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Politik 23.000 verschollene Waffen in Deutschland: Grüne und Polizeigewerkschaft fordern schärfere Regeln
Nachrichten Politik 23.000 verschollene Waffen in Deutschland: Grüne und Polizeigewerkschaft fordern schärfere Regeln
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13:01 10.03.2019
Ein Kleiner Waffenschein liegt zwischen einer Schreckschuss-Pistole «Walther P22», einem Magazin und einer Knallpatrone. Quelle: Oliver Killig/dpa
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Berlin

Die Grünen haben anlässlich des zehnten Jahrestages des Amoklaufs von Winnenden ein schärferes Waffenrecht gefordert. „Auch zehn Jahre nach dem schrecklichen Amoklauf von Winnenden hat die Bundesregierung immer noch nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen und den privaten Besitz von Schusswaffen schärfer reglementiert“, sagte die innenpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Jährlich verschwinden tausende Waffen aus privaten Beständen, und keiner weiß, wohin.“ Sie mahnte: „In diesem für die öffentliche Sicherheit so sensiblen Bereich brauchen wir endlich ein erkennbares Problembewusstsein der Bundesregierung.“

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, sagte: „Die Opfer mahnen uns, dass Gewalt und Waffen keine Problemlösungen sind. Sie bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Er plädierte „für ein rigides Waffenrecht“ und betonte: „Auch die Zunahme der Anträge für den Kleinen Waffenschein sorgt uns.“

Problem Kleiner Waffenschein

Beim Amoklauf von Winnenden hatte der 17-jährige Tim K. am 11. März 2009 in der Albertville-Realschule mit einer Sportwaffe neun Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Auf der Flucht tötete er drei weitere Menschen, bevor er sich selbst das Leben nahm. Die Waffe lag entgegen der Vorschriften im Schlafzimmer des Vaters, eines Sportschützen. Heute wird eine Gedenkveranstaltung mit dem baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl (CDU) stattfinden.

Nach Angaben der Initiative „Keine Mordwaffen als Sportwaffen!" sind seit Winnenden jedoch mindestens 80 Menschen in Deutschland mit Schusswaffen von Sportschützen getötet worden.

Neues Buch klagt an

In den letzten zehn Jahren hätten Sportschützen im privaten Umfeld mehr Menschen umgebracht als bei den Amokläufen von Winnenden und Erfurt zusammen, sagt Roman Grafe, dessen Buch „Spaß und Tod. Vom Sportwaffen-Wahn – Opfer, Täter, Lobbyisten" am Montag erscheint. 

Tatsächlich hat die Zahl der Waffen zuletzt zugenommen. Das ergibt sich aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Anfang 2019 wurden im Nationalen Waffenregister 5,4 Millionen Waffen und Waffenteile in Privatbesitz registriert; Anfang 2017 waren es noch rund 5,35 Millionen. Zugleich hat die Zahl der Menschen, die als Inhaber eines Kleinen Waffenscheins verdeckt Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen tragen dürfen, zugenommen – von 565.000 Anfang 2018 auf knapp 620.000 Anfang 2019. 23.000 Waffen gelten aktuell als „abhanden gekommen“.

Von Markus Decker/RND

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