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Politik Golf von Oman: Mögliche Angriffe auf deutschen und norwegischen Tanker – Ölpreise steigen stark
Nachrichten Politik Golf von Oman: Mögliche Angriffe auf deutschen und norwegischen Tanker – Ölpreise steigen stark
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16:50 13.06.2019
Ein vom Rundfunk der Islamischen Republik Iran (IRIB News) zur Verfügung gestelltes Foto zeigt, wie nach einem Angriff Rauch aus dem Öltanker „Front Altair“ aufsteigt. Quelle: -/IRIB News/dpa
Manama

Nach neuen Zwischenfällen im Golf von Oman hat die US-Marine am Donnerstag zwei Notrufe erhalten. Auf zwei Tankern hatte es demnach am Morgen Explosionen und Beschädigungen gegeben. US-Schiffe seien in der Region unterwegs und leisteten Hilfe, teilte die 5. Flotte der US-Marine in Bahrain mit. Die Marine vermutete hinter den Vorfällen gezielte Angriffe, äußerte sich aber nicht zu Einzelheiten und Verursachern.

Eines der Schiffe trieb brennend in dem Gebiet kurz vor der viel befahrenen Straße von Hormus, die in den Persischen Golf führt. Fotos zeigten den eine Rauchsäule an Bord des norwegischen Tankers „MT Front Altair“. Iranische Medien berichteten später, das Schiff sei gesunken. Die norwegische Reederei Frontline widersprach den Meldungen allerdings.

Die Reederei bestätigte, dass ihr Öltanker „Front Altair“ in einen Zwischenfall vor der Küste des Omans verwickelt ist und an Bord ein Brand ausgelöst wurde. Alle 23 Seeleute befänden sich aber bereits in Sicherheit. Ob die „Front Altair“ angegriffen worden sei, wollte der Sprecher nicht bestätigen.

Die omanische Küstenwache hingegen sprach gegenüber der norwegischen Zeitung „Dagbladet“. Es sei zu einer Explosion gekommen, sagte ein Sprecher. Demnach geschah der Vorfall in iranischen Gewässern. Deshalb stehe man in Kontakt mit den iranischen Behörden.

Explosion an Bord eines deutschen Tankers

Auch an Bord des Tankers „Kokuka Courageous“ der Hamburger Reederei Bernhard Schulte Ship Management habe es am Donnerstagmorgen eine Explosion gegeben. Wie die Reederei bestätigte, wurde dabei der Rumpf beschädigt. Die 21 Besatzungsmitglieder seien mit einem Rettungsboot auf den Schlepper „Coastal Ace“ in Sicherheit gebracht worden, ein Besatzungsmitglied sei leicht verletzt worden.

Bei den Seeleuten handele es sich ausnahmslos um Filipinos. Deutsche seien keine an Bord gewesen, sagte der Sprecher. Nach Angaben der Reederei besteht keine Gefahr, dass der Tanker sinkt. Die Ladung –Methanol – sei „intakt“.

Zunehmend Spannungen am Golf von Oman

Zu den beiden Vorfällen kam es nahe der Straße von Hormus, die von einem Drittel des weltweit verschifften Öls passiert wird. Der Rohölpreis stieg nach den möglichen Angriffen zeitweise um vier Prozent - Ausdruck der Nervosität wegen der Spannungen zwischen dem Iran und den USA. Als erste hatte eine britische Stelle den Zwischenfall gemeldet und zu „äußerster Vorsicht“ in der Schifffahrtsregion aufgerufen.

Es sind nicht die ersten Vorfälle in der Region. Bereits vor vier Wochen hatten die VAE Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe im Golf von Oman gemeldet. Nach saudi-arabischen Angaben wurden zwei Tanker des Landes schwer beschädigt. Die genauen Umstände blieben jedoch unklar.

US-Sicherheitsberater John Bolton sprach später von Angriffen mit Seeminen, für die „fast sicher“ der Iran verantwortlich sei. Beweise für seine Anschuldigung legte er nicht vor. Die Regierung in Teheran wies den Vorwurf zurück und sprach von „lächerlichen Behauptungen“.

Im Golf von Oman wurden zwei Tankschiffe beschädigt. Auf der „Front Altair“ kam es zu einer Explosion Quelle: dpa/Infografik

EU ruft zur Zurückhaltung auf

Die EU hat unterdessen vor vorschnellen Reaktionen gewarnt. „Die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung und keine weiteren Spannungen“, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. Man rufe deswegen zu äußerster Zurückhaltung und zum Unterlassen jeglicher Provokationen auf.

Japan und Iran in Atomverhandlungen

Anrainer der Meerenge sind der Iran sowie die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und der Oman. Am Donnerstag endet der Besuch des japanischen Regierungschefs Shinzo Abe bei Ajatollah Ali Chamenei, dem Obersten Führer des Irans. Abe will in Teheran im Atomkonflikt zwischen Iran und den USA vermitteln.

Mit Verweis auf den aktuellen Zwischenfall erklärte das japanische Handelsministerium, beide Tanker hätten „mit Japan verbundene Fracht“ transportiert. Der Daten- und Trackingfirma Refinitiv zufolge kam die „Front Altair“ von den Vereinigten Arabischen Emiraten und hatte das Rohbenzin Naphtha geladen. Die „Kokuka Courageous“ hatte zuvor in Katar und dem saudi-arabischen Dschubail angelegt und Methanol an Bord.

Von RND/dpa/AP