Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Panorama Was die Großmütter von heute auf die Straßen treibt
Nachrichten Panorama Was die Großmütter von heute auf die Straßen treibt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:56 26.11.2018
Omas gegen Rechts bei der großen „We’ll come united“-Demo in Hamburg im Herbst diesen Jahres. Quelle: Gertrud Graf
Anzeige
Hamburg

Wie sie da sitzen, mit Handys, iPad und dem „Oma-gegen-Rechts“-Sticker am Revers, vermitteln Andrea Herzog und Dörte Schnell überhaupt nicht den Eindruck klassischer Großmütter. Nur das Umfeld passt: die 90 Jahre alte Kneipe Nagel am Hamburger Hauptbahnhof, in der die beiden von ihrer Protestbewegung erzählen, die immer mehr Zulauf kriegt.

Ins Leben gerufen wurde die Initiative im November 2017 in Österreich, wo sie bislang mehr als 3300 Mitglieder hat. In Deutschland schlossen sich die ersten „Omas gegen Rechts“ im Januar 2018 zusammen. Mittlerweile gibt es 27 Städte-Gruppen (im Oktober waren es noch 18) mit 1300 Anhängern.

Die Hamburger Gruppe gibt es seit Februar. Sie wurde hier, im Nagel gegründet. Von Dörte Schnell, 63, die als Sozialarbeiterin in einer Stadtteilschule tätig ist. Und von Andrea Herzog, 66, die erst als Lehrerin, dann in einem Hörbuch-Verlag gearbeitet hat und jetzt Deutsch für Geflüchtete und Ausländer unterrichtet. „Am Anfang waren wir zu viert, jetzt hat unsere Facebook-Gruppe mehr als 125 Mitglieder, von denen etwa 30 aktiv zu Demos gehen“, sagen sie stolz. Mit bewusst in Schwarz-Weiß gehaltenen Plakaten („Farben werden von Parteien für sich beansprucht“) stehen sie und die anderen Omas dann unverzagt zwischen den Lagern aus Rechten und Linken: bei jeder „Merkel-muss-weg-Demo“ in Hamburg, aber auch bei Großdemonstrationen wie „Berlin gegen Nazis“ Mitte Oktober.

„Dass nicht nur jugendliche Antifas gegen die Rechten demonstrieren, hat am Anfang viele verwundert“, sagen sie. „Jetzt hat man sich daran gewöhnt, dass wir zwar alt sind, aber nicht stumm.“ Weil die Omas zwar resolut, aber vertrauenswürdig und friedlich sind, schließen sich ihrer Gruppe oft andere Demonstranten, meist Frauen an: „Bei uns fühlen sie sich sicher.“

Alle Artikel zur Serie „Nicht meckern, machen!“

Bücherbüxe: Tauschen statt Kaufen

Die fliegenden Rehkitz-Retter

Die Streetworker

„So einen Sport gab es hier noch nicht“

„Wir lassen uns nicht verdrängen!“

Bad Segeberger Ehepaar entmüllt seit Jahrzehnten die Welt

Was die Großmütter von heute auf die Straßen treibt

Was die Initiative für ihresgleichen interessant macht, wissen Schnell und Herzog genau. „Plötzlich sind da ähnlich denkende Menschen vor Ort, denen man sich frei nach dem Motto ,Runter vom Sofa und mitmachen’ anschließen kann.“ Weil die „Omas gegen Rechts“ unterschiedliche Internetkompetenz haben, werden verschiedene Informationskanäle bedient: Facebook, Whatsapp oder Email. Und weil trotzdem auch der persönliche Austausch wichtig ist, trifft man sich regelmäßig im Nagel, wo der Kellner Dörte Schnell und Andrea Herzog auch heute wie alte Bekannte mit Handschlag begrüßt.

Neben der Atmosphäre ist aber vor allem die zentrale Lage entscheidend: „Wir kommen aus allen Himmelsrichtungen“, sagt Andrea Herzog. Sie lebt in Ottensen, Dörte Schnell seit einigen Jahren im Hamburger Umland. Wo genau, möchte sie nicht verraten. „Es wurden schon Omas bedroht“, sagt sie. Die Hamburger Gruppe etwa sei von einem AfD-Funktionär mit unflätigen Bemerkungen bedacht worden. Doch abhalten lassen sie sich dadurch nicht. Und als Altachtundsechziger wissen sie noch genau, wie Aufstand funktioniert. Vor allem Andrea Herzog, die aus der DDR stammt und in Schwaben aufwuchs, hat sich nie einschüchtern lassen. „Ich hatte als junge Frau viel mit den Oppositionellen in der DDR zu tun, habe Rolling-Stones-Platten und Manuskripte über die Grenze geschmuggelt“, so die resolute Frau, die ihr braunes Haar mittelkurz trägt und mit neugierigen Augen durch eine rot-gerahmte Brille blickt.

Der Rechtsruck in der Gesellschaft rufe viele auf den Plan. „Wir möchten uns nicht von unseren Enkeln fragen lassen, warum wir nichts getan haben“, betont sie, und spielt damit auf die Diskussionen an, die sie mit ihren Eltern im puncto Nationalsozialismus geführt hat. Und: Nachdem Themen wie Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung jahrzehntelang verpönt gewesen waren, habe die AfD es geschafft, sie wieder populär zu machen. „Lange hat sich niemand getraut, rassistisch zu sein. Jetzt ist es wieder salonfähig.“ Das wollen immer mehr Menschen nicht mehr hinnehmen – nicht nur Frauen, und nicht nur Ältere. Etwa acht Prozent der Hamburger „Omas gegen Rechts“ sind Männer, deutschlandweit sind es 22 Prozent. Auch immer mehr Kinder und Enkel marschieren mit. Auch das überrascht Dörte Schnell und Andrea Herzog nicht. „Wir Omas“, sagen sie, „haben eben Vorbildfunktion.“

Friederike Ulrich

Für die YouTuberin Dagi Bee haben Plätzchen und Stollen noch nichts im Supermarktregal verloren. Für die 24-Jährige beginnt die Weihnachtszeit erst im Dezember. Welche Tradition der YouTube-Star zu Weihnachten pflegt, verriet Dagi Bee jetzt.

23.11.2018

In den Niederlanden haben Beamte einen klaren Fall von „Geldwäsche“ aufgedeckt: Bei einer Wohnungsüberprüfung fanden die Beamten 350.000 Euro in einer Waschmaschine. Der 24-jährige Bewohner wurde festgenommen.

23.11.2018

In der Flüchtlingsunterkunft Boostedt in Schleswig-Holstein sollen rund zehn Flüchtlinge absichtlich Gift geschluckt haben, um einer Abschiebung zu entgehen. Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei.

23.11.2018