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Politik FPÖ fordert Rauswurf von ORF-Moderator – Armin Wolf wehrt sich
Nachrichten Politik FPÖ fordert Rauswurf von ORF-Moderator – Armin Wolf wehrt sich
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16:33 29.04.2019
Armin Wolf zeigt auf seiner Webseite eine Aufnahme aus der umstrittenen „Zeit im Bild 2“-Sendung. Ganz links ist ein Ausschnitt des FPÖ-Cartoons zu sehen, daneben eine Zeichnung aus dem Nazi-Hetzblatt „Der Stürmer“. Quelle: ORF/Wolf
Wien

Nazi-Vergleiche und Rücktrittsforderungen: In Österreich tobt eine Schlammschlacht um den bekanntesten TV-Journalisten des Landes. Armin Wolf, Moderator von „Zeit im Bild 2“ (entspricht „Tagesthemen“ oder „heute journal“), sieht sich einem Dauerbeschuss der rechtspopulistischen Regierungspartei FPÖ ausgesetzt. Viele sehen darin einen Angriff auf die Pressefreiheit.

Der Journalist hatte vergangene Woche FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky während einer Live-Sendung mit einem migrantenfeindlichen Cartoon der FPÖ-Jugend konfrontiert und dabei einen Vergleich mit dem antisemitischen Nazi-Hetzblatt „Der Stürmer“ gezogen. Schon während des Gesprächs drohte Vilimsky, dass dies „Folgen haben werde“.

Hintergrund von Wolfs Frage war ein FPÖ-Skandal um das Gedicht „Die Stadtratten“ des Vizebürgermeisters von Braunau am Inn, in dem dieser Flüchtlinge und Migranten verunglimpft. Wolf wollte herausfinden, wie glaubwürdig die FPÖ-Distanzierung von dem Gedicht sei, wenn weiter solche Motive verwendet würden, schrieb er am Montag in seinem Blog. Und: Er würde seine Fragen genauso wieder stellen.

Vergleich mit dem „Volksgerichtshof“

Die Wiener Stadträtin und ehemalige ZiB-Moderatorin Ursula Stenzel verglich Wolf mit einem Nazi-Richter, der „im Volksgerichtshof auftreten“ könnte. Vilimsky und andere FPÖ-Politiker fordern Wolfs Rücktritt. Die Partei liegt seit Langem im Konflikt mit dem öffentlich-rechtlichen TV-Sender ORF. FPÖ-Vizekanzler Christian Strache hatte vor einigen Wochen ein Foto gepostet, auf dem Wolf zu sehen war. Dazu schrieb er, der ORF sei „ein Ort, an dem Lügen zu Nachrichten werden“. Wolf klagte, Strache musste sich öffentlich entschuldigen.

Der ehemalige FPÖ-Chef und jetzige ORF-Stiftungsrats-Chef Norbert Steger nannte Wolfs Interview „pervers“. Er legte dem Moderator den Rückzug nahe. Er solle ein Jahr lang „auf Gebührenzahler-Kosten durch die Welt zu reisen und sich neu zu erfinden“.

International erfährt Wolf hingegen viel Solidarität: „Es ist bizarr. Es ist gefährlich. Es geht offensichtlich darum, das Undenkbare denkbar zu machen“, schrieb beispielsweise „heute-journal“-Moderator Claus Kleber auf Twitter.

Und auch Wolfs direkter Vorgesetzter, ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, stellte sich hinter ihn: Der ORF lasse sich „nicht zurufen, wer bei uns die ZiB moderiert“. Die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier forderte inzwischen Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf einzugreifen, um seinen Koalitionspartner „zur Räson“ zu bringen.

Von RND/cb

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