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14:44 22.07.2019
Auf einer Packung Joghurt ist der sogenannte «Nutri-Score» zu sehen. Quelle: Christophe Gateau/dpa
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Berlin

Ein Logo soll künftig auf Verpackungen anzeigen, wie viel Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln enthalten ist – nur welches soll es sein? Darüber sollen nun die Verbraucher entscheiden. Das Bundesernährungsministerium von Julia Klöckner (CDU) hat diesen Montag die lange angekündigte Befragung gestartet.

Das Ergebnis der Verbraucherbefragung liegt voraussichtlich Ende September vor, teilte das Ministerium mit. „Dieses wird maßgeblich für die politische Entscheidung des Bundesministeriums sein.“

Zur Auswahl stehen vier verschiedene Modelle, Verbraucherzentralen dringen auf eine definitive Entscheidung im Herbst, um die Einführung eines Logos nicht weiter zu verzögern. Die Verbraucherforschung in verschiedenen Formaten solle sicherstellen, dass das künftige System eine gute Orientierung bietet, sagte Klöckner.

Verbraucherschützer favorisieren Nutri-Score

Unter den Modellen ist das aus Frankreich stammende System Nutri-Score, für das sich Verbraucherschützer und die SPD stark machen, aber etwa auch die Tiefkühlkost-Branche. Es bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an – auf einer fünfstufigen Skala von dunkelgrün bis rot. Erste Produkte damit sind schon in deutschen Supermärkten zu kaufen.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) will in diesem Sommer durch eine Befragung von Bundesbürger herausbekommen, welche Modell diese bei der verständlichen Lebensmittel-Kennzeichnung favorisieren. Ein Überblick:

Getestet werden soll außerdem das „Keyhole“-Modell aus Skandinavien mit einem weißen Schlüsselloch auf grünem Grund, das eine positive Nährwertbewertung anzeigt.

Teil der Befragungen sind daneben zwei noch nicht in der Praxis eingesetzte Modelle. So hat das bundeseigene Max-Rubner-Forschungsinstitut ein Logo entwickelt, das Salz, Zucker und Fett pro 100 Gramm in separaten Waben anzeigt, die bei niedrigem Gehalt jeweils blaugrün gefärbt sind.

Der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL hat seinerseits ein Label vorgeschlagen. Es zeigt fünf Kreise, in denen die Kalorien sowie der Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz pro 100 Gramm stehen. Ähnlich wie bei einer Tortengrafik zeigt eine hervorgehobene Fläche in jedem Kreis an, wie viel Prozent der täglichen Zufuhr der Verzehr von 100 Gramm bedeutet – je mehr, desto größer die Fläche.

Befragungsstart mit Gruppendiskussionen

Vorgesehen sind zunächst intensivere Gruppendiskussionen mit acht bis zehn Teilnehmern in mehreren Städten in Deutschland. Darauf soll eine repräsentative Umfrage folgen. Verbraucherschützer fordern seit Jahren farbliche Logos auf der Vorderseite der Packungen.

BundesministerinJulia Klöckner (CDU), stellt während einer Pressekonferenz das Konzept der geplanten Verbraucherumfrage über neue «Nährwert-Logos» vor. Quelle: Kay Nietfeld/dpa

National verpflichtend ist das Logo allerdings nicht, wie das EU-Recht vorschreibt. Und auch international sieht es schwierig aus: „Am besten wäre ein europaweit einheitliches Kennzeichnungssystem, aber davon sind wir weit entfernt“, sagte Klöckner. Sie zeigte sich dennoch zuversichtlich. Man sei in dieser Frage derzeit „so weit wie noch nie“, so die Ministerin.

Die frühere Bundesministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Renate Künast (Grüne), hat mehrere Lebensmittelkonzerne wie Danone, Bofrost oder Nestlé für den Einsatz der Nährwert-Kennzeichnung Nutri-Score gelobt. „Die Unternehmen haben begriffen, dass sie sich verändern müssen, und befürchten andernfalls einen Wettbewerbsnachteil“, sagte Künast dem RedaktionsNetzwerkDeutschland (RND).

Künast wirft Klöckner Verschleppung vor

Zumindest Teile der Industrie und des Handels hätten damit deutlich schneller als Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erkannt, dass die Verbraucher endlich wissen wollten, was sie da essen, und ob sie sich gesund ernährten, sagte Künast.

Grünen-Verbraucherpolitikerin Renate Künast. Quelle: Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpa

Sie warf der Ministerin eine Verschleppungsstrategie bei der Lebensmittelkennzeichnung vor. „Es ist doch grotesk, dass die Industrie beim Thema Nährwert-Logo bei Klöckner Druck machen muss. Umgekehrt müsste es sein.“

Klöckner reagierte umgehend auf ihre Amtsvorgängerin: „Frau Künast scheint entgangen zu sein, dass die Europäische Kommission im Vorfeld der Einführung eines Nährwertkennzeichens Verbraucherforschung fordert“, so die CDU-Politikerin.

„Als ehemalige Landwirtschaftsministerin sollte sie wissen, dass es sich empfiehlt, geltendes EU-Recht einzuhalten. Es ist verwunderlich, dass die Grünen in dieser Frage die Verbraucher offenbar nicht beteiligen wollen.“

Von RND/cle/dpa

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