährigen, der kinderpornografisches Material besessen haben soll. Auch würden ältere Verdachtsfälle von Sexualstraftaten auf dem Campingplatz an der Grenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen neu aufgerollt, sagte Reul. „Es sieht aus, dass es noch schlimmer ist, als ich befürchtet habe.“

Lügde: Mindestens 31 Opfer über Jahre missbraucht

Auf dem Campingplatz sollen über Jahre mindestens 31 Opfer missbraucht und dabei gefilmt worden sein - die meisten Kinder zwischen 4 und 13 Jahre alt. Drei Verdächtige sitzen bereits in Untersuchungshaft. Ermittelt wird zudem gegen zwei weitere Beschuldigte wegen Beihilfe, gegen eine Person wegen Strafvereitelung.

Eine der schockierendsten Erkenntnisse sei, dass der heute 56-jährige arbeitslose Hauptverdächtige schon vor 17 Jahren verdächtigt geworden sei, eine Achtjährige missbraucht zu haben, berichtete der Minister. „Im Moment sieht es nicht so aus, dass ein Verfahren eingeleitet wurde.“ Der innenpolitische Sprecher der SPD-Opposition in Düsseldorf, Hartmut Ganzke, stellte fest, der Beschuldigte hätte die späteren Taten nicht begehen können, wenn aufgeklärt worden wäre.

Kette des Versagens in der Kreispolizeibehörde Lippe

Der von Reul eingesetzte Sonderermittler, Kriminaldirektor Ingo Wünsch, skizzierte eine beispiellose Kette des Versagens in der Kreispolizeibehörde Lippe. „Im Ergebnis gab es schwere handwerkliche Fehler, die sich potenziert haben. Verantwortliche Führung ist nicht erkennbar.“

Bei dem neuen Verdachtsfall handelt es sich nach Angaben des Detmolder Oberstaatsanwalts Ralf Vetter um einen 16-Jährigen aus der Region, der kinderpornografisches Material besaß, das auf dem Campingplatz entstanden sein soll. Der Jugendliche sei am Montag vernommen worden, befinde sich aber wieder auf freiem Fuß. Die Ermittler seien durch die Auswertung sichergestellter Daten auf ihn gestoßen.

Weiterer Missbrauchsverdacht: Dauercamper soll 15-Jährige vergewaltigt haben

Reul berichtete über einen weiteren Missbrauchsverdacht. Demnach soll ein Dauercamper im vergangenen Frühjahr eine 15-Jährige auf dem Gelände in Lügde vergewaltigt haben. Derzeit werde geprüft, ob dieser Fall zum Tatkomplex gehöre.

Inzwischen seien allein 60 Ermittler mit der Aufarbeitung von über 1000 Missbrauchsfällen beschäftigt. Zudem werde unter anderem wegen Strafvereitelung im Amt und wegen Verletzung der Fürsorgepflicht gegen 14 Beschuldigte bei Behörden ermittelt - darunter zwei Polizisten und acht Jugendamtsmitarbeiter.

Missbrauch auf Campingplatz begann vor mehr als zehn Jahren

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hat der vielfache sexuelle Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde bereits vor mehr als zehn Jahren begonnen. Insgesamt 31 Kinder und Jugendliche sind in den Jahren bis 2018 Opfer geworden. Darunter ist ein Pflegekind, dass bei dem Hauptverdächtigen auf dem Campingplatz wohnte. Der Mann soll das Mädchen missbraucht und als Lockvogel eingesetzt haben, um an andere Kinder heranzukommen.

28. Januar 2002: Unter diesem Datum steht in einer seit 1999 geführten Liste der Polizei Lippe zu Sexualdelikten ein Hinweis auf sexuellen Missbrauch eines achtjährigen Mädchens durch den heute Hauptbeschuldigten. Ob ein Verfahren eingeleitet wurde, wird derzeit geprüft. Über diese Notiz wird das NRW-Innenministerium am 26. Februar 2018 durch die Bielefelder Polizei informiert.

2008: Der Hauptverdächtige soll ein damals achtjähriges Mädchen auf dem Campingplatz im Kreis Lippe missbraucht haben.

August 2016: Hinweise eines Vaters an Polizei, Jugendamt und Kinderschutzbund. Die Polizei schaltet das Jugendamt ein, ermittelt aber nicht. Auch gibt es keinen Hinweis an die Staatsanwaltschaft.

November 2016: Hinweis einer Mitarbeiterin des Jobcenters Blomberg zu Äußerungen des Hauptverdächtigen, die auf sexuellen Missbrauch hindeuten könnten. Erneut reicht die Polizei den Hinweis nur an das Jugendamt weiter und verzichtet auf eigene Ermittlungen.

20. Oktober 2018: Hinweis auf sexuellen Missbrauch auf dem Campingplatz bei der Polizei in Bad Pyrmont in Niedersachsen.

Ende Oktober 2018: Polizei in Niedersachsen befragt das betroffene Kind.

November 2018: Akte aus Niedersachsen geht Anfang des Monats bei der Polizei in Lippe ein.

Dezember 2018: Festnahme des Hauptverdächtigen. Der heute 56-jährige Arbeitslose aus Lügde sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Januar 2019: Zwei Festnahmen. Ein 33-Jähriger aus Steinheim bei Höxter soll am Missbrauch direkt beteiligt gewesen sein. Im Wechsel mit dem Hauptbeschuldigten soll er gefilmt und Kinder missbraucht haben. Ein 48-Jähriger aus Stade in Niedersachsen soll Material bestellt und per Videoübertragung Missbrauch beobachtet haben.

30. Januar 2019: Polizei Lippe und Staatsanwaltschaft berichten in einer Pressekonferenz über den tausendfachen Missbrauch von Opfern im Alter zwischen 4 und 13 Jahren. Wegen der Dimension des Falles übernimmt die Polizei in Bielefeld die Ermittlungen. Weitere Beamte auch aus anderen Polizeipräsidien werden hinzugezogen.

Februar 2019: Die Staatsanwaltschaft Detmold ermittelt auch gegen Polizeibeamte und Mitarbeiter in Jugendämtern in Lippe und Hameln. Dabei geht es um die Frage, ob Hinweise missachtet wurden.

19. Februar: Der Landkreis Hameln stellt einen Mitarbeiter des Jugendamtes frei, der Akten manipuliert haben soll. In die Kritik geraten war das Jugendamt des Kreises Hameln, weil es den heutigen Hauptverdächtigen, der auf dem Campingplatz wohnte, als Pflegevater eingesetzt hat. Dies soll Wunsch der Kindesmutter gewesen sein.

22. Februar: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) informiert über den Verlust eines Teils des Beweismaterials bei der Kreispolizei Lippe mit Sitz in Detmold. Aus einem Raum des Kriminalkommissariats seien ein Alukoffer und eine Hülle mit 155 Datenträgern verschwunden. Ob auf den CDs und DVDs mit insgesamt 0,7 Terabyte Datenvolumen auch kinderpornografisches Material war, sei nicht auszuschließen.

Von RND/hsc

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