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Nachrichten Politik EU lässt vor Brexit-Verhandlungen die Muskeln spielen
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15:55 29.04.2017
Kanzlerin Merkel hat es in ihrer Regierungserklärung zum Brexit klar gesagt: Es geht jetzt für die EU vor allem um die eigenen Interessen, die ihrer Bürger und Unternehmen.
Kanzlerin Merkel hat es in ihrer Regierungserklärung zum Brexit klar gesagt: Es geht jetzt für die EU vor allem um die eigenen Interessen, die ihrer Bürger und Unternehmen. Quelle: Stefan Rousseau
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Brüssel

Zehn Monate nach der Entscheidung der Briten für den EU-Austritt liegen die Forderungen beider Seiten auf dem Tisch. Die britische Premierministerin Theresa May hat Ende März gesagt, wie sie sich die Trennung von der Europäischen Union vorstellt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre EU-Kollegen beschlossen ihre Position für die Verhandlungen, die nach der britischen Parlamentswahl im Juni beginnen. Einen Schluss hat die EU bereits gezogen: Der Brexit wird schwierig und schmerzhaft, ein Abenteuer „ohne Gewinner“.

Was will die EU?

Merkel hat es beim Gipfel noch einmal klar gesagt: „Wir wollen auch in Zukunft gute Beziehungen zu Großbritannien, aber wir wollen auch als 27 unsere Interessen gemeinschaftlich vertreten.“ In ihren Verhandlungsleitlinien nennt die EU zwei Punkte, die zuerst geklärt werden sollen: Rechtssicherheit für die 3,2 Millionen EU-Bürger in Großbritannien und die 1,2 Millionen Briten in der EU, die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis und andere Rechte behalten sollen. Und eine „Finanzvereinbarung“ über Verpflichtungen, die Großbritannien während der EU-Mitgliedschaft eingegangen ist. Ein weiterer Punkt ist Irland, das künftig durch eine EU-Außengrenze vom britischen Nordirland getrennt sein könnte. Sieht die EU bei den Trennungsfragen ausreichend Fortschritte, will sie in einer zweiten Phase über die künftigen Beziehungen reden, also unter anderem über Handel und Zölle.

Was will Großbritannien?

Premierministerin May hat sich dagegen entschieden, nach dem EU-Austritt ihres Landes noch Zugang zum europäischen Binnenmarkt anzustreben. Denn dafür hätte sie Freizügigkeit für EU-Bürger akzeptieren müssen, was die Brexit-Befürworter keinesfalls wollten. Stattdessen sprach sie in ihrem Austrittsgesuch Ende März von einer „tiefen und besonderen Partnerschaft“ mit der EU und von einem „ehrgeizigen Freihandelsabkommen“. Dies will sie gleichzeitig mit den Bedingungen der Trennung klären. „Wir glauben, dass es nötig ist, uns über die Bedingungen unserer künftigen Partnerschaft zusammen mit denen unseres Rückzugs aus der EU zu verständigen“, schrieb sie.

Worüber wird es Streit geben?

Dies widerspricht klar der Linie der EU, die in zwei Phasen verhandeln will. In diesem Punkt gibt sich die EU-Seite knallhart. Auch von den finanziellen Forderungen an Großbritannien wollen die anderen EU-Länder keinesfalls abrücken. Es geht um Zusagen für den EU-Haushalt, für Fonds, Kreditprogramme, Pensionen für EU-Beamte und etliches mehr, die weit in die Zukunft reichen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bestätigte beim Gipfel „vorsichtige Einschätzungen“, dass es um bis zu 60 Milliarden Euro geht. Brexit-Befürworter in Großbritannien wollen aber nicht mehr an die EU zahlen. „Irgendwo zwischen null und 60 Milliarden wird es am Ende dann liegen“, orakelt der CDU-Europapolitiker David McAllister. Das dürfte ein großer Streitpunkt werden. Daneben gibt es Dutzende weitere - vom Umzug der EU-Behörden bis zur Zukunft Gibraltars.

Wo liegen Gemeinsamkeiten?

Zwei Prinzipien halten beide Seiten hoch: Auch May schlug in ihrem Scheidungsschreiben eine „frühe Vereinbarung“ über die künftigen Rechte der EU-Bürger in ihrem Land und der Briten in der EU vor. Und sie bekennt sich wie die EU-Seite zu dem Ziel: „Wir sollten zusammenarbeiten, um die Brüche so klein wie möglich zu halten und so viel Rechtssicherheit wie möglich zu schaffen.“ Beide Seiten denken an ihre Unternehmen und ihre Volkswirtschaften. Großbritannien liefert 44 Prozent seiner Exporte in die EU, die EU immerhin 9,5 Prozent nach UK.

Wie sind die Chancen auf Einigung?

Nicht schlecht. Zwar sagen beide Seiten, es gebe keine Garantie, dass innerhalb der vorgegebenen Frist von zwei Jahren eine Vereinbarung steht. Doch malen sie einen „harten Brexit“ ohne Anschlussregelungen in düsteren Farben. „Das wäre schlecht für uns alle“, sagt ein hoher EU-Beamter. Und May: „Wir müssen deshalb hart daran arbeiten, ein solches Ende zu vermeiden.“

dpa

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