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Politik NRW zählt 100 eskalierte Autokorsos in drei Wochen
Nachrichten Politik NRW zählt 100 eskalierte Autokorsos in drei Wochen
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11:46 01.05.2019
Ein Blumengesteck auf einem Auto (Symbolfoto). Immer wieder kommt es bei Hochzeitskorsos zu Zwischenfällen. Quelle: dpa-tmn
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Köln/Düsseldorf

Das nordrhein-westfälische Innenministerium plant laut einem Bericht eine Art Lagebild zu ausufernden Hochzeitsfeiern. Insgesamt sei die Polizei in NRW in den vergangenen drei Wochen etwa 100 Mal wegen aus dem Ruder gelaufener Hochzeitsfeiern ausgerückt, berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“ unter Berufung auf einen Ministeriumssprecher. Meist sei es dabei um Eingriffe in den Straßenverkehr gegangen.

Um zu ergründen, ob es sich bei den über die Stränge schlagenden Hochzeitsgesellschaften um ein neues Phänomen handele, habe das Innenministerium begonnen, eine gesonderte Statistik über die Vorfälle zu führen, zitierte die Zeitung den Sprecher. Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach den Angaben zufolge von „Exzessen“, die „den kleinsten gemeinsamen Nenner dieser Gesellschaft“ missbilligten. Er kündigte an, „mit allen rechtlichen Mitteln“ dagegen vorzugehen.

Allein am Wochenende war es nach Angaben des Innenministeriums zu fast 30 Einsätzen wegen eskalierender Hochzeitsfeiern gekommen. Auf der Autobahn 2 bei Kamen, der A4 nahe Düren und auf der A52 bei Marl blockierten Autokorsos den Verkehr. Nach einer Blockade der A3 bei Ratingen hatte die Polizei Düsseldorf sogar eine eigene Ermittlungskommission gegründet. Ähnliche Aktionen sorgen auch in anderen Bundesländern seit Wochen für Aufsehen.

Fahrt zur Hochzeit für Straftaten genutzt

Das niedersächsische Innenministerium etwa will den Umgang mit den Autokorsos „zeitnah in den Gremien der Polizei der Länder und des Bundes thematisieren“, sagte ein Ministeriumssprecher kürzlich dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Ziel sei, konsequenter gegen Straftäter und Verursacher vorgehen zu können. Inzwischen sei nämlich bundesweit festzustellen, dass die Fahrt zur Hochzeit „von bestimmten Gruppierungen dazu genutzt wird, Straftaten oder erhebliche Ordnungswidrigkeiten zu begehen“.

Auch die Berliner Polizei beschäftig sich seit einiger Zeit mit den Hochzeitkorsos, erklärte die Senatsverwaltung für Inneres dem RND. Allerdings seien Straftaten „wegen der Kurzfristigkeit der Aktionen“ oft nicht mehr feststellbar, wenn die Polizei eintrifft. Jetzt plane Berlin, Teilnehmer der Hochzeitskonvois im Falle von Belästigung „einer intensiven verkehrsrechtlichen Überprüfung zu unterziehen“, so ein Sprecher der Innenverwaltung.

Aufklärung mit zweisprachigen Flyern

In Bremen versucht die Polizei bereits seit zwei Jahren durch intensive Aufklärungsarbeit die Lage zu verbessern, sagte eine Sprecherin des Innenressorts auf Anfrage. So informiere die Polizei „mit zweisprachigen Flyern in Deutsch und Türkisch über das richtige Verhalten im Straßenverkehr“. Zum anderen schreite die Polizei bei Verstößen strikt ein.

Statistische Angaben über das Ausmaß des Problems liegen in den meisten Bundesländern noch nicht vor. In Baden-Württemberg gibt es aber genaue Zahlen über die Vorfälle in den vergangenen vier Jahren: Allein auf Autobahnen seien dort in den vergangenen vier Jahren fünf Blockade-Aktionen „durch Autokorsos von türkischen oder arabischen Personengruppen“ bekannt geworden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums dem RND.

Hamburg und Bayern sehen keine Probleme mit Autokorsos

Auf anderen Straßen wurden in Baden-Württemberg seit 2015 insgesamt 86 Vorfälle polizeilich registriert. Das geht aus Antworten auf Anfragen der AfD-Fraktion im Landtag hervor. Insgesamt stellte die Polizei dabei 31 Straftaten fest. In den meisten Fällen – zwölf Mal – lagen Verstöße gegen das Waffengesetz vor. Zudem mussten sich Korso-Teilnehmer unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz verantworten. Einmal kam es zu einem Verkehrsunfall.

Allerdings sehen nicht alle Bundesländer die Hochzeitkorsos als großes Problem an. Dem bayerischen Innenministerium seien keine Probleme mit Autokorsos von Hochzeitsgesellschaften bekannt, erklärte ein Sprecher dem RND. Und auch der Hamburger Behörde für Inneres „ist keine Problemlage bekannt“, sagt ein Sprecher: „Es ist in Hamburg wirklich kein Thema. Wir wollen es nicht überdramatisieren.“

Von RND/Ties Brok mit dpa/ngo

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