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Politik Klimadebatte bei „Hart aber fair“: Beim Thema Auto platzt Markus Lanz der Kragen
Nachrichten Politik Klimadebatte bei „Hart aber fair“: Beim Thema Auto platzt Markus Lanz der Kragen
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07:16 26.03.2019
Moderator Markus Lanz bei „Hart aber fair“ Quelle: ARD/Screenshot
Berlin

 Frank Plasberg will das Mega-Thema Klimawandel nah an den Zuschauer bringen. Dazu nimmt er auch in Kauf, nach Pinguinen nur die Nummer 2 im Studio zu sein. „Hart aber fair“ beginnt als Fortsetzung der Tierdoku, die zuvor im Programm lief. „Die Erde schwitzt, das Eis schmilzt – wie radikal müssen wir uns ändern?“ lautet die Frage der Sendung. Darauf haben die Protestierenden von „Fridays for Future“ eine klare Antwort: Sehr radikal. Der zweitgrößte Autobauer der Welt sieht das ähnlich – schließlich steht bei VW nicht nur die verbliebene Glaubwürdigkeit nach dem Dieselskandal, sondern das gesamte Geschäftsmodell auf dem Spiel.

Die Gäste

VW-Chef Herbert Diess nutzt den Abend für geschickte Werbung für das Image und künftige Produktpalette seines Konzerns. Moderator Plasberg hielt ihm vor, dass die 100 Millionen VW-Fahrzeuge auf der Welt alleine für ein Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich seien. „Diesen Wert wollen wir bis 2050 auf Null bringen“, kündigte der Konzernchef an. Elektromobilität sei der beste Weg dorthin. „Alle anderen Techniken sind schlechter“, sagte Diess kategorisch. Für die Proteste der Jugendlichen zeigte er erneut Verständnis.

Genau das störte den TV-Moderator und Polarreisenden Markus Lanz. Die „Umarmung“ von „Fridays for Future“ durch viele Verantwortliche sei vielleicht eher ein „Würgeversuch“. Mit Blick auf das Lob des halben Kabinetts und des Bundespräsidenten für die Schulstreikenden sagte Lanz: „Es ist schwer zu ertragen, wie sich die Politik an die jungen Leute ranschmeißt“, sagte Lanz.

Luisa Neubauer, deutsche Organisatorin der Klimamärsche, ließ sich aber nicht so schnell umarmen. Ein ums andere Mal verwies die Studentin darauf, wie dringend entschiedenes Handeln in der Klimapolitik inzwischen sei: „Man hat gut 20 Jahre verschlafen.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) versucht, zu retten, was zu retten ist – die Frage ist nur, ob sie das Klima meint oder die Rest-Reputation der GroKo. „Mit dem Planeten und seinen Grenzen kann man nicht verhandeln, wir müssen jetzt handeln“, sagte sie und verwies auf ihr vorgelegtes Klimaschutzgesetz. Ob sie mit den Unions-Ministern Peter Altmaier und Andreas Scheuer verhandeln kann, ließ sie offen.

„Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt feierte seinen 52. Geburtstag durch eine Teilnahme an der Talkrunde und gab den bürgerlichen Provokateur. Bewusster Konsum habe für ihn mit Genuss zu tun, nicht mit Moral. Sein alter Porsche sei ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit – „das ist ein sehr nachhaltiges Auto, vor 50 Jahren gebaut, wird nie weggeschmissen werden“.

Das Duell des Abends

Mit seinen kalkulierten Sätzen brachte Poschardt Klima-Demonstrantin Neubauer ein ums andere Mal gegen sich auf. „Die Elektroautos, die ich gefahren bin, hatten keine Seele“, provoziert Poschardt. „Dafür haben wir nun wirklich keine Zeit mehr“, ätzte Neubauer zurück. Diess nutzte die Vorlage, um das künftige E-Zugpferd aus Wolfsburg zu bewerben. „Außen so groß wie der Golf, innen so groß wie der Passat, 500 Kilometer Reichweite – und mit Seele. Das Auto meldet sich beim Einsteigen, es hat Design, hat Interieur. Es wird schwierig sein, sich gegen so ein Elektroauto zu entscheiden.“

Damit überzeugte der VW-Chef aber weder Poschardt noch Neubauer. „Alten weißen Männern ein Elektroauto zu verkaufen“ – für solche Spielchen sei es zu spät, sagte die Demonstrantin. Und Poschardt lobte abermals den Oldtimer-Sportwagen. Da platzte Lanz der Kragen: „Ich fahre seit Jahren einen Plug-In-Hybrid, das ist auch zuträglich.“ Und er versuchte verzweifelt, Poschardt in seiner Rolle als Genussmensch von den Schäden des Klimawandels zu überzeugen: „Bei mir daheim in Südtirol treiben die Reben zu früh aus“, dadurch sei der Weinbau gefährdet.

Kurzdialog des Abends

Neubauer: „Wir hängen uns an den Symbolen der Postmoderne auf. An den Flügen, am Auto.“

Poschardt: „Das ist Moderne, das Auto.“

Der krasseste Satz

Poschardt machte aus seiner Abneigung gegen die Radikalität Neubauers keinen Hehl. Er spielte den Provokateur und wurde mehrmals ausfällig gegen die 22-Jährige: „Das ist irre charmant, aber eine moralische Position“, keilte er und beschied den Protestierenden, „im Ton des Lehrkörpers den Erwachsenen neue Regeln aufzuerlegen“. Alle anderen Teilnehmer verteidigten Neubauer zwar – aber waren dabei fast genauso paternalistisch. „Im Rahmen Ihrer Möglichkeiten haben Sie die Stirn gerunzelt“, charmierte Plasberg. „Das haben die jungen Leute angestoßen, dass es eine gesellschaftliche Debatte gibt“, lobte Schulze. „Die jungen Leute haben die ganze Autorität, uns anzuklagen“, urteilte Diess. Ja, diese jungen Leute. Neubauer ließ sich nicht provozieren. Sie griff sich dann das letzte Wort. Diese jungen Leute sind die wahren Profis.

Enttäuschung des Abends

Ein Zuschauer forderte von Diess ein alltagtaugliches Elektroauto für 10.000 Euro. Kann es nicht geben, beschied der Konzernchef. „Die Batterien sind zu teuer.“ Immerhin stellte er für die nächsten Monate eine Entscheidung in Aussicht, auch in Europa Batterien fertigen zu lassen. Es wäre die vierte Batteriefabrik für VW nach dreien mit chinesischen oder koreanischen Partnern. Wie sehr die europäischen Autobauer ins Hintertreffen geraten sind, ließ sich bei den ehrlichen Sätzen des VW-Chefs gut ablesen.

Von Jan Sternberg/RND

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