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Politik Steve Bannon träumt vom „Erdbeben“ in Brüssel – und will Görlitz erobern
Nachrichten Politik Steve Bannon träumt vom „Erdbeben“ in Brüssel – und will Görlitz erobern
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13:16 16.05.2019
Steve Bannon im Berliner Hotel Adlon, hinter ihm das Brandenburger Tor. Quelle: Kay Nietfeld/dpa
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Berlin

Seit Steve Bannon nicht mehr der Einflüsterer des mächtigsten Politikers der westlichen Welt ist, hat er viel Zeit. Zeit, die der 65-Jährige nutzt, um Rechtspopulisten in ganz Europa zu beraten.

Er hofft auf ein politisches „Erdbeben“ nach der Europawahl. Das ist sein Ziel. Da will er dabei sein. Auch die im Herbst anstehende Landtagswahl in Sachsen interessiert ihn sehr.

Es hat lange gedauert, bis Bannon nach Berlin kam. Mit der AfD wurde er lange nicht warm. Parteipatriarch Alexander Gauland war skeptisch, andere halten Bannon schlicht für einen Mann auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell.

„Er ist ein Schaumschläger“, sagen viele im Parteivorstand. Auch Co-Chef und Europa-Spitzenkandidat Jörg Meuthen hat die Gespräche über eine Allianz europäischer Rechtsparteien bisher geführt, ohne sich mit Bannon zu treffen.

Nun haben sich Meuthen und Bannon am Dienstag in Weimar zu einer „freundlichen Begegnung und interessantem Gedankenaustausch“ zusammengefunden, wie Meuthen auf Twitter schrieb.

Weimar liegt bekanntlich in Thüringen – der dortige AfD-Chef Björn Höcke war über das Treffen noch nicht einmal informiert, hört man aus Parteikreisen.

In Berlin ist Bannon im Hotel Adlon abgestiegen. Wenn er aus dem Fenster seines Hotelzimmers schaut, blickt er auf die Kuppel des Reichstagsgebäudes. Hier gibt er ausgewählte Interviews: dem rechten Blogger David Berger, der Jungen Freiheit, der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ). Und der dpa.

Gegenüber der NZZ sprach er davon, dass die Rechtsparteien im EU-Parlament nach der Wahl eine „Supergruppe“ bilden können. Und er droht: „Nach der Wahl wird jeder Tag in Brüssel Stalingrad sein.“ Die neue Rechts-Allianz könne das Parlament blockieren.

Warum ist das EU-Parlament für den US-Bürger Bannon überhaupt interessant?

Bannon sagt, seine Herkunft habe ihn zum Populisten gemacht. „Ich komme aus einer typischen amerikanischen Arbeiterfamilie. Mein Großvater war ein Leitungsmonteur bei der Telefongesellschaft, und mein Vater hat diesen Job auch 50 Jahre lang gemacht.

Deswegen habe ich nach meiner Karriere in der Finanzbranche alles daran gesetzt, überall auf der Welt die populistische Bewegung zu unterstützen, egal ob das in Brasilien war oder jetzt in Europa oder Asien.“

Was sagt er zu Desinformationskampagnen und „Fake News“?

Schulterzucken. Als Chef der rechtsradikalen Website „Breitbart“ hat Bannon die öffentliche Meinung im US-Wahlkampf entscheidend beeinflusst. Jetzt sagt er:

„Dass sich Menschen von Nachrichten angezogen fühlen, die sie unterstützen, ist ganz normal. Ich denke nicht, dass das eine schlechte Sache ist. Ich bin auch der Meinung, dass diese Sache mit „Fake News“ total übertrieben dargestellt wird. Und zwar nur, weil die Linke jetzt verliert.“ Deshalb heiße es jetzt plötzlich, die Demokratie sei in Gefahr.

Welche anderen deutschen Politiker kennt er, abgesehen von Angela Merkel?

Viele scheinen es nicht zu sein. Bannon sagt: „Ich möchte mich nicht in innenpolitische Dinge einmischen, aber ich denke, es gibt einige Leute im Umfeld von Merkel, Herrn Spahn und andere, die sehr beeindruckend sind.“ Mindestens einen gemeinsamen Bekannten haben Bannon und Gesundheitsminister Jens Spahn von der CDU: US-Botschafter Richard Grenell, der mit seinen schroffen Ansagen in Berlin schon mehrfach angeeckt ist.

