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Politik „Pure Erniedrigung“: Hartz-IV-Empfängerin erhält Arbeitsblatt für Grundschüler
Nachrichten Politik „Pure Erniedrigung“: Hartz-IV-Empfängerin erhält Arbeitsblatt für Grundschüler
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13:51 27.01.2019
Eine Frau betrachtet in einer Arbeitsagentur aktuelle Stellenangebote (Symbolfoto) . Quelle: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa
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Berlin

„Schreibe unter jedes Bild das passende Wort“ – Mit diesen Worten beginnt eine Aufgabe, die nicht etwa Grundschülern vorgesetzt wurde, sondern Hartz-IV-Empfängern innerhalb einer Maßnahme.

Die Aufgabe sorgt für scharfe Kritik auf Twitter. Die Tochter einer Betroffenen hat ein Foto des Arbeitsblattes auf dem Sozialen Netzwerk veröffentlicht. Sie bezeichnet das Arbeitsblatt als „pure Erniedrigung erwachsener intelligenter Menschen“.

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Ihre Mutter habe ihr das Arbeitsblatt gezeigt. Darauf sind unter anderem eine Katze, ein Herz und ein Putzeimer zu sehen.

Kern der Aufgabe: Entscheiden, ob die jeweiligen Wörter mit Tz oder Z geschrieben werden. Wer sich weigert, die Aufgaben zu lösen, dem drohen Sanktionen.

Der Post sorgte schnell für eine angeregte Debatte auf Twitter, in der nicht nur das „Duzen“ als Ansprache scharf kritisiert wird, sondern auch die Aufgabenstellung an sich. Ein Nutzer schrieb etwa: „Mit solchen Bögen arbeite ich in der Nachhilfe mit Kindern der 3. und 4. Klasse.“

Arbeitsagentur zeigt Verständnis für Kritik

Ein Sprecher der Arbeitsagentur lieferte mit seiner Antwort auf eine Anfrage des Wochenmagazins „Stern“ schließlich die Bestätigung: Das Papier komme sonst in Grundschulen zum Einsatz.

Und er bestätigte den fragwürdigen Vorfall: „Es stimmt, dass dieses Arbeitspapier bei einem Maßnahmeträger in Niedersachsen ausgehändigt wurde.“

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In einer schriftlichen Stellungnahme habe die Bundesagentur für Arbeit zudem erklärt. dass es bei der Weiterbildungsmaßnahme, die von der Betroffenen besucht wurde, darum gehe, den Teilnehmern Sprachkompetenzen zu vermitteln.

„Wir können gut verstehen, dass die Teilnehmenden dies kritisieren und teilen diese Meinung auch“, heißt es in dem Schreiben weiter. Auch die Ansprache per „Du“ sei in diesem Zusammenhang nicht in Ordnung.

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Von RND/lf