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Politik Der Wandel des „HC“: Rechtspopulist Strache am Ziel
Nachrichten Politik Der Wandel des „HC“: Rechtspopulist Strache am Ziel
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13:24 16.12.2017
Heinz-Christian Strache ist der dienstälteste Parteichef im Wiener Parlament.
Heinz-Christian Strache ist der dienstälteste Parteichef im Wiener Parlament. Quelle: Hans Punz/apa
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Wien

Seine Vergangenheit im Neonazi-Umfeld ist in Österreich als Jugendsünde verziehen. Der Rechtspopulist Heinz-Christian Strache scheint nun am Ziel seiner Träume. Der dienstälteste Parteichef im Wiener Parlament wird nach zwölf Jahren in der polternden Opposition Vize-Kanzler.

Dafür musste der 48-jährige „HC“, so sein Spitzname, allerdings zuletzt deutlich gemäßigter auftreten.

Zu Beginn seiner Zeit als Parteichef steckte die FPÖ in ihrer größten Krise. Die FPÖ-Galionsfigur Jörg Haider hatte sich 2005 mit einer eigene Partei abgespalten. Haiders politischer Ziehsohn Strache stand vor einem Scherbenhaufen. Die FPÖ lag bei wenigen Prozent Zustimmung. Das hat sich geändert: Bei der Wahl im Oktober bekam die FPÖ 26 Prozent.

Vergessen sind die Kontroversen um Straches Vergangenheit am äußersten rechten Rand. Als Jugendlicher trat der gelernte Zahntechniker einer schlagenden, deutschnationalen Burschenschaft bei. Es folgten Zeltlager mit Neonazis oder paramilitärische Wehrsportübungen im Wald, die der Wiener als harmlose „Paintballspiele“ bezeichnet. Ein Bild soll ihn mit dem Kühnen-Gruß, einer Abwandlung des verbotenen Hitlergrußes, zeigen.

Strache nennt die Zeit heute einen Lernprozess. Damals habe er herausgefunden, was richtig und was falsch sei. Antisemitische Untertöne in der Partei sind heute offiziell verboten. Der zweifache Vater selbst war mehrfach auf Polit-Tour in Israel. Die Migration und die angebliche Bedrohung durch den Islamismus sind nun Hauptthemen.

Seine Botschaften bringt Strache vor allem über das Internet an. Der starke Raucher setzt seit Jahren auf Facebook und ein eigenes „FPÖ-TV“. So will die FPÖ einen Weg vorbei an den klassischen Medien finden. Die haben die Partei ihrer Ansicht nach oft unfair behandelt.

dpa

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