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14:26 20.05.2019
Der Spitzenkandidat von CSU, CDU und EVP, Manfred Weber Quelle: Nicolas Armer/dpa
Nürnberg

Angefangen hat es alles auf kleinen Bühnen. Queen-Fan Manfred Weber tourte als Gitarrist der Coverband „Peanuts“ durch Niederbayern. In dieser Zeit verlor er das Lampenfieber, die Angst vor dem Auftritt. Karriere machte er dann aber in der CSU, erst in München, später in Brüssel. Kann dieser Mann, den bis vor kurzem nicht einmal jeder zweite in Bayern kannte, Europa rocken? Es sind jetzt „seine“ Wochen. Am Ende könnte Weber der Gewinner sein – oder eben ein Gescheiterter.

Samstagmittag, Nürnberg Messe, CSU-Europaparteitag: Heimspiel für den Kandidaten, diesmal auf mittelgroßer Bühne. Im Foyer gibt es Weißwurst, Brezel und Bier. Drinnen auf dem Podium wird es laut. Eine Rhythmus-Gruppe in blau-gelben Europa-T-Shirts heizt ein, trommelt für Europa. Weber wirbt mit Verve für Geschlossenheit zwischen den europäischen Partnern. „Wir sind nicht bereit, den britischen Weg zu gehen, sondern werden die Errungenschaften Europas auch in Zukunft verteidigen“, gibt sich der Kandidat kämpferisch.

Mehr zum Thema: Manfred Weber in der Zwickmühle

Großbritannienaus Webers Sicht das große abschreckende Beispiel. Ein harter Brexit sei inzwischen wahrscheinlicher als je zuvor. Die Krise auf der Insel habe das Potenzial, Europa zu infizieren. Der CSU-Mann fordert eine rasche Lösung, warnt vor einer britischen Beteiligung an der Europawahl: „Liebe britischen Freunde, kommt endlich zu einem Ergebnis…!“

„Als Kommissionspräsident werde ich…“ – viele Sätze beginnen inzwischen so bei Weber. So untermauert er seinen Führungsanspruch. Er wolle kein „Europa der Egoisten“, sondern „ein Europa der Regionen“, in dem sich Brüssel den großen Fragen widme und Probleme rasch löse. Etwa beim Thema Migration. Da müsse es endlich einen effektiven und robusten Schutz der EU-Außengrenzen geben – mit einer Aufstockung des Personals bei Frontex um 10.000 nicht, wie jetzt vereinbart, erst bis 2027, sondern mindestens in der Hälfte der Zeit. Es gehe darum, „das Versprechen abzugeben, dass wir wissen, wer sich auf unserem Grund und Boden befindet“, so Weber.

Weber präsentiert sich als Brückenbauer

Ein Deutscher in Europas Spitzenamt? Nach Lage der Dinge könnte eigentlich nur die dänische Liberale Margrethe Vestager dem CSU-Mann den Nr.-1-Posten in Brüssel streitig machen. Fest steht: Nach dem 26. Mai beginnt in Europa das große Pokern um die Top-Posten. Dazu zählen auch die EU-Ratspräsidentschaft und das Amt des EU-Außenbeauftragten.

Mehr zum Thema: Warum ist die Europawahl 2019 so wichtig?

Was die Präsidentenfunktion in der Kommission angeht, müsste sich zunächst das Europäische Parlament auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen. Allerdings haben auch die Staats- und Regierungschefs ein gewichtiges Wort mitzureden. Weber weiß: Je besser „seine“ konservative EVP abschneidet, desto besser die Chancen.

In Nürnberg präsentiert er sich als Brückenbauer, aber auch als energischer Kandidat. Klartext beim Thema Zukunft: Er wolle ein Europa, das entschlossen auftrete. Beispiel China, Beispiel USA: Die Europäer durften nicht weiter zulassen, bei Investitionen in der Volksrepublik benachteiligt zu werden. Und sie müssten eine klare Antwort geben, wenn Donald Trump mit Strafzöllen drohe. Weber setzt auch da auf ein selbstbewussteres Europa.

Nicht viel übrig von „Bayern first“

Was für ein Kontrast zum Europawahlkampf vor fünf Jahren! Damals hatte Peter Gauweiler, der alte Franz-Josef-Strauß-Schüler, in der CSU noch „Bayern first“ als Parole ausgegeben. Kräftig teilte man aus, gegen die Bürokraten in Brüssel, gegen Überregulierung und gegen die Länder, die wegen der Schuldenkrise europäische Unterstützung benötigten. Das war der CSU-Sound des Jahres 2014.

Nun geben sich die Christsozialen proeuropäisch. Warum diese Veränderung? Markus Söder, CSU-Chef seit drei Monaten, sieht die Europawahl als Schicksalstag für den Kontinent. „Die Welt um uns herum hat sich schneller und dramatischer verändert. Das ist auch der Grund, warum die CSU anders als vor fünf Jahren jetzt nicht ins Kleine blickt, sondern das Große im Auge hat“, ruft er den Parteitagsdelegierten in Nürnberg zu. Deshalb sei jetzt ein klarer Kurs erforderlich: „Seit 2014 haben wir ja solche Debatten gehabt, immer wieder mal vor und zurück - war ja nicht nur bei Europa so.“

Doch diese Zeiten will die CSU nun hinter sich lassen: Sie trommelt für Europa – und für Weber als Nachfolger von Jean-Claude Juncker in Brüssel.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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