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Politik Debatte um Trisomie-Blutests: Man muss das Perfekte fürchten
Nachrichten Politik Debatte um Trisomie-Blutests: Man muss das Perfekte fürchten
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16:29 11.04.2019
Der Schauspieler Jonas Sippel mit seinem Vater. Quelle: Gregor Fischer/dpa
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Berlin

Immer wenn der Bundestag über Themen debattiert, die Fraktionsgrenzen sprengen, ist er am stärksten. In der Regel dominiert dann nicht das parteitaktische Kalkül. Vielmehr gibt den Ausschlag, wie schwer das Argument wiegt, das in die Waagschale geworfen wird. Leider sind derlei Debatten auf ethische Fragen beschränkt. Aber immerhin.

Die Debatte über Bluttests für Schwangere verdeutlichte, dass es keinen Sinn hat, die riskantere Variante der Fruchtwasseruntersuchungen allen zugänglich zu machen, die risikolose Variante jedoch unter einen Finanzvorbehalt zu stellen. Nicht allein bei der Qualität des Arguments, sondern auch quantitativ waren die Befürworter einer Finanzierung solcher Tests durch die Krankenkassen den Gegnern überlegen.

Wissen kann zur Qual werden

Nichtsdestotrotz ist die Gefahr eines Dammbruchs nicht zu leugnen. Insofern haben im Ganzen eher die Kritiker Recht. Wenn auf kurz oder lang mehr oder weniger alle etwaigen Behinderungen und Krankheiten pränatal diagnostiziert werden können, wird der gesellschaftliche Druck wachsen, es auch zu tun – und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Die gesellschaftliche Norm der Perfektion in einer auf Leistung getrimmten Wettbewerbsgesellschaft wird sich durchsetzen. Und die Individuen werden vor Gewissensfragen gestellt, auf die sie keine Antworten mehr geben können. Nicht-Wissen ist da im Zweifel besser als Wissen. Denn Wissen kann zur Qual werden. Ohnehin leben wir ja auch sonst ins Ungewisse. Das macht das Leben aus.

Statt zwei Stunden über pränatale Bluttests zu sprechen, hätte der Bundestag übrigens auch zwei Stunden über die Defizite der Gesellschaft beim Umgang mit Behinderten sprechen können. Dass er dies nicht tat, zeigt, wohin die Reise in Zeiten rapiden medizinischen Fortschritts geht. Man muss das beklagen – und auch fürchten.

Von Markus Decker/RND

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