Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik „Fridays for Future“: Philipp Amthor wünscht sich mehr Leidenschaft bei Inhalten
Nachrichten Politik „Fridays for Future“: Philipp Amthor wünscht sich mehr Leidenschaft bei Inhalten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:48 22.07.2019
Philipp Amthor von der CDU. Quelle: imago images / Jens Jeske
Anzeige
Berlin

Sie könnten kaum ungleicher sein: Auf der einen Seite der linke Juso-Chef Kevin Kühnert (30), der schon mal über Enteignungen von Firmen wie BMW nachdenkt, auf der anderen der stramm konservative CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor (26), der gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ist. Doch beide gelten als kommende Spitzenpolitiker, sie stehen für den Nachwuchs der schlingernden Volksparteien SPD und CDU. In einem Interview mit dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“ diskutierten die beiden jetzt unter anderem über „Fridays for Future“ und den Klimaschutz, über Quoten und eine Herabsetzung des Wahlalters.

Die Forderung der Fridays for Future-Bewegung nach mehr Taten beim Klimaschutz etwa können beide verstehen. Um Fortschritte bei den Klimazielen transparent machen zu können, fordert Kühnert überprüfbare Zwischenschritte für das von der Bundesregierung geplante Klimaschutzgesetz. Amthor echauffiert sich dagegen über dessen Bezeichnung: „Klimaschutzgesetz, wenn ich das schon höre. Das ist wieder Teil einer Reihe von Wohlfühl-Gesetzesetikettierung: Gute-Kita-Gesetz, Familienstärkungsgesetz.“ Das Gesetz klinge so, als ließe sich Klimaschutz gesetzlich verordnen und als wäre er dann umgesetzt. Und beim jetzigen Entwurf sehe er die Gefahr, dass das Umweltministerium zu einer Art Superaufsicht über alle anderen Ministerien werde.

Kühnert findet „Fridays for Future“ zu „flauschig“ für eine neue APO

Mit Hinblick auf die „Fridays for Future“-Proteste und ob da eine neue APO heranwachse, sagt Kühnert, dafür sei ihm der Umgang miteinander viel zu flauschig. „Da stehen junge Leute auf der Straße und lesen der Regierung den Koalitionsvertrag vor, und dass der bitteschön umgesetzt wird“. Zwar hätten die jungen Leute recht, doch konformistischer könne man – nicht despektierlich gemeint – nicht agieren, sagt er. Amthor mache dagegen der Ton Angst, mit dem über Klimawandel und -schutz geredet werde. „Ich würde mir mehr Leidenschaft bei den Inhalten wünschen.“

Außerdem sprechen sie über die Herausforderung ihrer Parteien, einem Youtube-Video wie dem von Rezo entgegenzutreten. „“Wir können uns diese Verkalkung in unseren Parteiapparaten nicht länger leisten, dieses bräsige, demonstrative Desinteresse an einem großen Teil der Wirklichkeit“, sagt Kühnert. In diesem Punkt gibt Amthor ihm recht. Mit den derzeitigen Parteistrukturen tue man sich im Umgang mit solchen Videos schwer. Auf die Frage, ob man jemals das Antwortvideo auf Rezo sehen werde, sagt er aber auch: „Es gibt in diesem Lande wahrlich wichtigere Dinge als ein Video von Philipp Amthor.“ Er habe den Hype darum nicht verstehen können.

Der Juso-Chef Kevin Kühnert (SPD). Quelle: Michael Kappeler/dpa

Diskussion um Wahlalter ab 16 Jahren

Zum Thema Quoten bei Jugend, Frauen und Ostdeutschen gehen die Meinungen der beiden allerdings stark auseinander. „Quoten sind grundsätzlich Unfug, wenn sie beim Wahlakt ansetzen“, sagt Amthor. Solle jemand sagen müssen, er sei nur wegen einer Quote da? Kühnert hält dagegen. „Am Ende sitzen die Leute da, weil sie gewählt worden sind. Auch mit Quote.“

Von den Quoten kommt beide auf eine Herabsetzung des Wahlalters zu sprechen. Kühnert findet Wählen ab 18 überholt. „Wir zwei sind in unsere Parteien eingetreten, da waren wir noch keine 16. Es mag eine Utopie sein, aber ich finde, Menschen sollten selbst entscheiden, ab wann sie an Wahlen teilnehmen.“

Amthor findet die Diskussion jedoch emotional-romantisch geführt und bekräftigt seine Abneigung gegen ein Absenken des Wahlalters. „Am Ende ist es immer Willkür, das Alter festzulegen. Die Schüler bei ’Fridays for Future’ sind politisch interessiert und sollten wählen gehen dürfen?“ Das gehe seiner Meinung nach von der falschen Prämisse aus. „Als wäre politisches Interesse eine qualitative Voraussetzung fürs Wahlrecht. Wozu führt das?“ Auch sei ein 17-Jähriger nur beschränkt geschäftsfähig und könne jenseits seines Taschengeldes keine wirksamen Geschäfte ohne seine Eltern tätigen.

„Aber ich kann vorher schon eine Ausbildung machen, ich kann zur Bundeswehr gehen, ich kann in Parteien eintreten und dort die entscheidende Stimme sein! Aber wählen soll ich nicht dürfen?“, erwidert Kühnert darauf.

Lesen Sie auch: Was Kevin Kühnert genau gesagt hat

Amthor: „Was mich an ihm nervt? Der linke Beißreflex gegenüber Patriotismus“

Neben einigen lobenden Worten gebe es auch Dinge, die sie aneinander nerven. „Sein Deutschland-Pin auf dem Revers geht mir schon auf den Keks“, erzählt Kühnert. Amthor wehrt sich: „Das tragen viel zu wenige! Was mich an ihm nervt? Der linke Beißreflex gegenüber Patriotismus.“

Lesen Sie auch: „Absurde Situationen“ - Kevin Kühnert spricht über seine Tinder-Erfahrungen

Von RND/cz

Der Bundesverkehrsminister von der CSU wagt die Flucht nach vorn: Nach massivem Druck hat Andreas Scheuer die Verträge der inzwischen gerichtlich gestoppten Pkw-Maut veröffentlicht. Dem Bund drohen Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe – und dem Minister eine öffentliche Schlammschlacht.

19.07.2019

Die beiden großen christlichen Kirchen haben im vergangenen Jahr erneut deutlich an Mitgliedern verloren. Sowohl für die Protestanten wie auch für die Katholiken bietet der Prozess auch neue Möglichkeiten – falls sie sich um eine neue Glaubwürdigkeit bemühen.

19.07.2019

Das Bundesamt für Justiz wirft Facebook vor, über die Löschung rechtswidriger Inhalte gemäß dem umstrittenen NetzDG nicht transparent genug zu berichten. Deshalb gab es ein Bußgeld von zwei Millionen Euro. Facebook nimmt das nicht kampflos hin.

19.07.2019