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Nachrichten Politik Wird Boris Johnson Nachfolger von Theresa May?
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15:33 07.06.2019
Boris Johnson würde gerne Theresa May als Torie-Vorsitzender beerben. Quelle: Richard Drew/AP/dpa
London

Die britischen Konservativen sind nach dem Debakel um den verstolperten EU-Austritt und der Rückzugsankündigung der glücklosen Premierministerin Theresa May auf der Suche nach einem Retter.

Die Europawahl Ende Mai bescherten der Partei von Winston Churchill und Margaret Thatcher gerade einmal neun Prozent der Stimmen – so ein Ergebnis hatte es seit dem frühen 19. Jahrhundert nicht mehr gegeben.

Ex-Außenminister Boris Johnson sagte gar schon das Aussterben der Tories voraus, sollte der Brexit nicht bis zum 31. Oktober vollzogen sein.

Der Prophet, der da zur Läuterung aufruft, wird von vielen inzwischen als Heilsbringer betrachtet. Johnson ist der klare Favorit im Rennen um die Nachfolge Mays, die an diesem Freitag ihren Parteivorsitz niederlegen wollte.

Johnson verspricht, bis Ende Oktober aus der EU auszuscheiden – mit oder ohne Abkommen. Ihm wird zugetraut, Ober-Brexiteer Nigel Farage in die Schranken zu weisen, der die Konservativen mit seiner Brexit-Partei vor sich her treibt. Die Farage-Partei verpasste bei einer Nachwahl im ostenglischen Peterborough am Donnerstag nur knapp ihren ersten Sitz im britischen Parlament.

Johnson hat das Image des Klassenclowns abgelegt

Gleichzeitig ist Johnson aus seiner Zeit als Londoner Bürgermeister als einer in Erinnerung geblieben, der auch liberale Wähler anziehen kann. Das könnte ihm bei einer Parlamentswahl zum Sieg über Labour-Chef Jeremy Corbyn verhelfen, glauben viele.

Johnson hat in den vergangenen Monaten eine merkliche Wandlung vollzogen. Der einst füllige Bauch ging zurück, die blonde Mähne auf seinem Kopf wurde zu einer passablen Frisur.

Die sonst unausweichlichen verbalen Fehltritte blieben aus. Johnson hat das Image des Klassenclowns abgelegt: das Resultat eines professionellen Wahlkampfteams, sind sich britische Kommentatoren sicher.

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Doch sein Erfolg ist noch nicht garantiert. Meist waren es nicht die Favoriten, die sich im Rennen um das Amt des Parteichefs bei den Tories durchsetzten. Knapp ein Dutzend Konservative haben ihren Hut in den Ring geworfen.

Doch gemäß neu beschlossener Regeln könnte sich das Feld ziemlich schnell lichten. Nur wer bis Montagabend acht Abgeordnete hinter sich bringen kann, darf an dem Auswahlverfahren teilnehmen. Danach gibt es mehrere Abstimmungsrunden in der Fraktion, bei denen weiter ausgesiebt wird.

Auch moderate Kandidaten könnten das Rennen machen

Schafft es Johnson in die zweite Phase – eine Stichwahl der Parteimitglieder zwischen den zwei verbliebenen Kandidaten, dürften sich seine Chancen noch einmal erheblich verbessern: An der Basis ist „Boris“, wie er oft nur genannt wird, schon seit langem der Favorit. Doch noch hat er ernstzunehmende Konkurrenz.

Unter anderem Umweltminister Michael Gove, ebenfalls ein Brexit-Wortführer, der sich jedoch bereits jetzt eine Hintertür für eine weitere Verlängerung der Austrittsfrist offenlässt. Gove, so wird spekuliert, hätte die Fähigkeit, Johnsons Gepolter als oberflächlich bloßzustellen.

Aber auch einer der moderateren Kandidaten wie Außenminister Jeremy Hunt oder Innenminister Sajid Javid könnte das Rennen machen – sie gelten als weniger kontrovers als Johnson und Gove.

Doch auch sie haben keinen überzeugenden Plan, wie sie das Land aus der Brexit-Sackgasse führen wollen. Alle versprechen sie, Brüssel zu Zugeständnissen zu bewegen – es gibt jedoch keine Anzeichen dafür, dass sie damit mehr Erfolg haben könnten als May.

Selbst die Königin könnte eine Rolle im Brexit spielen

Der einzige, der eine echte Strategie hat, gilt als krasser Außenseiter: Entwicklungshilfeminister Rory Stewart will eine Bürgerversammlung einberufen, die mithilfe von Expertenrat zu einem Brexit-Kompromiss innerhalb Großbritanniens finden soll, der auch in Brüssel akzeptabel wäre.

Doch das würde wohl unweigerlich zu einer engeren Anbindung an die EU führen als bisher geplant. Der Trend in der Tory-Fraktion geht eher in die entgegengesetzte Richtung.

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Die härteste Linie in Sachen EU-Austritt fährt Ex-Brexit-Minister Dominic Raab. Er würde sogar dem Parlament eine Sitzungspause auferlegen, um zu verhindern, dass die Abgeordneten eine weitere Brexit-Verlängerung erzwingen. Damit könnte es nach Einschätzung von Experten endgültig zur Krise des politischen Systems in Großbritannien kommen.

Selbst Queen Elizabeth II. könnte hineinzogen werden ins Gezerre um den EU-Austritt. Ihr obliegt es, die Sitzungsperioden zu beenden und zu eröffnen. Sollte es tatsächlich einen Brexit ohne Abkommen geben, wie Raab ihn in Kauf nehmen würde, käme wohl eine wirtschaftliche Krise hinzu.

Von dpa/RND

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