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Panorama Nach Attacke in Frankfurt: Traumaexperte fordert Hilfsgruppe von Bahn
Nachrichten Panorama Nach Attacke in Frankfurt: Traumaexperte fordert Hilfsgruppe von Bahn
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14:37 31.07.2019
An dieser mit einem Kreuz markierten Stelle wurde in Frankfurt ein Junge vor einen Zug gestoßen und starb. Quelle: imago images / Ralph Peters
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Frankfurt/Main

Die Deutsche Bahn sollte nach Ansicht eines Traumaexperten eine Hilfsgruppe für die Augenzeugen der tödlichen Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof einrichten. „Mit solchen Nachbearbeitungsgruppen haben wir gute Erfahrungen gemacht“, sagte Psychotherapeut Georg Pieper, der auch Angehörige und Betroffene der ICE-Katastrophe von Eschede 1998 betreut hat. Die unmittelbar in einen derartigen Zwischenfall Hineingezogenen könnten sich dort – natürlich freiwillig – sortieren, austauschen und ein Stück besser von dem Vorfall distanzieren, um Traumafolgestörungen zu verhindern. „Die Deutsche Bahn sollte sich auch nicht vorwerfen lassen, sie habe da nichts getan“, sagte Pieper.

Einem 40-jährigem Eritreer wird vorgeworfen, am Montag einen achtjährigen Jungen und dessen Mutter vor einen ICE gestoßen zu haben. Der Junge starb noch im Gleisbett, die Mutter konnte sich retten und wurde verletzt. Eine 78-Jährige, die auch attackiert wurde, brachte sich in Sicherheit, ohne auf die Gleise zu stürzen.

Bahn richtete Telefonnummer für Betroffene nach Frankfurt-Tat ein

Zahlreiche Passanten und Fahrgäste hatten den Angriff unmittelbar mitbekommen. Nach dem Vorfall richtete die Bahn eine Telefonnummer ein, über die Betroffene eine psychologische Betreuung in Anspruch nehmen können. Ob es – wie auch in Eschede – eine Nachbearbeitungsgruppe geben soll, war zunächst nicht bekannt.

Im Video: 400 Menschen gedenken totem Kind aus Frankfurt

Laut Pieper macht es einen großen Unterschied, ob es sich – wie in Eschede – um einen Unfall handelt oder eine Attacke. „Wir unterscheiden zwischen technischen Katastrophen, Naturereignissen und von Menschenhand verursachten Gewalttaten“, sagte der Experte. Letztere lösten die höchste Traumatisierungsrate aus. „Es ist unglaublich schwierig, so einen Vorfall nachzuvollziehen und langfristig seinen Frieden zu machen“, sagte er.

Bei dem Unfall 1998 im niedersächsischen Eschede kamen 101 Menschen ums Leben, Dutzende wurden schwer verletzt.

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Von RND/dpa