Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Christchurch-Attentäter spendete an Identitäre
Nachrichten Politik Christchurch-Attentäter spendete an Identitäre
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:34 26.03.2019
Eine Demonstration der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ 2017 in Berlin. An ihr nahm auch Martin Sellner aus Österreich teil. Ihm spendete der Christchurch-Attentäter Geld. Quelle: Paul Zinken/dpa
Anzeige
Wien/Berlin

Der Attentäter von Christchurch hat an europäische Rechtsextreme Geld gespendet. Die Identitäre Bewegung Österreich (IBÖ) hat von den 28-jährigen Australier im Januar 2018 eine Überweisung von 1500 Euro erhalten. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Graz dem RND.

Die Summe sei „schon länger bekannt“ gewesen. Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch am 15. März, bei dem 50 Menschen ermordet wurden, „hat die Spende ein Gesicht bekommen“, sagt Hansjörg Bacher, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Hinweise aus Neuseeland habe es nicht gegeben. „Das waren unsere eigenen Ermittlungen.“

Das Innenministerium in Wien bestätigte am Dienstag eine Durchsuchung der Privaträume des Identitären-Chefs Martin Sellner. Privaträumen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) habe auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Graz Sellners Wohnung durchsucht. Die Spende sei Teil einer Ermittlung gegen die IBÖ wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Die Organisation soll Spenden nicht angegeben haben.

Durchsuchung in Österreich

Sellner gab am Montagabend in einer Videobotschaft an, von einer Mailadresse mit dem Namen des Attentäters sei Anfang 2018 ein „unverhältnismäßig hoher Betrag“ als Spende bei ihm eingegangen. Er habe dem Absender eine E-Mail mit Dankesworten geschickt. In dem Video, das Sellner am Montagabend über die sozialen Medien verbreitete, gab er zudem an, dass es am Montag eine Hausdurchsuchung in dieser Sache bei ihm gegeben habe.

Sellner kündigte an, die Summe der Spende werde er an eine karitative Einrichtung weitergeben. Mit dem Terroranschlag habe er „nichts zu tun“. Er habe keinen Kontakt zum Attentäter gehabt und ihn auch nie getroffen.

Lesen Sie auch: Geheimdienste im Fokus: Königliche Kommission untersucht Anschlag auf Moscheen

Wie vergangene Woche bekannt wurde, hielt sich der mutmaßliche Täter, ein 28-jähriger Australier, vor dem Anschlag auch in Österreich auf. Die Untersuchungen des (BVT) laufen noch, das genaue Datum des Österreich-Aufenthaltes wurde zunächst nicht bestätigt. Laut Medienberichten reiste der Rechtsextremist am 26. November 2018 nach Wien, soll sich aber auch in Kärnten, Salzburg und Innsbruck aufgehalten haben.

Hohe Gewinne mit Kryptowährungen

Das „Manifest“ des Christchurch-Attentäters trägt den Titel „Der große Austausch“, ein zentraler Begriff der Identitären. Sellner ist davon überzeugt, dass ihn der Australier „in die Sache hineinziehen wollte“. Zumindest vorstellbar ist, dass der Attentäter auch an andere Personen oder Organisationen der Neuen Rechten in Europa gespendet hat. Nach eigenen Angabe hatte er hohe Gewinne bei der Spekulation mit Kryptowährungen gemacht.

Der Tatverdächtige sitzt nach dem Anschlag auf die Freitagsgebete in Untersuchungshaft. Ihm droht wegen vielfachen Mordes lebenslange Haft.

Mehr zum Anschlag in Christchurch

Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch am 15. März waren während der Freitagsgebete 50 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Der Tatverdächtige sitzt in Untersuchungshaft, ihm droht wegen vielfachen Mordes lebenslange Haft.

Christchurch-Video: Massaker zeigt Versagen von Social Media auf

Verbreitung via Facebook: 18-Jähriger verbreitet Live-Video von Anschlag – und wird angeklagt

Anschlag von Christchurch: Attentäter will sich selbst verteidigen

Manifest: Anschlag von Christchurch: Attentäter schickte „Manifest“ auch an Premierministerin

Von Jan Sternberg/RND

Auf den Tag genau vor zehn Jahren hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, zieht im Interview Bilanz. Und gibt Deutschland eine mäßige Note.

26.03.2019

Ist Sterbehilfe ethisch erlaubt? Die an Krebs erkrankte Anne Schneider hat gemeinsam mit ihrem Mann ein Buch über ihren inneren Konflikt geschrieben. Im Interview spricht das Paar gemeinsam mit Sterbehilfe-Aktivist Jürgen Domian über Glauben, Gesetze und Möglichkeiten.

26.03.2019

Die Zahl der Schüler, die das Abitur nicht schaffen, steigt. Zugleich aber wird bundesweit auch häufiger die Note 1,0 vergeben. Kritiker sehen die Schüler generell unzureichend auf das Arbeitsleben vorbereitet. Der Fehler könnte in der Konzeption des Abiturs liegen.

26.03.2019