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Politik Österreichischer Rechtsextremer Sellner erhält viele Spenden aus Deutschland
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20:31 15.05.2019
„Kontaktiere mich jederzeit, wenn du willst“: Der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner bedankte sich in einer Mail beim späteren Attentäter von Christchurch für dessen Spende. Quelle: Sachelle Babbarx/imago images / ZUMA Press
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Berlin

Neue Ermittlungsergebnisse im Fall Christchurch setzen den Chef der rechtsextremistischen Identitären Bewegung (IB) in Österreich, Martin Sellner, unter Druck.

„Wenn du je nach Wien kommst, müssen wir auf einen Kaffee oder ein Bier gehen“, schrieb Sellner in einer Mail vor dem Attentat an den späteren Täter T. Eine Mail, die nun Anlass zu weiteren Recherchen der österreichischen Zeitung „Standard“ sowie von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR bot.

Die Worte T.s gäben ihm „wirklich Energie und Motivation“, heißt es. Die Einladung wird sogar erwidert. „Das gilt auch für dich, wenn du je Australien oder Neuseeland besuchst“, antwortet T. dem Wiener Rechtsextremisten.

Fakt ist: T. verbringt Monate später mehrere Tage in Österreich – und mietet einen Tag nach dem letzten Mail-Kontakt zwischen Sellner, T. „und anderen“ online ein Mietauto in Österreich.

Deshalb untersuchen Ermittler nun mit Hochdruck, ob es zu einem Treffen zwischen Sellner und dem späteren Terroristen gekommen ist. Sellner bestreitet das vehement. In seiner Beschuldigtenvernehmung gibt er an, T. nicht persönlich zu kennen. Denn Anlass für den Mail-Kontakt war etwas ganz anderes.

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Im Januar 2018 erhielt Sellner von T. eine Spende von rund 1.500 Euro. T. bedankte sich artig: „Ich möchte dir persönlich für deine unglaubliche Spende danken“, schrieb der Wiener Rechtsextremist.

Er sei „wirklich überrascht und begeistert“. „Das hier ist meine persönliche E-Mail-Adresse – kontaktiere mich jederzeit, wenn du willst“, schrieb Sellner weiter.

Daraus entwickelte sich ein kurzer Mail-Verlauf zwischen den beiden. Zu seiner Spende schreibt T. an Sellner, dass es nur „ein kleiner Betrag im Vergleich zu der vielen Arbeit, die du leistest“, sei. „Du wirst von Menschen auf der ganzen Welt unterstützt“, so T., und: „Es ist noch ein langer Weg bis zum Sieg, aber jeden Tag werden unsere Leute stärker.“

Sellner erhielt tatsächlich zahlreiche weitere Spenden. Täglich ging Geld auf seinen Konten ein. Die Beträge reichten von 2,50 Euro bis hin zu knapp 2.000 Euro.

Sellner erreichte ein überaus diverses Publikum. Und viele der Spender stammen aus Deutschland.

Bekannte Rechtsextreme spenden für Sellner

Angestellte, Ärzte und Anwälte, aber auch Professoren deutscher Universitäten, Angehörige des Reservistenverbands und Polizeibeamte unterstützen die Identitären finanziell. Die meisten Unterstützer bedanken sich bei Sellner für seine rechtsextremen Umtriebe oder schicken ihm „Solidarität“.

Auch bekannte Rechtsextreme, darunter ein schon wegen Sprengstoffdelikten verurteilter NPD-Kandidat, spendeten für Sellner. Immer wieder finden sich lokale Funktionäre der deutschen AfD auf der Liste.

Auf Nachfrage konnte Sellner nicht abschätzen, welchen prozentualen Anteil jeweils deutsche und österreichische Spender an seinen Einnahmen ausmachen. Er sagt: „Diese Konten laufen auf den Namen Martin Sellner, sind daher auch persönlich versteuert und fallen nicht unter die Gemeinnützigkeit der Vereine.“

Die Spendengelder dienten „zur Finanzierung von Aktivismus, Reisekosten, Materialkosten, von Projekten wie Patriot Peer, sowie immer häufiger der Bestreitung von Anwaltskosten“. Finanzielle Verflechtungen zwischen der deutschen und der österreichischen Identitären Bewegung gibt es laut Sellner nicht, die Konten liefen separat.

Zweithandy und gelöschte Chatverläufe

Die österreichischen Behörden ermitteln momentan, ob die Identitäre Bewegung Abgaben im Wert von deutlich mehr als 100.000 Euro hinterzogen hat. Die Staatsanwaltschaft Graz bestätigte schon Ende April Ermittlungen gegen 22 Personen und vier Verbände.

„Alle Anschuldigungen bezüglich Steuerhinterziehung und Geldwäsche entbehren jeglicher Grundlage und dienen ausschließliche der Diffamierung unserer Bewegung“, sagt Sellner.

Doch die Ermittler bleiben nach wie vor misstrauisch. So meldete Sellner die Spende des mutmaßlichen Attentäters nicht an die Behörden, angeblich weil er spontan erkrankt gewesen sei, nachdem sie ihm kurz nach dem Terroranschlag aufgefallen war.

Außerdem löschte Sellner den E-Mail-Verlauf mit T., fertigte zuvor allerdings Screenshots an. Hinzu kommt, dass Beamte bei der Hausdurchsuchung in Sellners Wohnung ein Zweithandy in einem Blumentopf fanden. Die Smartphones von Sellner und einem weiteren Aktivisten werden nun bei der Firma Cellebrite geknackt.

„Akt der Verschleierung“

Laut Ermittlungsakten ist T.s Reiseroute in Österreich nicht so einfach nachzuvollziehen, da die von ihm gemieteten Autos über kein Navigationsgerät verfügten.

Sellner gibt an, T. weder physisch getroffen noch später weiteren Kontakt mit ihm gehabt zu haben. T.s großzügige Spende an Sellner, die im Zuge einer Finanzprüfung durch Ermittler entdeckt worden ist, löste bei den Behörden hektische Betriebsamkeit auf.

Gegen Sellner laufen nun Terrorermittlungen. Er sei „dringend tatverdächtig“, „nach gegenwärtigem Erkenntnisstand Mitglied eines, bis dato nicht näher verifizierbaren international agierenden rechtsextremen Netzwerks zu sein“.

Sellner sagte, er habe die Mails gelöscht, da er „die Kontaktdaten eines Terroristen nicht in meinem Mail-Postfach haben möchte“, er habe sie jedoch zur Dokumentation gespeichert. „Selbstverständlich war das kein Akt der Verschleierung.“

Von Jörg Köpke/RND

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