Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Ende der Zeitumstellung: Europa lässt sich Zeit
Nachrichten Politik Ende der Zeitumstellung: Europa lässt sich Zeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:47 04.03.2019
Verschiedenen Küchenuhren im Deutschen Uhrenmuseum Furtwangen. Quelle: Patrick Seeger/dpa
Anzeige
Kommentar

 Im vergangenen Jahr erreichte die Europa-Begeisterung der Deutschen ein lange nicht mehr gefühltes Hoch: Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass bereits 2019 das halbjährliche Drehen an der Uhr abgeschafft werden soll. 4,6 Millionen EU-Bürger beteiligten sich an einer folgenden Online-Umfrage, 3 Millionen Antworten kamen allein aus Deutschland. Ergebnis: 84 Prozent der Teilnehmer forderten die Abschaffung der Zeitumstellung.

Viele glaubten, dass Europa nun – wie angekündigt – rasch handelt. Die EU, hofften sie, ist doch besser als ihr Ruf. Dann traten die Regierungen der EU-Staaten auf die Bremse. Denn in Europa ist nur eins klar: Viele sind genervt vom Wechsel auf Sommer- oder Winterzeit. Unklar ist hingegen, welche Einheitszeit es denn künftig sein soll?

Zeitumstellung nicht im Handumdrehen

Die Antwort ist nicht so trivial wie unser kurzfristiges Genervt-Sein Ende März und Ende Oktober. Es geht dabei unter anderem um Gesundheitsaspekte, Sicherheitsbedingungen oder die europäische Binnenwirtschaft. Das alles lässt sich nicht, wie EU-Kommissionspräsident Juncker voriges Jahr suggerierte, im Handumdrehen lösen.

Das führt schnell zu der Frage, ob es in Europa nicht drängendere Fragen zu lösen gilt als die halbjährliche Zeitumstellung. In diesen Tagen ist noch nicht klar, ob Großbritannien die EU verlässt oder doch nicht – und welche Folgen das noch hat. Unabhängig davon sind die tatsächlichen europäischen Erschütterungen schon länger deutlich zu spüren, allein wenn wir an die finanziellen Probleme Griechenlands denken, die Fesselung der Justiz in Polen oder die Abschottungsbemühungen des ungarischen Regierungschefs.

Zeitumstellung als Ablenkungsmanöver

Unter diesem Licht betrachtet, wirken die Ankündigungen der EU-Kommission in Sachen Zeitumstellung wie ein Ablenkungsmanöver. Motto: Werft der Masse ein populäres Thema zum Fraß vor – wir können dann in Ruhe an den wichtigen Fragen arbeiten. Hoffen wir einmal, dass Brüssel dies wirklich tut.

Denn wie dem auch sei: Junckers Stehgreif-Versprechen ist wie der Geist, der die Flasche verlassen konnte. Politiker in 28 EU-Staaten müssen sich damit beschäftigen. Die Bundesregierung favorisiert die dauerhafte Sommerzeit. Klingt gut, aber nicht für alle europäischen Partner. Sommerzeit für immer würde in Portugal und Spanien im Winter die Sonne mitunter erst gegen 10 Uhr aufgehen lassen. In einer dauerhaften Winterzeit wäre hingegen im östlichen Polen im Sommer die Nacht bereits um 3 Uhr beendet.

Kompromiss für Zeitumstellung nötig

Gesund ist das nicht. Und auch in anderen Bereichen wie Wirtschaft, Verkehr oder Energie tauchen Probleme auf, die bislang kaum jemand auf dem Schirm hatte. Dass hier ein Kompromiss gefunden werden muss und dass es nicht so schnell gehen kann, ist wohl auch jedem Gegner der Zeitumstellung klar.

Die Erwartung ist jedoch geweckt, ja sogar leichtfertig versprochen worden. Dahinter sollte Europa nicht mehr zurück. Der Vorschlag, bis 2021 das Ende der Zeitumstellung zu regeln, scheint realistisch zu sein. Mehr Zeit sollte sich die EU aber nicht mehr damit lassen.

Von Thoralf Cleven/RND

Die Grundrente ist derzeit einer der großen Streitpunkte der Regierungskoalition. Vor allem bei der Frage nach der Bedürftigkeitsprüfung hakt es. Arbeitsminister Hubertus Heil warnt vor Enttäuschungen für die Betroffenen.

04.03.2019

Estland rückt offenbar weiter nach rechts. Aus der Wahl gehen die oppositionellen Konservativen als Sieger hervor. Stark legen zudem die Rechtspopulisten zu, mit denen die etablierten Parteien nicht zusammengehen wollen.

04.03.2019

Darf im Karneval die Grenze des Sagbaren überschritten werden? Die Debatte um eine Äußerung der CDU-Chefin zu verweichlichten Männern und intersexuellen Toiletten erhitzt die Gemüter. Dabei ist Diskriminierung im Karneval vielerorts Alltag – auch, wenn die Sensibilität wächst.

04.03.2019