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Nachrichten Politik Journalisten getötet auf der Suche nach der Wahrheit
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00:00 03.05.2019
Getötet trotz Schutzprogramm: Der Mexikaner Rafael Murúa Manríquez. Quelle: Rafael Murúa Manríquez
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Berlin

Um die Pressefreiheit steht es weltweit schlecht. Am finstersten sieht es nach der aktuellen Rangliste der Organisation Reporter ohne Grenzen in Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan aus, am besten in Norwegen, Finnland und Schweden. Aber auch in Europa und den USA gibt es Entwicklungen, die Besorgnis erregen. Der Internationale Tag der Pressefreiheit am 3. Mai erinnert daran, dass Journalistinnen und Journalisten in vielen Ländern in ihrer Berichterstattung eingeschränkt sind und sogar um ihr Leben fürchten müssen. UN-Generalsekretär António Guterres erklärte am Donnerstag, im Jahr 2018 seien fast 100 Journalisten getötet worden. Anlässlich des Welttages der Pressefreiheit am Freitag verlangte er, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden müssten.

Zum Tag der Pressefreiheit stellen wir – stellvertretend für viele Dutzend andere – sechs Reporter vor, die wegen der Arbeit getötet wurden.

Lyra McKee, getötet am 18. April 2019

In die Schussbahn geraten: Die Reporterin Lyra McKee wurde vor wenigen Wochen in Londonderry von einer Kugel getroffen. Quelle: PSNI

Die Reporterin Lyra McKee wurde vor wenigen Wochen in ihrem Wohnort im nordirischen Londonderry erschossen. Am Gründonnerstag stand sie bei Unruhen in der Nähe von Polizeifahrzeugen, als eine Kugel ihren Kopf traf. Seit sie als Journalistin arbeitete, verfolgte die 29-Jährige die Spannungen in Nord­irland, die nach dem Friedensabkommen von 1998 immer noch bestehen. Eine kleine separatistische Gruppe namens Neue IRA bekannte sich zu der Bluttat und entschuldigte sich anschließend – sie habe die Polizei treffen wollen. Die Behörden nahmen drei Tatverdächtige fest, aber setzten sie schnell wieder auf freien Fuß. McKee war die erste ermordete Journalistin im Vereinigten Königreich seit 2001.

Rafael Murúa Manríquez, getötet am 20. Januar 2019

Erst Morddrohungen, dann Mord: Rafael Murúa Manríquez aus Mexiko. Quelle: Rafael Murúa Manríquez

Drei Journalisten wurden in diesem Jahr bereits in Mexiko getötet, darunter der Radiojournalist Rafael Murúa Manríquez. Der 34-Jährige berichtete im von Drogengewalt geplagten Mexiko über Justiz und Sicherheit und hatte deshalb in der Vergangenheit bereits mehrere Morddrohungen erhalten – sowohl von kriminellen Banden als auch von örtlichen Beamten. Deshalb wurde er in ein bundesweites Schutzprogramm aufgenommen. Das konnte aber nicht verhindern, dass im Januar an einer Autobahn seine Leiche gefunden wurde. Mexiko gilt als das gefährlichste Land für Journalisten in Lateinamerika. Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen wurden dort 2018 mindestens zehn Journalisten getötet.

Jan Kuciak, getötet am 21. Februar 2018

Eiskalt erschossen: Investigativjournalist Jan Kuciak und seine Verlobte wurden in ihrem Wohnhaus erschossen. Quelle: Aktuality.sk

Eiskalt wurden der Investigativjournalist Jan Kuciak und seine Verlobte am 21. Februar 2018 in ihrem Privathaus erschossen. Am gleichen Vormittag erklärte die Polizei, das Motiv sei wahrscheinlich die Arbeit Kuciaks. Der 27-Jährige hatte mit seinen Nachrichten über mutmaßlichen Steuerbetrug prominente Unternehmer im Blick, die seinen Recherchen zufolge Geschäftsverbindungen zu den regierenden Sozialdemokraten ebenso wie zu Kreisen der organisierten Kriminalität hatten. Der Doppelmord wurde zum Impulsgeber einer Protestbewegung, unter deren Druck mehrere Minister sowie Regierungschef Robert Fico zurücktraten. Die Polizei nahm inzwischen acht Personen fest, von denen vier des Mordes verdächtigt werden.

Ahmed Hussein-Suale, getötet am 16. Januar 2019

Auf dem Heimweg ermordet: Ahmed Hussein-Suale aus Ghana. Quelle: Ahmed Hussein-Suale

Ahmed Hussein-Suale war auf dem Heimweg, als er im Januar 2019 in seinem alten BMW mit drei Schüssen ermordet wurde. Der prominente Journalist aus Ghana hatte sich mit investigativen Enthüllungen über Beamte und Richter bei vielen Mächtigen mehr als einmal sehr unbeliebt gemacht. „Wenn Sie ihn irgendwo sehen, brechen Sie ihm die Ohren“, hatte ein Parlamentarier seinen Anhängern zum Beispiel zugerufen. Der 31-jährige Hussein-Suale war im vergangenen Jahr an der Aufdeckung eines großen Korruptionsskandals im ghanaischen Fußballverband beteiligt. Der Mord an dem Journalisten schockierte Ghana, das unter Experten als das Land mit der höchsten Pressefreiheit in Afrika gilt.

Joey Llana, getötet am 20. Juli 2018

Opfer eines Killerkommandos: Radiomoderator Joey Llana von den Philippinen. Quelle: @WireImgId=30286289

„Nur weil Sie ein Journalist sind, sind Sie von der Tötung nicht ausgenommen, wenn Sie ein Hurensohn sind“, erklärte der gewählte Präsident Rodrigo Duterte vor drei Jahren kurz vor Ablegung seines Amtseids den Medienvertretern. Seitdem sind laut dem nationalen Journalistenverband in den Philippinen mindestens zwölf Journalisten umgebracht worden. Einer von ihnen war der prominente Radiomoderator Joey Llana. Der 38-Jährige wurde im vergangenen Juli von einem Killerkommando niedergestreckt, als er in seinem Auto unterwegs war. Die Schützen entkamen, und die Polizei erklärte, keine Anhaltspunkte auf den Täter zu haben. Zuletzt hatte Llana sich mit kritischen Kommentaren den Zorn von Lokalpolitikern zugezogen.

Shah Marai, getötet am 30. April 2018

Starb in Kabul bei eienm Bombenattentat: Der AFP-Fotograf Shah Marai Quelle: SHAH MARAI

Als der wohl wichtigste Fotograf der afghanischen Hauptstadt Kabul galt der 41-jährige Shah Marai. Wie acht andere Medienschaffende auch starb er am weltweit tödlichsten Tag für Journalisten im vergangenen Jahr. Sie alle wollten über die Folgen des Bombenanschlags am 30. April berichten, als eine zweite Bombe am Tatort explodierte. Der Afghane Marai arbeitete bei der Nachrichtenagentur AFP und machte im Laufe der Jahre mehr als 18 000 Bilder in Afghanistan. Er hielt nicht nur den Fall der Taliban, sondern auch das alltägliche Leben am Hindukusch fest. Bei AFP hatte Marai 1996 als Fahrer und als Übersetzer angefangen, bevor er sechs Jahre später Cheffotograf wurde. Er hinterließ seine Ehefrau und sechs Kinder.

Von Ties Brock

Politik Tag der Pressefreiheit - Der leise Abschied von der Wahrheit

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