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Politik Haderthauers Ende gilt in der CSU als besiegelt
Nachrichten Politik Haderthauers Ende gilt in der CSU als besiegelt
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01:25 07.08.2014
Noch Chefin in der Münchner Staatskanzlei: Christine Haderthauer (51). Quelle: Daniel Karmann/dpa
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München

Das Fallbeil beendete in den wilden Zeiten der Französischen Revolution politische Karrieren abrupten. In der politisch demokratisierten Welt der christsozialen Herrschaft in Bayern gibt es dafür die Einrichtung des Schlussstriches für CSU- oder Ministerkarrieren.

Christiane Haderthauer, einst Sozialministerin im Kabinett von Horst Seehofer und jetzt dessen Leiterin der Staatskanzlei im Ministerrang, ahnt inzwischen, dass auch ihr politisches Schicksal besiegelt scheint. Sollte in der Haderthauerschen Affärengeschichte über die „Modellbau-Affäre“ auch nur noch irgendetwas auftauchen, was „diametral“ zu den bisherigen Entlastungsattacken der Ressortchefin in eigener Sache stehe, dann sei ihr Verbleib im Kabinett nicht mehr vorstellbar. Es gebe in Bayern keine „Kumpanei“.

Mit ihrem Mann, dem Anstaltsarzt Hubert, war Haderthauer beteiligt gewesen an der Firma „Sapor Modelltechnik“. Das kleine Unternehmen habe nur minimalen Profit abgeworfen, stellte Hubert Haderthauer einst fest. Das sorgte bei der ermittelnden Staatsanwaltschaft und bei den einschlägigen Finanzbehörden für Stirnrunzeln. Auf bis zu 2,3 Millionen Euro wird der Verkaufswert von exquisiten Modellautos aus der Haderthauer-Firma veranschlagt. Sie waren heiß begehrt, selbst bei internationalen Auktionen.

Produziert wurden die kleinen Kunststücke von besonders begabten Handwerkern — es waren psychisch kranke Straftäter aus dem Bezirkskrankenhaus, mit dem der Arzt Hubert Haderthauer auch dienstlich verbunden war. Für die Produktion erhielten die verurteilten Straftäter rund 200 Euro pro Oldtimer, mal etwas mehr, manchmal etwas weniger. Laut Bayerischem Rundfunk wurden zuweilen Preise von bis zu 20 000 Euro dafür aufgerufen. Auch die geringe Entlohnung ist mittlerweile Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen.

2008 liefen über das Konto von Staatsministerin Haderthauer noch zwei Überweisungen der Modellbau-Firma im Gesamtwert von zusammen 5500 Euro. Aber schon am 31. Dezember 2003 ist Christine Haderthauer laut eigener Aussage als Gesellschafterin der Firma „Sapor Modelltechnik“ ausgeschieden. Stattdessen wurde ihr Mann Gesellschafter, neben Roger Ponton, der später klagte, er sei beim Ausstieg übers Ohr gehauen worden.

Es sei eine versehentliche Überweisung für PR-Zwecke gewesen, sagt die begünstigte Firma „PR-IN“ in Ingolstadt zur überraschenden Kontobewegung bei Haderthauer. Das kleine Unternehmen wird gemanagt von Dorothea Soffner, einer CSU- Stadträtin aus der Heimatstadt Seehofers und Haderthauers. Zufällig ist die Stadträtin auch noch Haderthauers Wahlkreismitarbeiterin, bezahlt aus Steuermitteln.

Der bayerische Ministerpräsident sieht sich bei der Personalie Haderthauer mittlerweile auch wegen eigener Festlegungen bei früheren Fällen unter verschärfter Beobachtung. „Wenn ein Staatsanwalt ein Ermittlungsverfahren einleitet, kann man nicht gleichzeitig Bundesminister sein.“ So hatte Seehofer seine Festlegung im Fall des Bundesministers Friedrich begründet. Der musste gehen, als die Staatsanwaltschaft gegen ihn im Zusammenhang mit Ermittlungen im Fall Edathy offizielle Überprüfungen einleitete. Beide Fälle seien „nicht vergleichbar“, teilte Seehofer zwischenzeitlich mit. Das war allerdings noch vor der jüngsten Selbstverteidigung seiner Staatskanzleichefin.

Anlässlich einer Kabinettssitzung in Nürnberg hatte Christine Haderthauer vor Pressevertretern erklärt, sie wehre sich entschieden gegen die Mischung aus „Gerüchten und Verleumdungen“. Sie fühle sich als Opfer einer Kampagne: „Die Empörungswelle und Skandalhysterie der letzten Wochen werden nach und nach in sich zusammenbrechen“, zeigte sich Haderthauer zuversichtlich, dass man ihr „von Idealismus getragenes Engagement“ noch würdigen werde. Das war, bevor in der CSU intern kolportiert wurde, Seehofer habe das politische Fallbeil quasi unwiderruflich in Gang gesetzt.

„Wenn irgendetwas auftauchen sollte, wird das trotz aller Stützung für sie aufgegriffen."
Horst Seehofer (CSU)



Dieter Wonka

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