Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Rezo bedient den Populismus
Nachrichten Politik Rezo bedient den Populismus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:16 23.05.2019
Der Youtuber Rezo beim Webvideopreis 2017. Quelle: imago images / DeFodi
Berlin

Egal, wie man das Video abschließend bewertet, eines ist klar: Rezo hat die CDU voll erwischt – und damit den kompletten Politikbetrieb. Seine Tirade gegen die Christlich-Demokratische Union wurde nicht nur millionenfach geklickt. Ihre Botschaft hat es von der Online- in die Offline-Welt geschafft.

Und egal, wie substanziell man findet, was der 26-Jährige sein Publikum wissen lässt, auch das ist klar: Die CDU hat dagegen kein Mittel, jedenfalls keines, das schnell wirkt. Sie blamiert sich. Sie kann gar nicht anders.

Was sagt uns das?

Auffallend ist, dass jetzt dreimal vergleichsweise junge Menschen die politische Agenda bestimmt haben und es weiter tun: die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, 16, Juso-Chef Kevin Kühnert, 29, und nun Rezo, 26. Es geht ihnen, worum es jungen Menschen meist geht: um eine bessere Welt.

Alle drei treffen einen Nerv, indem sie uralte Themen neu in den Fokus alternder Gesellschaften rücken: Umwelt- und Gerechtigkeitsfragen. Die alternden Gesellschaften wehren sich dagegen. Die Angriffe vor allem auf Thunberg zeigen das. Dabei haben die Jungen jedes Recht auf Verteidigung. Es geht um ihre Zukunft.

Mehr zum Thema Rezo und Anti-CDU-Video

Faktencheck: Was ist dran an seiner Kritik?

Bericht: Youtuber postet vernichtendes Video über die CDU – und erreicht Millionen

Bericht: So reagiert die CDU auf den selbst ernannten Zerstörer Rezo

Porträt: Rezo – der Youtube-Star mit dem Herz für Tiere

Bericht: Antwort auf Rezo-Video: Das große Warten auf Philipp Amthor

Die Replik: CDU antwortet Rezo mit Brief ohne Unterschrift

Kommentar: Rezo bedient den Populismus

Rezos Traum von der „Zerstörung“ der CDU und dessen enorme Resonanz sind freilich ebenso ein weiterer krasser Beleg für eine Entwicklung, die eine Gefahr birgt: eine immer gnadenlosere Tendenz hin zu einem immer populistischeren politischen Diskurs – forciert vom Netz.

Denn so recht der Youtuber mit vielem hat, er hat eben zugleich mit vielem Unrecht. Seine Treffer gleichen denen eines Jägers, der mit einer Schrotflinte auf ein Ziel anlegt – und dabei zwar das Ziel trifft, aber auch Kollateralschäden anrichtet.

Das System gerät unter Druck

Schließlich haben wir ein politisches System, das auf einen sachlichen politischen Diskurs angewiesen ist und Zeit braucht zur Debatte und Entscheidungsfindung. Die Entscheidungen fallen in einer parlamentarischen Demokratie mit ihren Checks und Balances ohnehin selten so aus, dass alle Hurra schreien. Letzteres ist in einer pluralistischen Gesellschaft gar nicht vorstellbar.

Daneben erleben wir öffentliche Debatten, die mehr und mehr vom Rand angetrieben werden – zuletzt vor allem vom rechten Rand, neuerdings aber auch vom linken Rand. Deren Urheber leben wie Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer oder Rezo von Provokation, Zuspitzung und Krawall. Wer Krawall macht, wird gehört. Und wer den größten Krawall macht, sitzt montagabends bei „Hart aber fair“. Ja, in Deutschland bekommen mittlerweile zu viele Leute Aufmerksamkeit, die es nicht verdienen.

Dieser Mechanismus verselbstständigt sich, sodass wir auf der unteren Ebene eine als langweilig empfundene politische Praxis mit wachsenden Legitimationsproblemen sehen – von Akteuren, die auf die Erwartungen ihrer Wähler genauso Rücksicht nehmen müssen wie auf Sachzwänge.

Ein radikales klimapolitisches Umsteuern, wie es von Thunberg oder Rezo reklamiert wird, hätte eben auch radikale Konsequenzen – für die Kohlereviere in Ost und West oder die Automobilindustrie. Es ist ja kein Zufall, dass es dazu nicht kommt. Die CDU spiegelt die Ängste und Unbeweglichkeiten der Gesellschaft wider.

Lesen Sie hier, wie Rezo gegen die CDU nachlegt

Knapp vorbei ist auch daneben

Eine oder zwei Etagen darüber sehen wir täglich neue, schnelle und wüste öffentliche Auseinandersetzungen mit Ansprüchen, die weder Politik noch klassische Medien erfüllen können. Die von Kühnert ausgelöste „Kollektivierungs“-Debatte demonstriert das beispielhaft. Sie stellt nämlich in den Schatten, was die SPD auf dem Feld des sozialen Ausgleichs tatsächlich leistet.

Und sie verkennt, welch große Probleme es schon gäbe, die Vermögensteuer wieder einzuführen oder die Erbschaftsteuer anzuheben – von „Kollektivierungen“ ganz zu schweigen. Kurzum: Im Netz ist das Spektakuläre gefragt. Doch demokratische Politik kann nicht spektakulär sein. Wer diesen Anspruch hegt, macht sie kaputt. Dem Populismus ist der Anspruch immanent.

So gilt für Rezo, was für viele gilt, auf die heute das Licht der digitalen Aufmerksamkeit fällt: „Knapp vorbei ist auch daneben.“ Nur, wer heute knapp daneben schießt, landet eben nicht selten einen Volltreffer. Immer mehr Menschen dürften dies als Anleitung zur Nachahmung betrachten.

Von Markus Decker/RND

Hubertus Heil kniet am Boden, er schüttelt Kissen auf, reinigt Matratzen – ein ungewohntes Bild, welches der Bundesarbeitsminister abgibt. Doch sein Tag als Putzkraft in einer Bochumer Klinik hat einen ernsten Hintergrund.

23.05.2019

Einen Tag lang ließ das Konrad-Adenauer-Haus das Netz auf eine Video-Replik des Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor auf den CDU-Verriss des Youtubers Rezo warten. Doch der Clip wird nicht veröffentlicht. Stattdessen gibt es nun einen Brief.

23.05.2019

Sein Anti-CDU-Video geht seit Tagen viral in den sozialen Netzwerken. Wer ist der Mann mit den blauen Haaren und der offenkundigen Abneigung gegen die Regierung? Ein Überblick über seine Arbeit, seine Hobbies und seine Herkunft.

23.05.2019