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12:12 29.08.2019
Juso-Chef Kevin Kühnert tritt nicht für den Posten des SPD-Vorsitzenden an. Quelle: Christoph Soeder/dpa
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Berlin

Kevin Kühnert kandidiert nicht für den SPD-Vorsitz. Und das erste Wort, das einem in den Sinn kommt, lautet: schade. Den Sozialdemokraten hätte es gut getan, wenn der Juso-Chef den Schritt zur Kandidatur gewagt hätte. Die Parteimitglieder hätten dann die klare Wahl gehabt: zwischen Vize-Kanzler Olaf Scholz als prominentestem Vertreter der großen Koalition und Kühnert als Kopf der No-Groko-Bewegung. Das wäre ein packender politischer Wettkampf geworden in Zeiten, in denen es der SPD schwer fällt, bei den Menschen im Land Faszination auszulösen.

Hätte dieser Wettkampf die SPD gespalten? Nein, jedenfalls nicht mehr, als sie es ohnehin schon ist. Im Gegenteil, der Gewinner – egal ob Scholz oder Kühnert – hätte die größtmögliche Legitimation gehabt. Gleichzeitig hätten beide sicher schon während der Regionalkonferenzen viel darüber nachgedacht, wie sie sich positionieren können, um gute Vorsitzende für die Gesamtpartei zu sein. Mit der richtigen Partnerin hätte Kühnert im Kandidaten-Duo auch durchaus ein Angebot machen können, das ein breites Spektrum abbildet.

Muss Kühnert sich jetzt also vorwerfen lassen, er hätte die Partei im Stich gelassen? Hätte er die Pflicht gehabt, sich als Vorsitzender zu bewerben, um für seine Linie zu kämpfen? Muss er sich jetzt künftig innerparteilich zurückhalten, weil er den Kampf um den Vorsitz nicht angenommen hat?

Die Antwort auf alle drei Fragen lautet eindeutig: Nein. Es wäre falsch gewesen, sich auf den Standpunkt zu stellen, Kühnert hätte nicht antreten dürfen, weil er erst 30 Jahre alt ist. Gleichzeitig hat er aber Recht, wenn er sagt: „In erster Linie bin ich ein Mensch, und jeder Mensch muss für sich selbst bewerten, was er unter den ihm gegebenen Umständen leisten kann.“ Mehr noch: Wenn Kühnert zu der Überzeugung gelangt ist, dass er mindestens vorerst nicht der Richtige für das Amt ist, dann hat er nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht Nein zu einer Kandidatur zu sagen. Auch so sieht Verantwortung gegenüber der Partei aus.

Auch andere haben abgesagt

Auch Stephan Weil, Manuela Schwesig, Lars Klingbeil und andere haben entschieden, nicht für den SPD-Vorsitz zu kandidieren. Sie alle sind erfahrene Politiker, in deren möglicher Kandidatur Mitglieder Hoffnung gesetzt hatten. Sie alle hatten ihre Gründe, die akzeptiert worden sind. Niemand käme jetzt auf die Idee, sie dürften nicht mehr mitreden, weil sie nicht Parteichefs werden wollen. Kühnert ist seit nicht einmal zwei Jahren Juso-Chef. Natürlich ist es legitim, wenn er nicht antreten will.

Und: Die SPD braucht ihn weiter – auch mit lauter und vernehmlicher Stimme. Denn Kühnert erreicht junge Menschen, die ohne ihn die SPD für ungefähr so zeitgemäß halten wie einen Schwarzweißfernseher. Und auch jenseits des Juso-Alters gibt es viele Menschen, die bei der SPD nur noch abschalten wollen, bei Kühnert aber gern mal zuhören.

Von Tobias Peter/RND

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