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Politik Chef der Geflügelwirtschaft: „Die deutschen Brütereien würden ihren Sitz ins Ausland verlagern“
Nachrichten Politik Chef der Geflügelwirtschaft: „Die deutschen Brütereien würden ihren Sitz ins Ausland verlagern“
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17:03 12.06.2019
Der Präsident des deutschen Geflügelwirtschaftsverbandes Friedrich-Otto Ripke hofft, dass das Bundesverfassungsgericht das Kükentöten nicht verbietet. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Nordrhein-Westfalen hatte 2013 seinen Brütereien verboten, die männlichen Küken nach dem Schlüpfen zu eliminieren. Zwei Betriebe klagten dagegen und bekamen Recht. Das Bundesverwaltungsgericht muss als höchste Instanz nun klären, ob das massenhafte Kükentöten mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist. Wir haben vor der Urteilsverkündigung mit dem Verbandschef der deutschen Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke, gesprochen.

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Herr Ripke,
das Bundesverwaltungsgericht entscheidet am Donnerstag, ob das Töten männlicher Küken gegen das Tierschutzgesetz verstößt
und nicht mehr genehmigt werden soll. Warum ist das Töten der so genannten „Bruderküken“ überhaupt nötig?

Weil die männlichen Tiere der Legerassen im Gegensatz zu Hennen keine Eier legen und nicht gut zur Mast geeignet sind. Theoretisch kann man sie mästen, aber der Aufwand ist deutlich höher als bei Masthähnchen, weil sie mehr Futter brauchen. Außerdem lässt sich das Fleisch von „Bruderhähnen“ sehr schwierig verkaufen. Es ist dunkler und grobfaseriger als die Verbraucher es von Hähnchenfleisch gewohnt sind. Der Anteil am Markt liegt bei unter zwei Prozent. Verstehen Sie mich aber nicht falsch, auch wir würden die Praxis des Kükentötens lieber heute als morgen beenden. 

Welche Alternativen gibt es denn?

Wissenschaftler arbeiten an zwei Methoden, mit denen das Geschlecht des Tieres noch im Ei bestimmt werden kann, so dass die männlichen Küken gar nicht erst schlüpfen. Bei einem hormonellen Verfahren wird nach neun Tagen Flüssigkeit aus dem Ei entnommen und auf Geschlechtshormone getestet. Der Tierschutzbund sagt, dass Küken zu diesem Zeitpunkt schon schmerzempfindlich sind, wenn sie getötet werden. Das wäre also aus ethischer Sicht kein Fortschritt. Die spektroskopische Methode analysiert das Ei am dritten Tag mit einem Laser. Bisher kann man aber die nötige Technik zur Geschlechtsbestimmung aber noch gar nicht kaufen. Wir brauchen eine Geschwindigkeit von 100.000 untersuchten Eiern pro Tag. Deshalb hoffe ich, dass die Richterin uns noch ein paar Jahre Aufschub gewährt, bis wir den Ablauf im Betrieb umstellen können. 

Das
 
klingt, als würden Sie auf Zeit spielen – immerhin wird das
 
Problem seit Jahren diskutiert. Warum lassen Sie die Hähne nicht einfach am Leben, bis es eine andere technische Lösung gibt?

Das lässt sich praktisch nicht bewerkstelligen. Die Geflügelwirtschaft züchtet schon lange am Zweinutzungshuhn – einer Rasse, die sowohl für Eier-, als auch Fleischproduktion genutzt werden kann. Das ist zwar grundsätzlich eine gute Idee, es dürfte aber eine Nischenlösung bleiben. Für die Eiererzeugung in ihrer Gesamtheit brauchen wir ein praxistaugliches Verfahren der Geschlechtsbestimmung im Ei.  

Wie wird die Wirtschaft reagieren, wenn das Gericht das Kükentöten an diesem Donnerstag verbietet?

Die deutschen Brütereien würden ihren Sitz wohl ins Ausland verlagern, zum Beispiel nach Polen, wo das Kükentöten erlaubt bleibt. Das würde weder dem Tierschutz noch dem Verbraucher helfen. Schon heute können deutsche Legehennen-Betriebe nur 69 Prozent des Bedarfs an Eiern decken, der Rest der Eier wird im Ausland zugekauft. Wir müssen also dringend unsere Forschung zu den Alternativ-Verfahren vorantreiben. Da stehen wir kurz vor dem Ziel. Ich denke, wir sind in absehbarer Zeit so weit, dass wir Küken nicht mehr lebend töten müssen. Dann wäre die deutsche Geflügelwirtschaft ein Vorbild für den Rest der Welt.

Von RND/Nadja Lissok

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