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Politik Seehofer sieht im Fall Lübcke einen „Niedergang der menschlichen Moral“
Nachrichten Politik Seehofer sieht im Fall Lübcke einen „Niedergang der menschlichen Moral“
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09:30 07.06.2019
Der verstorbenen Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke wurde in der Nacht zum Sonntag auf der Terrasse seines Wohnhauses mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt. Quelle: imago images / Hartenfelser
Berlin

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat die rechte Hetze gegen den erschossenen Regierungspräsidenten von Kassel, Walter Lübcke (CDU), scharf verurteilt. „Da bleibt einem die Luft weg, das ist abscheulich“, sagte der CSU-Politiker dem „Tagesspiegel“: „Wenn jemand, nur weil er liberale Ansichten hatte, so mit Hass überzogen wird, ist das der Niedergang der menschlichen Moral.“

Lübcke war in der Nacht zum Sonntag auf der Terrasse seines Wohnhauses mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden. Die Obduktion ergab, dass der Politiker mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe getötet worden war. Das Motiv ist unklar. Die Tötung Lübckes hatte teils hämische Kommentare in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Anlass dafür könnte der Einsatz des Regierungspräsidenten für Flüchtlinge im Jahr 2015 gewesen sein.

80 Hinweise nach Zeugenaufruf im TV

Die Ermittlungen im Fall Lübcke dauern unterdessen noch an. Derzeit werden weiterhin Bilder und Videos der Tatnacht aus. Die Sichtung des Materials sei zeitaufwendig, weil Videos minuziös begutachtet werden müssten, sagte am Freitag Torsten Werner, Sprecher der Sonderkommission (Soko) in Kassel. Wonach die Ermittler suchen, könne man nicht bekanntgeben.

Ein Zeugenaufruf im TV brachte zunächst keinen Durchbruch. Nachdem die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ über den Tod von Walter Lübcke (65) berichtet hatte, seien zwar 80 Hinweise eingegangen. „Eine ganz heiße Spur war aber noch nicht dabei“, sagte Torsten Werner, Sprecher der Sonderkommission (Soko) der Polizei am Donnerstag.

Da in der Tatnacht nur wenige Meter entfernt vom Haus des CDU-Politikers eine Kirmes stattfand, hatten die Ermittler Besucher darum gebeten, Fotos und Videos des Festes an die Polizei zu schicken. Auch nach Zeugen, die einen Schuss gehört hatten, wurde gesucht. Dieses Material werde nun ausgewertet, sagte Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel: „Zum Stand der Ermittlungen gibt es nichts, was wir verlautbaren können.“

Politiker wurde aus nächster Nähe getötet

Laut Staatsanwaltschaft war am Donnerstag erneut der Tatort in dem 900-Einwohner-Dorf Wolfhagen-Istha bei Kassel nach Spuren abgesucht worden. Die Arbeit soll an diesem Freitag abgeschlossen werden. Zudem wurde die Soko „Liemecke“ von etwa 20 auf rund 50 Beamte verstärkt. Es sei üblich, dass solch eine Einheit im Laufe der Ermittlungen aufgestockt werde, sagte Polizeisprecher Werner.

Lübcke war in der Nacht zum Sonntag gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Obduktion ergab, dass der Politiker mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe getötet worden war. Das Motiv ist unklar.

Trauerfeier am 13. Juni

Die Trauerfeier für den Regierungspräsidenten wird am 13. Juni (16.00 Uhr) in Kassel stattfinden. In der Martinskirche werde es einen Trauergottesdienst mit „protokollarischen Ehrenbekundungen“ geben, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin in Hessen, Elke Cezanne.

Bei dem Trauergottesdienst werden Polizei und Bundeswehr eine Ehrenwache am Sarg halten. Zudem werde der Sarg mit der Hessen-Fahne bedeckt. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Martin Hein, werden sprechen.

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Von RND/dpa/ngo

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