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Politik Angela Merkel: Die entrückte Kanzlerin
Nachrichten Politik Angela Merkel: Die entrückte Kanzlerin
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19:49 31.05.2019
Angela Merkel – die Anführerin der freien Welt? In Harvard sieht man das so. Quelle: Steven Senne/AP/dpa
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Berlin

Hat jemand die Kanzlerin gesehen? Diese Frage war in der zurückliegenden Woche im politischen Berlin häufig zu hören. Der Ausgang der Europawahl hat die deutsche Parteienlandschaft umgepflügt. CDU und SPD sind nach historischen Niederlagen mächtig in Aufruhr und tragen ihre Verunsicherung hinein in eine ohnehin wackelige Bundesregierung.

Deren Chefin aber war als Kraft, die in Berlin Ordnung und Orientierung vermitteln könnte, nicht präsent.

Angela Merkel entschwebt dem großkoalitionären Kleinklein

Stattdessen tauchte Angela Merkel an anderer Stelle auf, weit weg vom großkoalitionären Kleinklein. An der US-Eliteuniversität Harvard hielt sie eine Rede, die den Eindruck einer in präsidentielle Sphären entrückten Kanzlerin verfestigte. Merkel dozierte über den Wert von Aufgeschlossenheit, Zusammenhalt und Wahrhaftigkeit im Privaten wie in der Politik.

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Sie schlug ungewohnt spirituelle Töne an, als sie den Absolventen zurief, dass es kein Leben gebe ohne den Tod. Wer hätte gedacht, dass Merkel im 14. Jahr ihrer Kanzlerschaft noch zu überraschen imstande ist.

Seit ihrem Verzicht auf den CDU-Vorsitz wirkt Merkel erleichtert. Die Zeit der ständigen Anfeindungen aus dem eigenen Lager ist vorbei. Sie wagt sich aus der Deckung und wählt dafür am liebsten die große, internationale Bühne.

Endlich erklärt Merkel ihre Politik

Ob zur Gleichstellung von Frauen, zum Umgang mit Geflüchteten oder zur Stärkung Europas: Die Kanzlerin findet jetzt Worte, die man in ihrer Klarheit gern viel früher von ihr vernommen hätte. Endlich erklärt sie die Motive ihrer Politik. In Harvard, der Heimstatt des westlichen Liberalismus, ließ sie sich als Ikone der freien Welt feiern. Dass Merkel dieser Status zufällt, sagt viel über den Zustand der westlichen Welt aus, in der die Streiter für Toleranz und Miteinander weniger werden.

Die Laudatoren priesen Merkel für die Aufnahme von Flüchtlingen, für ihre Klimapolitik, die Einführung des Mindestlohns und der Ehe für alle. Einiges davon wurde nicht wegen, sondern trotz Merkel Wirklichkeit. Aber die Kanzlerin widerspricht nicht.

Nicht jedes Lob hat Merkel sich verdient

Unübersehbar ist die ironische Pointe zum Ende der Kanzlerschaft Merkels: Ihre liberale Politik, die Merkel in der weiten westlichen Welt zum Star macht, wird ihr daheim in Deutschland angelastet. Nicht zuletzt von Parteifreunden.

Hierzulande müht sich Annegret Kramp-Karrenbauer damit ab, die unter Merkel gespaltene CDU wieder zu einen. Hier sucht die taumelnde SPD nach Jahren des Themenklaus durch die Merkel-CDU nach einer Daseinsberechtigung. Merkel trägt gewiss nicht allein die Schuld an dem traurigen Erscheinungsbild der einstigen Volksparteien. Solange sie allerdings Kanzlerin ist, liegt es in ihrer Verantwortung, dass diese Parteien gut regieren.

Und wer sorgt dafür, dass die Groko arbeitet?

In der GroKo geht zurzeit wenig voran. Vor allem beim Klimaschutz braucht es jetzt konkrete Maßnahmen. Merkels Anspruch sollte sich nicht darauf beschränken, im Ausland als Autorität zu gelten. Ihre Autorität ist in Berlin gefragt.

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Von Marina Kormbaki/RND

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