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Panorama Wunden gibt es immer wieder
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00:00 26.05.2015
Schwedische Fans feiern den Sieg ihres Landsmannes beim Großen Finale des Eurovision Song Contest (ESC). Fotos (2): Helmut Fohringer/dpa
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Wien

Da schleichen sie aus der Wiener Stadthalle ins Pressezentrum, nachts um zwei Uhr, um das Unerklärliche zu erklären. Das Debakel von Wien. Null Punkte für „Black Smoke“. Letzter Platz für Deutschland beim Eurovision Song Contest 2015, im Elend vereint mit dem Gastgeberland Österreich. Die deutschen Hoffnungen — aufgelöst in schwarzen Rauch. „Ich bin natürlich traurig, klar“, sagt Ann Sophie Dürmeyer vor einer Wand aus Kameras und Mikrofonen. „Null Punkte sind halt null Punkte.“ Oben auf einem Großbildschirm ist der Schwede Mans Zelmerlöw zu sehen.

Siegerpressekonferenz des großen Favoriten. Er feiert, er jubelt. 365 Punkte und Platz eins für seine Europop-Partynummer „Heroes“, deren Trickperformance mit animierten Strichmännchen und Digitaleffekten freilich origineller war als die einfältige Komposition selbst. „Wir sind alle Helden“, ruft Zelmerlöw. „Egal, wen wir lieben, woran wir glauben, wer wir sind!“

„Null Punkte sind bitter und sehr enttäuschend für Ann Sophie und für uns“, sagt ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. „Der Song und die Performance waren besser als null Punkte.“ Von „Ungerechtigkeit“ ist viel die Rede, nicht nur im deutschen Lager. „Black Smoke“ sei wahrlich nicht der schwächste Titel des Abends gewesen. Tatsächlich ist der ESC-Modus brutal. Die Punkteanalyse ergibt: Mehrfach landete Ann Sophie in einzelnen Ländern auf dem elften oder zwölften Platz. Weil aber alle Länderergebnisse separat gesplittet werden und nur die jeweils zehn Bestplatzierten Punkte bekommen, ging sie 39-mal leer aus. Die Formel ist ganz simpel: The winner takes it all. Ihr Pech war, dass sich Zuschauer und Jurys, deren Meinung zu je 50 Prozent zählt, in keinem einzigen Land über „Black Smoke“ einig waren. In Albanien holte sie im Zuschauervoting Platz 7. In Belgien und Israel setzten die Jurys sie gar auf Platz fünf, in Großbritannien auf Rang 9 — aber es nützte ihr alles nichts. Die einzelnen guten Wertungen sind auch der Grund, warum sie in der offiziellen Zählart vor dem ebenfalls punktlosen Österreich steht, dem ersten Gastgeberland in 60 Jahren, das komplett leer ausging.

Ganz anders als bei der „russischen Helene Fischer“ Polina Gagarina, die mit ihrer bombastisch inszenierten, vor Pathos triefenden Weltumarmungshymne „A Million Voices“ auf Platz zwei landete. Mit einer altmodischen Arie auf die Liebe sicherte sich das italienische Tenor-Trio Il Volo (auf Deutsch: Der Flug) Platz drei. Für ihren musikalischen Mut belohnt wurden die originelle TripHop-Electro-Nummer „Love Injected“ von Aminata aus Lettland (Platz 6) und der Belgier Loïc Nottet mit seiner schwarzweißen Tanzperformance zum modernen Rythm-&-Blues-Titel „Rythm Inside“ (Platz 4). Vor allem Platz drei bis zehn zeigen: Europa hat Spaß an modernem, mutigen Pop.

Selbstverständlich wird ARD-intern nun die Suche nach Schuldigen beginnen. Die zu finden jedoch wird nicht einfach werden. Denn die Gemengelage ist so komplex, dass einzelne Fehlentscheidungen nicht auszumachen sind. Man werde sich „genau überlegen, wie wir uns auf den ESC 2016 vorbereiten“, sagt der ESC-Beauftragte Schreiber. Von Stefan Raab, der sich ein Comeback im Gespräch mit dieser Zeitung kürzlich offen hielt, ist keine Rede.

Und Ann Sophie? Sie und die österreichischen Makemakes wollen eine Allianz der Verlierer bilden. Schon die ganze Woche über hatten sie sich blendend verstanden. Jetzt wollen sie zusammen Musik machen, sagt Ann Sophie. „Mal sehen, wohin uns das führt.“



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