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Panorama Nachdem Eltern von Youtube-Star (6) Villa gekauft haben: Kritik an Ausnutzung von Kindern
Nachrichten Panorama Nachdem Eltern von Youtube-Star (6) Villa gekauft haben: Kritik an Ausnutzung von Kindern
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16:51 30.07.2019
Sieht wie ein normales Kind aus, verdient mit ihrem Youtube-Kanal aber Millionen: Südkoreanerin Boram. Quelle: Boram Tube Toysreview/Youtube
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Seoul

Sie sieht aus wie ein normales Kind, das sich über Eis freut und Spielzeug liebt. Vermutlich ist Boram auch genau so. Und doch unterscheidet sich die Sechsjährige mit dem kurzen Pony und den Zahnlücken von ihren Altersgenossen: Die Südkoreanerin ist ein Youtube-Star, 30 Millionen Abonnenten klicken regelmäßig auf ihre Videos. Wohl gerade wegen ihres alterstypischen Auftretens.

Ihr Publikum will sehen, wie Boram Spielzeug testet oder ihren Eltern Streiche spielt. Ihr beliebtestes Video – darin schlürft sie Instantnudeln und weckt mit ihrem Lärm zwei Erwachsene – wurde 320 Millionen Mal angesehen. Mit den Uploads, die wirken wie eine Mischung aus entzückenden Katzenvideos und informierenden Vlogs, lässt sich viel Geld machen. Es werden Produktplatzierungen vereinbart und Anzeigen geschaltet, hinzu kommen externe Werbeverträge.

Youtuberin (6) hat millionenteures Haus in Seoul gekauft

Boram hat so viel Geld, dass sie sich vor Kurzem ein Haus in einer exklusiven Gegend von Südkoreas Hauptstadt Seoul gekauft hat – für 8 Millionen US-Dollar, wie koreanische Medien berichten. Dabei unterschrieb den Kaufvertrag natürlich nicht die Sechsjährige, sondern ihre Eltern, die ein Unternehmen führen, das die Geschicke ihrer Tochter vermarktet.

In Südkorea wird nun darüber diskutiert, wie Eltern in der digitalen Welt mit ihren Kindern umgehen dürfen. Sollen sie mit dem Reichtum, den ihre Kinder unwissentlich erwirtschaften, millionenschwere Kaufentscheidungen treffen dürfen? Sollen sie die Kinder überhaupt vor die Kamera stellen? Und bei welchen Inhalten sollte Schluss sein?

Forderung nach Schutz von jungen Youtube-Stars wird laut

Mitte Juli forderte die im Land führende Tageszeitung „Joongang Ilbo“: „Der Schutz der jungen Youtube-Stars ist eine gemeinschaftliche Aufgabe. Während Inhalte für Kinder immer beliebter werden, wird deren Sicherheit auch wichtiger.“ Vergangene Woche, kurz nach dem Hauskauf, titelte der „Korea Herald“: „Bedenken des Kindesmissbrauchs bei Kinderstars auf Youtube.“ In Südkorea machte Boram schon vor zwei Jahren Schlagzeilen. In einem Video schien sie Geld von ihrem Vater zu stehlen. In einem anderen Clip lenkte sie scheinbar selbst auf der Straße ein Auto. Die Kinderrechtsorganisation Save the Children beschwerte sich bei der Regierung. Die Eltern wurden vom Familiengericht in Seoul zu einem Erziehungskurs verpflichtet, um Kindesmissbrauch vorzubeugen.

Boram ist kein Einzelfall fragwürdiger Instrumentalisierung von Kindern. In einem anderen koreanischen Youtube-Kanal wurden zuletzt Zwillinge gezeigt, die einen Oktopus essen und sich fast übergeben müssen. Ein weiteres Video zeigt, wie ein Vater als Dieb verkleidet seiner weinenden Tochter droht.

Youtube-Geschäft mit Kindern etabliert sich nicht nur in Südkorea

Und das Youtube-Geschäft mit Kindern etabliert sich nicht nur in Südkorea, wo laut einer Regierungsumfrage unter Grundschulkindern Youtube-Star nach Sportler, Lehrer, Arzt und Koch der fünfthäufigste Berufswunsch ist. So ist der Topverdiener unter den Minderjährigen laut Wirtschaftsmagazin „Forbes“ US-Amerikaner Ryan Kaji (7), in dessen Namen der Kanal „Ryan Toysreview“ unterhalten wird. Er hat demnach 2018 rund 22 Millionen US-Dollar eingespielt.

Da sich Klagen über Kindervideos mehren und neben der Kinderausbeutung auch kritisieren, dass die Aufnahmen pädophile Zuschauer anziehen sollen, hat das Youtube-Management reagiert. Bei Videos, die Kinder unter 13 Jahren zeigen, ist die Kommentarfunktion abgeschaltet. Livestreams Minderjähriger dürfen nur übertragen werden, wenn sie von einem Erwachsenen begleitet werden. Zudem wird überlegt, Kinderinhalte nur noch auf Youtube Kids zu erlauben.

Von RND/Felix Lill

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