Was will Bannon am Wochenende mit Salvini und Meuthen in Mailand? Ist er etwa nur ein Groupie?

Bannon lobt Meuthen und den italienischen Innenminister Matteo Salvini als treibende Kräfte hinter der künftigen „Supergruppe“ im EU-Parlament. „Am Samstag werden wir zusammen in Mailand sein“, lässt er im Interview mit der „NZZ“ fallen.

An diesem Tag werden die führenden Köpfe der im Aufbau begriffenen rechtspopulistischen Allianz an einer Demonstration in Mailand teilnehmen – darunter auch Marine Le Pen aus Frankreich. Bannon ist aber höchstens als Zuschauer dabei. Salvinis Sprecher sagt dem RND: „Ich weiß nicht, dass er kommt. Ich habe keine Ahnung. Er hat keine offizielle Funktion.“

Ist Bannon etwa nur ein Groupie? Er sagt von sich selbst: „Ich bin nur ein Amerikaner, der hier ist, um zu tun, was ich kann, um Verbindungen herzustellen und um Leute zu motivieren.“

Meuthen ist im Gespräch mit dem RND zuversichtlich, dass es nach den Wahlen zum Aufbau einer neuen Fraktion reicht, die den Namen „Europa der Vernunft“ oder „Europa des gesunden Menschenverstandes“ tragen wird. Neun Parteien seien bereits dabei, sagt Meuthen. Von einer „Supergruppe“ spricht er nicht, von Stalingrad schon gar nicht. Man wolle die EU nicht zerstören, sondern reformieren, meint Meuthen.

Bannon sagt: „Wenn der Trend so bleibt, wie er jetzt ist, dann könnten künftig 33 bis 35 Prozent der Abgeordneten Mitglieder von Souveränitäts-Bewegungen sein. Das wird ein Erdbeben in Brüssel auslösen.“ Er lacht. Für Meuthen wäre es in Deutschland schon ein Erfolg, wenn die AfD in der Nähe ihres Bundestags-Wahlergebnisses von 12,6 Prozent käme.

Hat Bannon bei Viktor Orbán dafür geworben, sich der Allianz der Rechtspopulisten anzuschließen?

Er winkt ab. „Nein, nein, nein, nein. Ich habe nicht versucht, ihn zu überzeugen. Alles, was die Zusammenarbeit zwischen ihm und Salvini angeht, ist von den beiden selbst in Gang gesetzt worden. Die Zwei sind wie ein Doppelschlag beim Boxen.“

Dass Orbán von Trump neulich im Weißen Haus so herzlich empfangen wurde, hat Bannon genossen. „Ich dachte, das ist ein großartiger Moment für die Bewegung der Populisten. Ich wusste, dass der Präsident ihn gerne treffen würde. Denn er ist genau Trumps Typ, er war schon ein Trump, bevor Trump da war.“

Warum will Bannon im sächsischen Wahlkampf helfen?

Neben Meuthen hat Bannon diese Woche auch einen AfD-Politiker getroffen, der international bislang nicht bekannt ist: Tino Chrupalla. Der Malermeister aus Sachsen hat bei der Bundestagswahl 2017 den Wahlkreis Görlitz gewonnen - gegen den damaligen CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer.

Fünf Stunden lang habe er sich mit Chrupalla unterhalten, mit Hilfe eines Übersetzers, erzählt Bannon. Er sagt: „Ich fand ihn charismatisch, sehr beeindruckend.“ Chrupalla sagt dem RND, Bannon sei auf ihn zugekommen.

„Er fand es sehr interessant, wie wir es geschafft haben, in Sachsen bei der Bundestagswahl stärkste Partei zu werden. Er hat sich auch für den Görlitzer Oberbürgermeister-Wahlkampf interessiert.“ In Görlitz gehört der AfD-Kandidat zu den Favoriten im Kampf um das Rathaus. 

Bannon hat sich für den Juni in Görlitz angekündigt. Das zeigt zweierlei. Er hat ein feines Gespür für Gegenden, in denen es politisch gärt. Und: Keine Aufgabe ist ihm zu klein. Washington oder Görlitz, für Bannon ist alles Weltpolitik.

Von Anne-Béatrice Clasmann/dpa und Jan Sternberg/RND

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