Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Gauck und Van der Bellen: Gemeinsam gegen Nationalismus
Nachrichten Politik Gauck und Van der Bellen: Gemeinsam gegen Nationalismus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:07 03.03.2017
Bundespräsident Joachim Gauck (r) empfängt Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen vor dem Schloss Bellevue in Berlin.
Bundespräsident Joachim Gauck (r) empfängt Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen vor dem Schloss Bellevue in Berlin. Quelle: Michael Kappeler
Anzeige
Berlin

Bundespräsident Joachim Gauck und sein österreichischer Amtskollege Alexander Van der Bellen haben gemeinsam zum Widerstand gegen europakritische und nationalistische Tendenzen aufgerufen. Der Einfluss dieser Strömungen in Europa sei derzeit viel größer als in der Vergangenheit.

Das sagte Gauck bei einer Pressekonferenz mit Van der Bellen in Berlin. Dem müsse ein „Europa der Solidarität“ entgegengesetzt werden.

Zwar seien einige Kompetenzen möglicherweise besser bei den Nationalstaaten angesiedelt, sagte Gauck. „Aber wir wollen nicht alles rückabwickeln.“ Auch bei kritischen Themen wie dem Flüchtlingszuzug müsse immer das Verbindende in den Vordergrund gestellt werden.

Von der Bellen erklärte: „Nationale Souveränität ist eine Illusion.“ Und: „Es gibt überhaupt keinen Grund, in vorauseilendem Gehorsam vor den Vertretern der Kleinstaaterei in die Knie zu gehen.“ Das „Brexit“-Votum der Briten sei eine „tragische Fehlentscheidung“ gewesen. Es habe aber vielen vor allem jüngeren Menschen die Augen geöffnet. „Sie haben verstanden, dass es um ihre Zukunft geht.“

Zum deutsch-österreichischen Verhältnis sagte Van der Bellen: „Wir kennen einander sehr gut - historisch, praktisch und menschlich.“ Als viel kleineres der beiden Länder seien die Österreicher immer „ein bisschen sensibel“, wenn man sie als kleinen Bruder oder Neffen behandele. Aber dies habe sich „sehr verbessert“. Gauck sagte über den neuen Präsidenten in Wien: „Sie sind für viele Deutsche ein Sympathieträger.“

Van der Bellen ist nach seinem Amtsantritt im Januar zum ersten Mal in Berlin. In den 70er Jahren hat er mehrere Jahre im Westen der damals geteilten Stadt gelebt. Gauck scheidet am 18. März aus dem Amt. Sein Nachfolger Frank-Walter Steinmeier wollte am Nachmittag mit dem österreichischen Bundespräsidenten zu einem „privaten Gespräch“ zusammentreffen.

Bei einem gemeinsamen Mittagessen mit Van der Bellen warnte Gauck vor zu viel Zentralismus und Bürokratie in Europa. Die Europäische Union wolle nationale Identitäten nicht auslöschen, sondern integrieren, sagte er laut Redemanuskript. Damit werde den Anfeindungen des Nationalismus und Populismus am besten widerstanden.

dpa

Mehr zum Thema

Die EU hat schwere Jahre vor sich. Die Brexit-Gespräche mit Großbritannien stehen kurz bevor. Da kann Europafreunden schon mal mulmig werden. EU-Kommissionschef Juncker meint, jetzt sei es Zeit für eine Wiedergeburt der Union.

01.03.2017

Die EU-Kommission hat Ideen für die Zukunft der Europäischen Union nach dem Austritt Großbritanniens präsentiert. Die Bandbreite der fünf Modelle reicht von kaum EU bis zu sehr viel Brüssel.

01.03.2017

Ägypten gilt als wichtiges Land für die Lösung der Flüchtlingskrise. Darüber will die Kanzlerin bei ihrem Besuch sprechen. Aber sie soll auch die prekäre Menschenrechtslage nicht aussparen, fordern Opposition und Organisationen. Das dürfte dem Gastgeber nicht passen.

02.03.2017