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Politik Der Trisomie-Bluttest muss allen zugänglich sein
Nachrichten Politik Der Trisomie-Bluttest muss allen zugänglich sein
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08:00 23.03.2019
Der Schauspieler Jonas Sippel lebt mit Trisomie 21 und steht schon seit Jahren im Berliner Theater «RambaZamba» auf der Bühne. Quelle: Gregor Fischer/dpa
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Berlin

Es ist erst einmal nur ein Zwischenschritt und keine endgültige Entscheidung, zumal der Bundestag das letzte Wort hat. Aber die Botschaft der Experten ist klar: Aus wissenschaftlicher Sicht spricht alles dafür, dass der Bluttest zur Feststellung von Trisomie 21 gegenüber den herkömmlichen Methoden ein großer Fortschritt ist. Er ist zuverlässiger und vor allem sicherer.

Nicht nur für Gutverdiener

Es ist deshalb geradezu zwingend, dass der Bluttest von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt wird. Oder sollen es sich künftig nur Gutverdiener leisten können, gefahrlos zu erfahren, ob ihr Nachwuchs eventuell am Down-Syndrom leidet? Das wäre ein eklatanter Verstoß gegen die Grundprinzipien der solidarischen Krankenversicherung in Deutschland.

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Gleichwohl dürfen die Argumente der Kritiker nicht vom Tisch gewischt werden. Menschen mit Down-Syndrom, Politiker und Behindertenverbände argumentieren völlig zu Recht, dass der Druck auf die Eltern immer größer wird, ihren ungeborenen Nachwuchs komplett durchleuchten zu lassen, damit ja kein von der Norm abweichendes Kind auf die Welt kommt. Es gibt aber nicht nur das Recht auf Wissen, sondern auch das Recht auf Nichtwissen.

Keine gesellschaftliche Norm

Angesichts neuer Diagnosemethoden wird es für die Eltern immer schwerer, dieses Recht auch wirklich wahrzunehmen oder eine bewusste Entscheidung für behindertes Kind zu treffen. Die Lösung kann aber nicht sein, diejenigen in ihren Rechten und Möglichkeiten zu beschneiden, die sich im Fall der Fälle gegen ein Kind mit Behinderungen entscheiden würden. Die Antwort kann nur heißen, alles zu versuchen, um das gesellschaftliche Klima im Umgang mit Behinderung weiter zu verbessern sowie die Förderung und Integration der Betroffenen zu forcieren. Selektion darf niemals zu einer gesellschaftlichen Norm werden.

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Von Timot Szent-Ivanyi/RND

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