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Panorama Mit Musik für die Pressefreiheit
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22:24 02.05.2017
„Sterne“-Frontmann Frank Spilker Quelle: julianewerner.com
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Berlin

Auftreten werden unter anderem die Antilopen Gang, Jasmin Tabatabai, Peter Licht, Sookee, The Notwist und Die Sterne. Mit „Sterne“-Frontmann Frank Spilker sprach Jan Sternberg.

Warum spielt Ihre Band „Die Sterne“ auch am Brandenburger Tor für Deniz Yücel und die Pressefreiheit?

Wir dürfen nicht aufhören, darauf hinzuweisen, dass in der Türkei gerade Dinge massiv falls laufen. Deniz, der zu unserem erweiterten Bekanntenkreis gehört, ist schon seit 80 Tagen ohne Anklage in Haft. 150 weitere Journalisten sitzen in der Türkei hinter Gittern. Staatspräsident Erdogan geht es gar nicht um das, was Yücel geschrieben hat. Er missbraucht ihn als Geisel, damit Deutschland geflohene Gülen-Anhänger ausliefert. Das heißt, es hätte jeden treffen können, auch eine Band, wenn sie gerade in der Türkei auftritt.

Bringen solche Protestaktionen etwas?

Ich mache mir da wenig Illusionen. Eine Lösung wird, wenn überhaupt, in diplomatischen Verhandlungen gefunden werden. Am wahrscheinlichsten, indem Erdogan sich irgendwann großmütig zeigen will, weil ihm genügt, was er bis dahin bekommen hat.

Sie spielen nicht nur für Deniz Yücel, sondern für die Pressefreiheit ganz allgemein. Wer bedroht diese Freiheit gerade am meisten?

Natürlich gehören Autokraten wie Erdogan dazu, und auch Trumps Gerede von „Fake news“ oder der deutschen Rechten von der „Lügenpresse“ tragen ihren Teil dazu bei, weil sie viel zu aggressiv und undifferenziert sind. Doch wenn Trump jetzt den Fernsehsender CNN als „Fake news“ bezeichnet, erinnere ich mich daran, wie deutsche Linke und Liberale bei den Golfkriegen CNN als parteiisch bezeichnet hatten. Damals ging es unter anderem darum, welche Abhängigkeiten es schafft, wenn Reporter „embedded“ in einer Militäreinheit sind. In Deutschland leben wir in einer privilegierten Situation. Wir haben eine freie Presse, und diesen Wert sollten wir zu schätzen wissen. Aber gerade deswegen sollten wir sie kritisieren können. Zwischen Journalisten und Politikern gibt es ein schwer zu durchschauendes Geflecht von Nähe und Abhängigkeit. Daraus entstehen Filter, die gibt es grundsätzlich bei jeder Berichterstattung. Daher ist es wichtig, dass die Freiheit der Kunst hinzukommt. Die Künstler stehen idealerweise außerhalb des ganzen Systems und können radikaler und provokanter formulieren.

Wie nutzen Sie selbst Medien?

Spilker: Bei den ganz großen Themen möglichst umfassend. Ich schaue sogar auf russische und chinesische Seiten. Nicht weil ich glaube, dass die jemals objektiv berichten, sondern weil ich es spannend finde, welchen Filter die vorgeschaltet haben.

Die Weltlage wird immer unübersichtlicher, das Nachrichtengeschäft immer schneller. Wie gehen Sie damit um?

Ich warte gerne erst einmal auf die Zusammenfassung. Die Sondersendungen nach Großereignissen, speziell nach Terrortaten, dieses Tickerfernsehen, muss man als Unterhaltung sehen, nicht als Nachrichten. Menschen, die noch keine belastbaren Informationen haben können, reden, um sich und die Zuschauer zu beruhigen. Mehr kann das oft nicht sein.

Von Jan Sternberg/RND

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