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Politik Studie: Deutsche unter 30 sehen Zuwanderung positiver als ältere
Nachrichten Politik Studie: Deutsche unter 30 sehen Zuwanderung positiver als ältere
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10:11 29.08.2019
Integration ist immer eine Sache, zu der zwei gehören.
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Berlin

Die Deutschen haben nach Einschätzungen der Bertelsmann-Stiftung den Schock der Flüchtlingskrise von 2015 überwunden und beginnen allmählich, pragmatisch mit Migranten und deren Integration umzugehen. Anders als noch vor zwei Jahren vertritt nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung die Auffassung, die Bundesrepublik hätte bei der Aufnahme von Flüchtlingen ihre Belastungsgrenze erreicht. Allerdings finden immerhin 52 Prozent, dass es zu viel Einwanderung gibt.

Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung zur Willkommenskultur, die von KantarEmnid für die Bertelsmann-Stiftung durchgeführt wurden. In der Zeit vom 1. bis 15. April 2019 waren dafür 2024 Personen der deutschsprachigen Bevölkerung in Privathaushalten ab 14 Jahren in Deutschland befragt worden.

Die Folgen von Einwanderung sehen viele Bundesbürger nüchtern bis pragmatisch, dabei scheinen sich nach den jetzigen Befunden die negativen Einschätzungen gegenüber 2017 abzuschwächen. 67 Prozent geben an, Migration mache das Leben in Deutschland interessanter, und 64 Prozent sehen sie als Mittel gegen die Überalterung der Gesellschaft. Der Zuzug ausländischer Fachkräfte sei gut gegen den Fachkräftemangel, meinen 41 Prozent (2017: 33).

Interessant hierbei: Höhere Erwerbsquote von Frauen (27 Prozent) oder eine längere Lebensarbeitszeit (5 Prozent) finden als Strategie gegen den Fachkräftemangel weit weniger Zustimmung.

Deutlich ausgeprägt ist das Problembewusstsein der Deutschen beim Thema Zuwanderung: 71 Prozent glauben, der Zuzug aus dem Ausland belaste die Sozialsysteme. Zwei Drittel (69 Prozent) sehen die Gefahr, dass es zu Konflikten zwischen Eingewanderten und Einheimischen kommt. Eine Mehrheit von 63 Prozent befürchtet, zu viele Migranten würden die Wertvorstellungen des Aufnahmelandes nicht übernehmen.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, hält diese Ergebnisse für ehrliche Ergebnisse, da sie die Ambivalenz der Bevölkerung gegenüber Migration spiegelten. „Deutschland hat den Stresstest der Fluchtzuwanderung ab 2015 gut gemeistert und stabilisiert sich als pragmatisches Einwanderungsland", so Dräger. "Die Bevölkerung hat die Herausforderungen von Migration klar vor Augen, sieht aber auch die Chancen für eine alternde Gesellschaft.“

Nach den Befragungsergebnissen wächst mit den unter 30-Jährigen eine Generation heran, die Einwanderern offener begegnet als die Jahrgänge darüber. Das, so die Studienautoren Ulrich Kober und Orkan Kösemen, hänge aber auch damit zusammen, dass der Anteil von Personen mit Migrationshintergrund bei den 15- bis 30-Jährigen bei rund 30 Prozent liegt - während er bei den Älteren nur rund 20 Prozent beträgt.

Junge Menschen haben sogar bei den Sorgen einen positiveren Blick auf Einwanderung. 58 Prozent vermuten beispielsweise zusätzliche Belastungen des Sozialstaats (Ältere: 74) und 47 Prozent des Wohnungsmarkts (Ältere: 63). Auch die positiven Effekte der Zuwanderung, wie etwa die Unterstützung der einheimischen Wirtschaft, beurteilen sie deutlich optimistischer.

Die jungen Erwachsenen sehen ausgeprägter als die Ü30-Jährigen die Verantwortung der deutschen Gesellschaft für die Integration von Zuwanderern. Als größtes Integrationshindernis gilt beispielsweise die Diskriminierung von Zuwanderern (72 Prozent gegenüber 54 Prozent bei den Älteren). Ältere (62 Prozent) sehen dagegen eher Probleme durch mangelnde Bildung der Zuwanderer (U30: 52 Prozent) oder der Verbundenheit der Migranten mit ihrer Herkunftskultur (56 Prozent gegenüber 43 Prozent).

Jüngere Menschen halten auf Teilhabe zielende Regelungen für bedeutsam, um Deutschland attraktiver für ausländische Fachkräfte zu machen. 75 Prozent finden es wichtig, Perspektiven auf einen dauerhaften Aufenthalt zu eröffnen (64 Prozent bei den Älteren), zwei Drittel der Jungen favorisiert eine erleichterte Einbürgerung (gegenüber 49 Prozent bei den Älteren).

Insgesamt, beurteilen die Autoren diese Ergebnisse im Vergleich, ähnele die Einstellung der Jugend bereits in Teilen den Überzeugungen der Menschen im klassischen Einwanderungsland Kanada. Anders als bei den Älteren glaubten mit 43 Prozent nur eine Minderheit der jungen Menschen, es gebe zu viel Einwanderung. In Kanada sind es altersübergreifend 35 Prozent.

Die Ausprägung der sogenannten Willkommenskultur in Deutschland hängt jedoch insgesamt ebenfalls stark von Faktoren wie der regionalen Herkunft sowie dem Bildungsgrad ab. Je höher die Bildungsabschlüsse der Befragten sind, desto offener stehen sie der Migration gegenüber. Deutliche Unterschiede gibt es nach wie vor auch zwischen Ost und West.

Die Ostdeutschen blicken skeptischer auf Einwanderung als die Bürger im alten Westdeutschland. Beispielsweise meinen 83 Prozent der Befragten im Osten, Migration belaste den Sozialstaat, während es im Westen 68 Prozent sind. Allerdings ist auch im Osten eine Mehrheit von 55 Prozent der Ansicht, Einwanderung habe einen positiven Effekt auf die Wirtschaft – im Westen sind es 67 Prozent.

Stiftungsvorstand Dräger meint: „Migration ist heute in Deutschland Alltag. Aber nicht alle Menschen haben den gleichen Blick auf Migration.“ Er glaubt, der direkte Kontakt zwischen Einheimischen und Einwanderern könne Vorbehalte abbauen. Er plädiert dafür, "planvoll" sichere Fluchtwege für besonders schutzbedürftige Geflüchtete über Aufnahmeprogramme wie in den USA oder Kanada zu eröffnen.

Lesen Sie auch: Jeder Vierte in Deutschland hat einen Migrationshintergrund

Von Thoralf Cleven/RND

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