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Politik Ex-Bildungsministerin Wanka plädiert für Zentralabitur
Nachrichten Politik Ex-Bildungsministerin Wanka plädiert für Zentralabitur
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12:03 01.08.2019
Die frühere Bundesbildungsministerin Johanna Wanka sieht keinen Grund, noch einmal fünf Jahre über ein Zentralabitur zu debattieren – jetzt sei es Zeit zu handeln. Quelle: Britta Pedersen/dpa
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Berlin

Die frühere Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) unterstützt den Ruf nach einem Zentralabitur in Deutschland und mahnt zur Eile. „Wir brauchen ein deutschlandweites Zentralabitur. Das ist für die Mobilität der Eltern innerhalb Deutschlands wichtig“, sagte Wanka dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Ein Zentralabitur ist auch zum Vorteil der Schüler. Es geht um Vergleichbarkeit und Gerechtigkeit zum Beispiel bei der Bewerbung um Studienplätze“, fügte sie hinzu. „Gefordert ist der politische Wille, das Zentralabitur Wirklichkeit werden zu lassen. Aus meiner Sicht könnte es dann sehr schnell gehen“, sagte sie.

Kretschmer fordert hohes Niveau

Auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) spricht sich für ein Zentralabitur aus und fordert ein möglichst hohes Niveau ein. „Ziel sollte sein, das Niveau von Ländern wie Sachsen, Bayern oder Baden-Württemberg zum Standard eines Zentralabiturs zu machen“, sagte er dem RND. „Ich verstehe, dass die Debatte populär ist“, sagte Kretschmer. „In Wahrheit liegen jedoch laut Pisa-Studie zum Beispiel zwischen Sachsen und Bremen zwei Schuljahre Abstand im Niveau der Hochschulreife“, ergänzte er. Die Einführung eines Zentralabiturs setzt voraus, dass in allen Bundesländern ein ähnliches Bildungsniveau herrscht. „Da ist viel passiert in den vergangenen 5 Jahren, aber es reicht noch nicht“, befand der Ministerpräsident.

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Wanka, die von Februar 2013 bis März 2018 als Bundesbildungsministerin im Amt war, erklärte: „Ich bin auch als Bundesministerin immer eine Verfechterin des föderalen Systems im Bildungsbereich gewesen.“ Sie sagte: „Man muss die Schule im Schwarzwald anders gestalten als in einer Großstadt, in der ein hoher Anteil der Schüler Migrationshintergrund hat. Die Wege, wie man Schule gestaltet, können sehr unterschiedlich sein.“ Die 68-Jährige betonte: „Aber es geht um Standards für die Vergleichbarkeit der Ergebnisse.“

Wanka empfiehlt Weg über Staatsvertrag

Wanka, die vor ihrer Zeit als Bundesministerin auch Landesministerin in Brandenburg und Niedersachsen war, sagte, die Kultusminister seien mit dem gemeinsamen Aufgabenpool den ersten Schritt gegangen. „Sie sollten sich mit weiteren Schritten aber nicht wieder so lange Zeit lassen“, sagte sie. „Es gibt keinen Grund, die Sache jetzt noch einmal fünf Jahre zu diskutieren“, betonte Wanka.

Mit Blick auf den Widerstand in einigen Landesregierungen sagte Wanka: „Die Länder müssen nicht um ihre Kompetenzen fürchten. Für ein Zentralabitur ist es überhaupt nicht nötig, das Grundgesetz zu ändern und die Rechte der Länder zu beschränken.“ Den Weg zu einem Zentralabitur beschrieb sie so: „Die Länder können sich in einem Staatsvertrag auf das Zentralabitur verständigen – und gemeinsam regeln, wie es aussehen soll. Sie müssen es aber eben auch tun.“ Wanka warnte vor negativen Folgen für die Länder für den Fall, dass sich nichts bewegt: „Für die Akzeptanz des Bildungsföderalismus ist es wichtig, die Frage eines Zentralabiturs zu lösen.“

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Von Thoralf Cleven und Tobias Peter/RND