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Politik Zitteranfall von Merkel: „Mehr Aufklärung täte gut“
Nachrichten Politik Zitteranfall von Merkel: „Mehr Aufklärung täte gut“
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10:51 11.07.2019
Nach dem erneuten Zittern Merkels ist die Sorge um die deutsche Bundeskanzlerin in nationalen wie internationalen Medien groß. Quelle: imago images / Metodi Popow
Berlin

Beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne mit militärischen Ehren bebte am Mittwoch erneut der Körper der Kanzlerin. Es war bereits das dritte Mal innerhalb von drei Wochen. In deutschen und ausländischen Medien wächst nun die Sorge um den Zustand der Kanzlerin. Ist sie noch voll leistungsfähig? Die meisten raten ihr zu Aufklärung.

Neue Osnabrücker Zeitung: „Mehr Aufklärung täte gut“

„Das Zittern der Kanzlerin löst in Deutschland und weltweit Besorgnis aus. Die Gesundheit ist auch für eine Regierungschefin Privatsache, aber eben nur zu einem gewissen Grad. Beim dritten Anfall vor laufenden Kameras binnen weniger Wochen reichen die bisherigen Erklärungsversuche nicht aus, um die Spekulationen auszuräumen. Mehr Aufklärung täte gut, damit aus einer möglichen Bagatelle kein Politikum wird. Viele Spitzenpolitiker, von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl, haben gesundheitliche Probleme vertuscht aus Angst, abgestraft zu werden. Eine Kanzlerin wie Merkel sollte solche Tricks nicht nötig haben.“

Kölner Stadt-Anzeiger: „Kanzlerin sollte sich einen Gefallen tun“

„Krankheiten sind Politikern gestattet, sie haben ein Recht auf Regeneration von ihren kräftezehrenden Aufgaben. Aber eine Krankheit wird zum Politikum, wenn nicht mehr gewährleistet ist, dass der Politiker oder die Politikerin die Aufgaben in voller Energie ausfüllen kann. Es ist sehr gut möglich, dass daran im Fall von Merkel gar kein Zweifel bestehen müsste. Möglicherweise ist es punktuell und auf Momente des Stillstehens beschränkt. Aber vielleicht auch nicht. Die Kanzlerin sollte sich selbst einen Gefallen tun und diese Fragen offensiv aufklären. Sonst wird sie diese Debatte nicht mehr los.“

Oberhessische Presse: Reputation steht auf dem Spiel

„Die Zurschaustellung eigener Schwäche gehört nicht zum Konzept dieser Regierungschefin, die man respektiert auf internationalem Parkett, die es immer wieder schafft, den vermeintlich Großen der Weltpolitik auch einmal gehörig den Marsch zu blasen oder sie einfach dumm in der Ecke stehen zu lassen. Weil das so ist, weiß Angela Merkel selbst genauestens, was für ihre Reputation auf dem Spiel steht, wenn sie jetzt eine Auszeit nehmen müsste. Fiele sie jetzt aus als ruhender Pol an der Spitze der großen Koalition in Berlin, als nimmermüde Vermittlerin auf europäischer Ebene oder als bärbeißige Dompteurin globaler politischer Widersacher – viel stünde wohl zur Disposition.“

Allgemeine Zeitung: Sie sollte wissen, ob sie dem Job gewachsen ist

„Spitzenpolitiker zu sein, kann ein Höllen-Job sein – immer auf Hochtouren, immer in der Kritik, und das immer in aller Öffentlichkeit. Wie lange Angela Merkel ihrem Job noch gewachsen ist, kann am Ende nur sie selbst beantworten. Es ist ihr zu wünschen, dass sie am besten weiß, was sie sich noch zumuten kann und sollte.“

Im Video: Dritter Zitteranfall von Angela Merkel

Mitteldeutsche Zeitung: Krankheit wird zum Politikum

„Für Angela Merkel mag die sichtbare, äußere Schwäche schwieriger zu verarbeiten sein als für andere Politiker. Merkel hat sich seit langem antrainiert, äußere Schwächen zu verstecken, unsichtbar zu machen. Das ist legitim für eine Spitzenpolitikerin, die zu Beginn ihrer Zeit als Parteichefin und Kanzlerin brutal nach Äußerlichkeiten wie ihrer Frisur oder ungelenken Art zu reden beurteilt wurde. Krankheiten sind Politikern gestattet, sie haben ein Recht auf Regeneration von ihren kräftezehrenden Aufgaben. Aber eine Krankheit wird zu einem Politikum, wenn nicht mehr gewährleistet ist, dass der Politiker die Aufgaben in voller Energie ausfüllen kann.“

La Repubblica (Italien): Ohne Infos ist Zittern noch alarmierender

„Wie geht es Angela Merkel wirklich? Der dritte Zitter-Anfall in drei Wochen hat erneut Unsicherheiten über den Gesundheitszustand der Kanzlerin ausgelöst, die dementiert, Probleme zu haben (...). Dieses Mal ist es passiert, während Frau Angela die Nationalhymne mit dem finnischen Premier Antti Rinne hörte. Der Vorfall dauerte kurz und (...) Merkel hat sofort die Kontrolle wiedererlangt (...). Aber wie unter solchen Umständen unvermeidbar, macht das Fehlen von Informationen den Vorfall noch alarmierender.“

Magyar Nemzet (Ungarn): Merkel sollte sich zur Ruhe setzen

„Wir wissen nicht, wie lange die Politikerin schon mit diesen Zitteranfällen lebt. Kann es sein, dass die Beweggründe für ihre bisherigen schlechten Entscheidungen in diesem Bereich zu suchen sind? Ist es möglich, dass ihr persönlicher Einsatz für die Nominierung des ultra-linken Sozialisten Frans Timmermans für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten und ihre Enthaltung bei der Abstimmung (im EU-Rat) zugunsten der Nominierung ihrer Parteigefährtin Ursula von der Leyen verräterische Zeichen waren? Deshalb sollten nüchterne, verantwortungsbewusste politische Führungspersönlichkeiten an Angela Merkel mit demselben Ratschlag herantreten, den jeder Mensch guten Willens einer überlasteten weiblichen Verwandten erteilen würde: nach den Jahrzehnten forcierter Arbeit wäre es angebracht zu ruhen.“

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Von RND/dpa/cz