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12:11 28.03.2019
Soldaten der maltesische Armee stehen an Bord des türkischen Öltankers El Hiblu 1 zusammen mit Migranten. Quelle: Rene' Rossignaud/AP/dpa
Valetta

Die maltesische Armee hat die Kontrolle über ein Handelsschiff übernommen, das Migranten in ihre Gewalt gebracht und eigenmächtig Richtung Malta gesteuert hatten. Der Frachter mit 108 Migranten wurde von Hubschraubern und Militärschiffen zur Hauptstadt Valletta eskortiert, wo er am Donnerstagmorgen anlegte. Fünf Menschen wurden festgenommen, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr.

Der Kapitän habe mehrmals versichert, dass einige Migranten ihn und die Crew bedroht hätten, teilte die Armee mit. Eine Spezialeinheit sei an Bord gegangen und habe die „El Hiblu 1“ dann dem Kapitän zurückgegeben.

Der Frachter soll rund 108 Migranten vor der libyschen Küste gerettet haben. Darunter waren auch 19 Frauen und 12 Kinder. Eine Gruppe soll dann das Schiff am Mittwoch nach maltesischen Angaben „entführt“ haben, weil die Geflüchteten nicht in das Bürgerkriegsland Libyen zurück wollten.

Europäisches Marineflugzeug teilte Frachter die Position von zwei Schlauchbooten mit

Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye, die eine Beobachtermission vor Libyen unterhält, erklärte, ein europäisches Marineflugzeug habe dem Frachter die Position von zwei Schlauchbooten in Not mitgeteilt und den Kapitän zur Hilfe aufgefordert. Die libysche Küstenwache sei demnach „außer Betrieb“ gewesen.

Ein Blick auf den türkischen Öltanker El Hiblu 1, der zuvor von Migranten in ihre Gewalt gebracht und eigenmächtig Richtung Malta gesteuert wurde. Quelle: Rene' Rossignaud/AP/dpa

Der Kapitän habe dann „unmissverständlich“ mitgeteilt, dass die Menschen sehr aufgebracht seien und nicht zurück nach Libyen wollen. „Diese Geretteten haben die Hölle hinter sich und stehen nun wenigen überforderten und unvorbereiteten Besatzungsmitgliedern eines Frachtschiffes gegenüber, die ihnen zu erklären haben, dass sie genau an jenen Ort zurückgebracht werden, dem sie unter Einsatz ihres Lebens zu entkommen versuchten“, sagte Gorden Isler, Sprecher von Sea-Eye.

Laut Medienberichten stammt der Kapitän aus der Türkei, das Schiff habe seine Reise demnach auch dort begonnen, fahre aber unter der Flagge des Inselstaats Palau.

Kleine Kinder von Bord getragen

Nach dem Anlegen in der Hauptstadt Valletta durften erst Frauen und Kinder aussteigen. Auf Bildern war zu sehen, wie kleine Kinder von Bord getragen wurden. Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini hatte die Migranten zuvor „Piraten“ genannt und von deren „Kreuzfahrt“ gesprochen.

Maltas Premierminister Joseph Muscat erklärte auf Twitter, nun „allen internationalen Regeln entsprechend“ vorzugehen. „Wir entziehen uns trotz unserer Größe nicht unserer Verantwortung.“ Die Insel Malta ist der kleinste EU-Staat.

Auch Frauen und Kinder waren an Bord. Quelle: Rene' Rossignaud/AP/dpa

Sowohl Italien als auch Malta wollen Bootsflüchtlinge nicht aufnehmen, solange es keinen EU-weiten Verteilmechanismus gibt. Vor der libyschen Küste sind kaum mehr Rettungsschiffe im Einsatz, die Boote von Hilfsorganisationen wurden immer wieder lange auf dem Meer blockiert oder aus dem Verkehr gezogen.

EU stoppte Marineeinsatz vor der libyschen Küste

Auch die EU hat ihren Marineeinsatz vor der libyschen Küste gestoppt. Die Entscheidung sieht vor, bei der Anti-Schleuser-Operation Sophia vorerst nur noch Luftaufklärung zu betreiben und libysche Küstenschützer auszubilden.

Diese sollen die Migranten wieder in das Bürgerkriegsland bringen, wo den Menschen schwere Misshandlungen drohen. Hilfsorganisationen sprechen von unmenschlichen Bedingungen vor Ort und gar von „Konzentrationslagern“, in denen die Migranten auch Folter ausgesetzt seien. Im November hatten sich etwa 90 Migranten geweigert, ein Containerschiff zu verlassen, das sie nach Libyen zurückgebracht hatte.

Viele Handelsschiffe sind wegen der unklaren Lage im Konflikt, Menschen zu retten, dann aber tagelang auf dem Meer blockiert zu werden.

Lesen Sie auch: Was der Rückzug aus der EU-Mission Sophia bedeutet

Von AP/RND/ngo

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