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Politik Schrumpfen als Chance
Nachrichten Politik Schrumpfen als Chance
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18:40 19.07.2019
Leere Bänke: Aus der katholischen Kirche traten 2018 insgesamt 216 000 Menschen aus, aus der evangelischen 220 000. Quelle: imago images / Eibner
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Hannover

Es ist ein Ritual mit einer durchaus skurrilen Note. Auf die neuesten Nachrichten vom Mitgliederrückgang reagieren manche Kirchenvertreter gern mit demonstrativer Gelassenheit. Im Schrumpfen liege auch eine Chance, argumentieren sie. Wer sich künftig noch für eine Mitgliedschaft entscheide, der tue dies bewusst, sei aktiver und künde freudvoller von der Botschaft Gottes, als es die noch vielen, aber oft äußerlich gleichgültigen Gläubigen heute tun. Kleiner, lebendiger, entschlossener, so stellen sie sich die Kirche der Zukunft vor. In den extremsten Momenten klingt es danach, als könnten sie es kaum erwarten, dass all die scheinchristlichen Karteileichen aus der Statistik verschwinden.

An alldem ist manch Wahres. Man muss den Abschied vom bloßen Konfessionschristentum, vom Ich-bin-Christ-aber-warum-weiß-ich-auch-nicht, nicht übermäßig betrauern. Das Schrumpfen kann auch einen Gesundungsprozess bedeuten, an dessen Ende weniger, aber vollere, lautere Kirchen stehen. Und obendrein können sich die Kirchen damit trösten, dass sie laut der jüngsten Prognosen auch im Jahr 2060 noch 20 Millionen Mitglieder haben werden – und damit selbst dann noch die größte Institution unterhalb des Staates sein werden.

Die neuesten, am Freitag veröffentlichten Zahlen zeigen allerdings, dass auch auf dem Weg dahin noch viel schiefgehen kann. Dass die katholische Kirche fast 30 Prozent mehr Austritte zählt, ist die Quittung für eine teilweise systemische Kultur des Missbrauchs und den Unwillen zu Reformen. Die Kirchen werden mehr für ihre Glaubwürdigkeit tun müssen. Sonst könnten sie auf dem Weg zur neuen Kleinheit schneller vorankommen als bislang befürchtet.

Von Thorsten Fuchs

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