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Politik Joshua Wong: Dieser 22-Jährige legt sich mit China an
Nachrichten Politik Joshua Wong: Dieser 22-Jährige legt sich mit China an
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16:07 11.09.2019
Joshua Wong, Vertreter der Demokratiebewegung in Hongkong. Quelle: Vincent Yu/AP/dpa/imago images/ZUMA Press/Montage RND
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Berlin

So sieht also der Mann aus, vor dem China Angst hat: Schmächtig, in grauem Anzug, Haare in die Stirn gekämmt, Nickelbrille. Erst 22 Jahre alt und bereits ein Veteran der Proteste in seiner Heimatstadt Hongkong. Joshua Wong hat am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin um Unterstützung geworben, ruhig und klar, und völlig unbeirrt von Fragen, die ihn aufs Glatteis locken könnten.

Wong prangerte die „exzessive Gewalt der Polizei in Hongkong“ an und forderte die Staatengemeinschaft auf, diese Übergriffe zu verurteilen. Deutschland solle einen sofortigen Exportstopp für Polizeiausrüstung nach Hongkong verhängen. Er warnte: „China hält sich nicht an Regeln und internationale Verträge. In Hongkong hat China all diese Verträge gebrochen.“ Das sollte auch für europäische Länder eine Warnung sein, die chinesische Infrastruktur-Investitionen begrüßen.

Aktivist Joshua Wong fordert Unterstützung für Hongkong-Proteste

China hatte das Treffen mit Maas als „Akt der Respektlosigkeit“ kritisiert. Die Verärgerung in der Volksrepublik ist so groß, dass Chinas Botschafter in Berlin am Mittwochnachmittag selbst zu einer Pressekonferenz lud – ein sehr ungewöhnlicher Schritt für die sonst verschwiegenen Diplomaten. In perfektem Deutsch spricht Wu Ken von „illegalen Versammlungen“ in Hongkong, von „Radikalisten, die unter dem Vorwand der Demokratie gegen Rechtsstaatlichkeit und Ordnung vorgehen“, und sagt: „Ob Hongkong, Hamburg oder Paris, die Polizei muss die gesellschaftliche Ordnung wiederherstellen.“ Wu drohte unverhohlen mit der Möglichkeit einer Intervention: "Wenn die Lage weiter eskaliert und außer Kontrolle geraten sollte, wird die Zentralregierung nicht tatenlos zusehen. Die Zentralregierung ist fähig, die Ordnung wiederherzustellen."

Wongs Besuch werde „sehr negative Folgen“ haben

Die chinesische Regierung hat zuvor von der Bundesregierung verlangt, Wong nicht einreisen zu lassen. Sie sieht ihn als „Drahtzieher hinter den Gewalttaten gegen die Polizei von Hongkong“. Er verurteilte das Treffen von Außenminister Maas mit Wong. Das sei nur dazu geeignet, „Öl ins Feuer zu gießen“.

Das werde „sehr negative Folgen“ für die gegenseitigen Beziehungen haben, die gerade durch die China-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Aufschwung erlebt hätten. „Was aber jetzt geschehen ist, wird negative Auswirkungen haben, das muss ich ganz klar sagen.“ Deutschlands Botschafter in Peking wurde ins Außenministerium einbestellt.

Der „Bild“-Reporter wurde abgewiesen - „kein Platz“

China lässt seine Muskeln spielen. Ein Vertreter der „Bild“-Zeitung, die Wong eingeladen hat, wurde nicht zur Pressekonferenz zugelassen. Der offizielle Grund: Platzmangel. Der RND-Korrespondent hingegen wurde noch kurzfristig zugelassen. „Die Medien in Deutschland sind sehr zahlreich“, sagte der Botschafter, „ich kann sie nicht alle empfangen.“

Der Generalsekretär der Protestbewegung Demosisto ist unterwegs, um für internationale Unterstützung zu werben. Die erste Station war ausgerechnet Taiwan, was die Führung in Peking tief verärgerte. Kurz vor der Abreise nach Deutschland wurde Wong kurzzeitig festgenommen. Am Donnerstag wird er von Berlin aus nach Washington weiterfliegen, wo die einflussreichsten Unterstützer Hongkongs sitzen. Treffen mit mehreren einflussreichen Kongressabgeordneten sind geplant.

Was wünscht sich Wong in Berlin? Symbolik

Und was wünscht er sich in Berlin? Zunächst einmal Symbolik. „Hongkong ist das neue Berlin in einem neuen Kalten Krieg“, sagt Wong immer wieder. Oder auch: Vor 30 Jahren fiel hier die Mauer. Bald könnte auch die Mauer fallen, mit der China seine Bürger von freien Informationen abhält." Die Zensur der "Great Chinese Firewall", die unter anderem westliche Suchmaschinen blockiert, ist für den 22-Jährigen viel realer als die historischen Ereignisse, die lange vor seiner Zeit geschehen sind: Die mitteleuropäischen Revolutionen des Jahres 1989 oder auch das Massaker an der chinesischen Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens im selben Jahr.

Wie findet Wong es, dass sein Name in chinesischen Suchmaschinen gesperrt ist, fragt ein Journalist. "Mein Name ist dort gesperrt, seit ich 15 Jahre alt bin und gegen die Gehirnwäsche in den Schulen protestierte", ist seine lakonische Antwort.

Joshua Wong stammt aus einem konservativen christlichen Elternhaus. Als die Regierung von Hongkong das Schulfach "Nationale und moralische Erziehung" einführen wollte, gründete er seine erste Aktivistengruppe. Die Proteste hatten Erfolg. Zwei Jahre später, mit 17, stand er in vorderster Reihe der Schüler- und Studentenproteste für mehr Demokratie in Hongkong.

Monatelang gingen die Jugendlichen auf die Straße, viele hatten Regenschirme dabei. "Damals waren wir 200.000, heute sind wir zwei Millionen", sagt Wong. "Damals haben wir geschworen: Wir kommen wieder. Nun sind wir zurück - und entschlossener denn je. Ich hoffe, dass die Welt jetzt versteht, dass junge Aktivisten einen Wandel herbeiführen können."

Die Proteste sollen weitergehen, entschlossen und kreativ, erst einmal bis zum chinesischen Nationalfeiertag am 1. Oktober. Die Hongkonger hätten den Ruf, arbeitsam und unermüdlich zu sein, sagt Wong. "Und in demselben Geist protestieren wir."

Es ist gut, die Luft der Freiheit in Berlin zu atmen.

Joshua Wong; Hongkong-Aktivist

Hongkong-Held Joshua Wong: Ein Student im Kampf gegen die Supermacht

Seit dem 9. Juni kommt es in der Finanzmetropole immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Ende August war Wong vorgeworfen worden, andere zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung in der chinesischen Sonderverwaltungszone am 21. Juni animiert und selbst daran teilgenommen zu haben. Wong muss sich auch für die Organisation der Demonstration verantworten. Er war zuletzt zweimal kurzzeitig festgenommen worden.

Von Jan Sternberg/RND

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