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20:29 24.06.2019
Die SPD wird ihre Mitglieder über die neue Führungsspitze abstimmen lassen. Quelle: imago/Karina Hessland
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Berlin

Welches ist der letzte SPD-Vorsitzende, den man sich auch gut als Hauptdarsteller in einem Kinofilm hätte vorstellen können? Willy Brandt und Gerhard Schröder waren beide noch Personen, die mit ihrem Charisma ein großes Publikum für sich einnehmen und fesseln konnten. Martin Schulz fehlten die Nerven, um die hohen Erwartungen zu erfüllen.

Auch wenn Kulturpessimisten die Entwicklung beklagen mögen: Politik muss in unserer Mediengesellschaft mehr denn je gemacht sein wie ein spannender Film, wenn sie zu den Menschen durchdringen soll. Ohne jede Frage lebt ein gelungener Film von einer guten Geschichte, also von den richtigen Inhalten. Sie muss aber auch von überzeugenden Hauptfiguren vermittelt werden. Mehr noch: Geschichte und Darsteller, Programm und Mensch müssen zusammenpassen.

Die SPD hat also mit der Findung des Verfahrens für einen neue Parteispitze nicht mehr als den Startschuss für den nächsten Versuch gegeben, aus der schlimmsten Krise ihrer Geschichte zu kommen. Es ist offen, ob die SPD überlebt oder stirbt.

Mit solider Regierungsarbeit hat die SPD lange nicht mehr gepunktet

Zur ernüchternden Erkenntnis für die Sozialdemokraten gehört, dass sie auch mit soliden Inhalten und ordentlicher Regierungsarbeit schon lange nicht mehr gepunktet haben. Die Fliehkräfte von Teilen der Parteibasis aus dem Regierungsbündnis dürften jetzt immer stärker werden. Gleichzeitig fürchten die Abgeordneten um ihre Mandate. Sie wissen: Es ist nicht sinnvoll, die eigenen Aktien zu verkaufen, wenn sie auf dem niedrigsten Stand sind. Die SPD wird also erst mal weiter versuchen, in der Regierung das eigene Profil zu schärfen. Sie muss auffälliger werden – ohne dass zu sehr auffällt, dass sie taktisch getrieben ist. Eine Quadratur des Kreises.

Vom derzeitigen Erfolg der Grünen kann die SPD zweierlei lernen: Benötigt wird ein erkennbares Grundprofil, ein programmatischer Kern. Die wahre Kunst ist dann aber keinesfalls, alles genau in programmatischen Spiegelstrichen auszuformulieren. Von größtem Wert ist es vielmehr, Führungspersonal zu haben, das mittels sympathischer und kompetenter Ausstrahlung auch den einen oder anderen Widerspruch überbrücken kann.

Niemand vergibt die Hauptrolle an den Drehbuchschreiber

Die Frage, wer die Partei künftig führt, kann darüber entscheiden, ob die SPD überlebt oder nicht. Andrea Nahles beherrschte – trotz einiger Fehler – das politische Führungshandwerk einer Parteichefin gut. Was fehlte, war die positive Außenwirkung. Ohne sie geht es in der heutigen Zeit aber nicht mehr. Im Kino vergibt auch niemand die Hauptrolle an einen noch so guten Drehbuchschreiber.

Aus der Not heraus hat die verbliebene Parteiführung sich diesmal entschieden, mit einem Prinzip zu brechen, das zum Niedergang der SPD beigetragen hat. Es ist das Prinzip, mit dem – ohne vorherige Einbindung der Mitglieder – der Parteivorsitz im Hinterzimmer stets eben noch schnell an den nächsten in der Reihe weitergereicht worden ist. Als wäre er ein Wanderpokal, den jeder einmal in die Hand nehmen darf, der in SPD-Führungsgremien lange genug darauf gewartet hat. Damit soll endlich Schluss sein.

Das ist höchste Zeit. Den Menschen reicht es nicht mehr, wenn sie als Parteimitglied nur dazu da sind, in der Fußgängerzone Flyer und Kugelschreiber zu verteilen. Sie wollen nicht nur brav das beklatschen, was andere ausgekungelt haben. Ein offener Wettbewerb kann darüber hinaus auch dazu beitragen, in der Öffentlichkeit ein positives Interesse an einer Partei zu schaffen. Diese Chance muss die SPD jetzt nutzen.

Doppelspitze ist kein Erfolgsgarant

Es wäre darüber hinaus mutig und richtig, bei der Aufstellung von Spitzenkandidaten auch Nicht-Parteimitglieder einzubeziehen. Warum nicht – wie Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann vorschlägt – ein Eintrittsgeld von fünf Euro dafür nehmen? Wenn Menschen mit Charisma, Schwung und Argumenten konkurrieren, kann auch Politik zum Blockbuster werden.

Die Frage der Doppelspitze ist dafür übrigens nicht entscheidend. Eine Frau und ein Mann gemeinsam an der Spitze – das ist zeitgemäß und richtig. Es ist aber, wie viele Beispiele der Grünen aus der Vergangenheit zeigen, noch lange kein Garant für den Erfolg. Es geht nicht um die Zahl der Personen, die gleichzeitig auf der Bühne zu sehen sind. Es geht darum, endlich wieder großes Kino zu machen.

Von Tobias Peter/RND

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