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Panorama Missbrauchsskandale: Kardinal Marx fordert Ende der Vertuschung
Nachrichten Panorama Missbrauchsskandale: Kardinal Marx fordert Ende der Vertuschung
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18:59 23.02.2019
Kardinal Reinhard Marx verlässt die Residenz der Deutschen Bischofskonferenz in Rom, um ein Pressestatement zu geben. Quelle: Annette Reuther/dpa
Rom

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx fordert ein Ende der Geheimniskrämerei um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Beim Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan prangerte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Samstag offen Vertuschung und Machtmissbrauch an: „Akten, die die furchtbaren Taten dokumentieren und Verantwortliche hätten nennen können, wurden vernichtet oder gar nicht erst erstellt.“ Nötig seien nun Fakten und Offenheit.

Nicht Transparenz, sondern Taten und deren Vertuschung fügten der Kirche Schaden zu, betonte Marx vor Papst Franziskus und den anderen Teilnehmern des Spitzentreffens. „Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist zu einem nicht geringen Teil auf den Machtmissbrauch im Bereich der Verwaltung zurückzuführen.“ Die Verwaltung habe nicht dazu beigetragen, dass der Sendungsauftrag der Kirche erfüllt werde, sondern dass dieser „verdunkelt“ und unmöglich gemacht wurde.

Sexueller Missbrauch durch Geistliche wurde in der Vergangenheit in vielerlei Hinsicht vertuscht - auch in Deutschland. Aus der von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen und im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie geht hervor, dass in einigen deutschen Bistümern Akten „mit Bezug auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger in früherer Zeit vernichtet worden waren“.

Kardinal Marx: Vorwürfe sollen geklärt und konkretisiert werden

Immer wieder geraten auch hochrangige Kirchenvertreter in den Fokus, die Täter gedeckt haben sollen. Bekannt ist etwa der Fall des chilenischen Bischofs Juan Barros, der die Sexualdelikte des früheren Pfarrers und Priesterausbilders Fernando Karadima gedeckt haben soll.

„Transparenz bedeutet nicht die unkritische Annahme und die disziplinlose Verbreitung von Missbrauchsvorwürfen“, stellte Marx klar. Stattdessen sollten Vorwürfe geklärt und konkretisiert werden und die Öffentlichkeit, die Behörden und die römische Kurie zu gegebener Zeit darüber informiert werden. Es gebe keine Gründe, warum Missbrauchsfälle unter das päpstliche Geheimnis fallen sollten, sagte Marx.

Abschließende Ansprache des Papstes wird mit Spannung erwartet

Insgesamt müsse die Kirche vier Maßnahmen ergreifen: Vertraulichkeit und Geheimhaltung neu definieren, ihr Rechtssystem öffentlichen Standards anpassen, Zahlen und Einzelheiten zu Missbrauchsfällen öffentlich melden und gerichtliche Verfahren veröffentlichen. Fakten könnten Vertrauen stiften, betonte Marx. „Institutionelles Misstrauen führt zu Verschwörungstheorien bezüglich einer Organisation und Legendenbildung über eine Organisation.“

Der Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan endet an diesem Sonntag. Papst Franziskus hatte dazu die Chefs der 114 Bischofskonferenzen weltweit und Vertreter der römischen Kurie, von Orden und Religionsgemeinschaften eingeladen. Er will Wege finden, wie der lange vertuschte sexuelle Missbrauch von Kindern durch Geistliche künftig verhindert werden kann. Mit Spannung wird die abschließende Ansprache des Papstes erwartet.

Missbrauchsopfer fordern in Rom „null Toleranz“ für Täter

Derweil demonstrierten mehrere Dutzend Missbrauchsopfer für eine konsequente Verfolgung der Täte. Die Gruppe zog am Samstag in Rom von der zentralen Piazza del Popolo zur Engelsburg nahe des Vatikans.

Opfervertreter zeigten sich enttäuscht und auch wütend über die bisherigen Gipfeltage. „Die katholische Kirche hat nicht mehr viel Zeit, das Zeitfenster, in dem sie noch handeln kann und nicht wirklich zur Getriebenen wird, das schließt sich“, warnte Matthias Katsch vom deutschen Opferschutzverband Eckiger Tisch.

„Diese Institution ist Teil des Problems, wenn sie es nicht schafft, sich eindeutig von Tätern und Vertuschern zu distanzieren“, sagte Katsch. Die Spitze des Vatikans weigere sich allerdings, klare Richtlinien und Vorgaben für die Weltkirche zu machen.

Von RND/dpa