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Nachrichten Politik Linke warnt vor Generation Hoffnungslosigkeit
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14:02 19.02.2019
Viele Kinder haben Angst vor Armut. Quelle: Jens Kalaene/dpa
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Berlin

Jedes zweite Kind in Deutschland hat offenbar Angst vor Armut. Bei über 50 Prozent liege der Anteil der Acht- bis 14-Jährigen, die sich immer oder manchmal Sorgen über die finanzielle Lage ihrer Familie machten, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag) über eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Den meisten der befragten Kinder gehe es jedoch auf den ersten Blick gut. Für mehr als 96 Prozent gelte, dass sie genug zu essen und Platz zum Spielen hätten.

Allerdings haben der Studie zufolge nur neun von zehn Kinder einen ungestörten Arbeitsplatz. Ein eigenes Schlafzimmer haben nur acht von zehn. Fast 90 Prozent (88 Prozent) hätten schon einen Familienurlaub gemacht. Der Anteil von Schülern, die mit ihren Eltern Urlaub gemacht hätten und ein eigenes Zimmer hätten, sei bei Gymnasiasten überproportional hoch. Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschüler haben der Studie zufolge schlechtere Bedingungen.

Furcht vor Mobbing, Gewalt und Ausgrenzung

Unabhängig vom Einkommen sparten Eltern jedoch nicht bei dem Bedarf für Kinder, hieß es in der Studie. Mehr als 95 Prozent der Kinder sagten, sie hätten „etwas Schönes zum Anziehen“, genug Geld für Klassenfahrten, ein Fahrrad, einen Roller oder Inline-Skates sowie alles, was sie für die Schule benötigten. Mehr als 80 Prozent der Kinder besaßen Markenkleidung.

Viele Kinder haben der Studie zufolge nach dem Wechsel von der Grundschule zudem Angst vor Gewalt, Mobbing und Ausgrenzung. Unter Schülern von Hauptschulen, Sekundarschulen und Gesamtschulen äußerte dem Bericht zufolge jeder Dritte solche Sorgen. Unter Grundschülern fühlten sich acht von zehn in ihrer Schule sicher. Bei den weiterführenden Schulen gebe es lediglich an Gymnasien ähnlich hohe Zustimmungswerte.

Für die Studie haben Forscher der Universität Frankfurt dem Bericht zufolge gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung im Schuljahr 2017/2018 rund 3.450 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 14 Jahren befragt.

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, fordert von Politik und Gesellschaft, die Angst vor Armut von mehr als der Hälfte der 8- bis 14-Jährigen in Deutschland endlich ernst zu nehmen. „Da wächst ansonsten eine Generation Hoffnungslosigkeit heran“, sagte Bartsch dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wenn wir nicht endlich nachhaltig gegensteuern, wird sich das negativ auf unser künftiges Zusammenleben in Deutschland auswirken.“

Realität von Kindern gespalten

Der Linken-Politiker sagte, die Studie zeige, wie die Realität von Kindern in Deutschland sozial gespalten ist. Während die meisten Kinder zum Glück finanziell abgesichert seien oder sich so fühlen, erlebe jedes 4. Kind Ausgrenzung aufgrund von Armut. Bartsch appellierte vor allem an die Regierungsparteien, bei der Bekämpfung von Kinderarmut nicht immer zuerst die Frage nach der Finanzierung von Maßnahmen zu stellen. „Beim sogenannten 2-Prozent-Ziel der Nato zur Aufrüstung der Bundeswehr wird diese Frage von der Regierung nie aufgerufen“, kritisierte Bartsch. „Die Bekämpfung von Kinderarmut ist für Deutschland wesentliches Element der Zukunftssicherung. Das muss überparteilich klar sein.“

Der Fraktionschef der Linken übte in diesem Zusammenhang Kritik am Vorhaben der Bundesminister Franziska Giffey und Hubertus Heil (beide SPD), die Inanspruchnahme von Mitteln des Teilhabe-Pakets im Familiengesetz von 30 auf 35 Prozent der Berechtigten zu erhöhen. „Dieses Ziel ist in seiner Geringfügigkeit ein Witz“, so Bartsch. „Die Unterstützung des Bundes muss endlich schnell und unbürokratisch bei allen ankommen, die diese Hilfe benötigen. Die Linke fordert eine Kindergrundsicherung, die das System vom Kopf auf die Füße stellt.“

FDP wirbt für Kinderchancengeld

Auch von der FDP kommt Kritik. Der familienpolitische Sprecher, Grigorios Aggilidis, sagte: „Die befragten Kinder und Jugendlichen erklären der Politik, dass sie sich mehr Möglichkeiten der Teilhabe und Zuwendung wünschen. Finanzielle Unterstützung allein reicht nicht.“ Der liberale Familienpolitiker hat den Eindruck, die Jugendlichen würden ihre Bedürfnisse klarer sehen als die Minister Giffey und Heil. Aggilidis warb für den Ansatz eines Kinderchancengelds. „Es wird Zeit, die Kinder ernst zu nehmen.“

Pascal Kober, sozialpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, sagte dem RND: „Die ständige und viel zu verzerrte, öffentliche Debatte über Armut prägt Kinder offenbar mehr als ihre tatsächlichen Lebensverhältnisse.“ Er ergänzte: „Das ritualisierte Skandalisieren von Problemlagen in der Sozialpolitik hilft keinem und macht den Kindern Angst. Dieser Befund sollte uns alle aufrütteln.“

Lesen Sie auch einen Kommentar: Armut bekämpfen? Was das beste Mittel ist.

Von RND/epd

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