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Politik Todesfälle durch Feinstaub und Ozon? – So werden die Werte gemessen
Nachrichten Politik Todesfälle durch Feinstaub und Ozon? – So werden die Werte gemessen
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16:03 27.02.2019
Eine Messstation in Stuttgart, die Luftqualität misst: Eine neue Studie zu vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaub und Ozon sorgt für Wirbel. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Berlin

Dass Feinstaub und Ozon zu Lasten der Gesundheit gehen, ist längst bekannt. Dass diese Umweltbelastungen auch Todesfälle nach sich ziehen können – diese Nachricht dagegen hat das Potenzial, aufzurütteln. Das zumindest zeigen die Reaktionen auf eine Studie der Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT), die neue Zahlen über vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung offenlegt.

Der Studie zufolge – sie liegt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vor – sterben allein in Deutschland rund 43.000 Menschen pro Jahr frühzeitig an den Folgen von Feinstaub und Ozon. 13.000 dieser Fälle lassen sich demnach auf Emissionen aus dem Verkehrsbereich zurückführen. Weltweit fallen laut ICCT jährlich 385.000 Menschen den Emissionen im Verkehrsbereich zum Opfer. Die Zahlen haben es in sich.

Die Daten erklären allerdings noch nicht, wie sich die gefährlichen Auswirkungen von Feinstaub und Ozon so eindeutig in Zahlen messen lassen. Woher wissen die Forscher so genau, wie viele Todesfälle sich auf diese Ursachen zurückführen lassen?

Auf welchen Untersuchungen basiert die ICCT-Studie?

Für die Berechnung der Gesundheitsauswirkungen stützen sich die ICCT-Forscher auf anerkannte Methoden der Global Burden of Disease (GDB) Studie, die die Folgen von Feinstaub (PM2,5) sowie Ozonemissionen berücksichtigen. Die Analyse beschränkt sich laut ICCT auf Auswirkungen, die mit Luftverschmutzung durch Abgase im Verkehr zusammenhängen. Grund dafür ist die umfangreiche weltweite Datenlage, die für den Verkehrsbereich vorhanden ist. Auch verschiedene politische Maßnahmen zur Emissionsreduzierung, etwa Grenzwerte, geben dafür Anhaltspunkte.

Bei der Analyse wurden verschiedene Forschungsergebnisse zusammengeführt: Zum einen ging es darum, die Konzentration von Feinstaub- und Ozonemissionen nachzuweisen, die sich auf den Verkehr zurückführen lassen. Für diese Werte wurde das sogenannte GEOS-Chem global chemical transport model angewandt. Zahlen zur jährlichen Konzentration stammen aus der Studie Global Burden of Disease (GBD) von 2017.

Zum anderen wurden Methoden herangezogen, um Gesundheitsfolgen nachzuweisen. Diese Methoden stammen aus der genannten GBD 2017. Damit wurde die Krankheitsbelastung in Folge von Verkehrsemissionen abgeschätzt.

Die ICCT-Studie verbindet beide Methoden: diejenige, die zur Messung der Emissionskonzentration Auskunft gibt mit der, die die Abschätzung der Gesundheitsfolgen einordnet.

Lesen Sie hier ein RND-Interview mit ICCT-Direktor Peter Mock: „In zehn Jahren wird die Luft sauberer sein“

Die ICCT-Studie nimmt Emissionen verschiedener Verkehrsmittel in den Blick. Wie lässt sich danach unterscheiden?

Die ICCT-Studie erwähnt unter anderem folgende Verkehrsbereiche: Dieselfahrzeuge im Straßenverkehr, sonstige Fahrzeuge im Straßenverkehr, die internationale Schifffahrt und mobile Quellen außerhalb des Straßenverkehrs. Um die Belastung durch diese Teilbereiche zu untersuchen, wurden Zahlen der Feinstaub- und Ozon-Todesfälle aus jedem der Verkehrsteilbereiche addiert. Sie wurden nach Ländergrenzen und Ballungsgebieten zusammengefasst.

Die Todesfälle durch Verkehrsemissionen in einem einzelnen Gebiet können laut ICCT berechnet werden, indem man Schätzwerte der Einwohnerzahl mit der geschätzten verkehrsemissionsbedingten Sterberate multipliziert (d.h. Todesfälle pro 100.000 Einwohner).

ICCT spricht von Feinstaub (PM2,5). Was hat es damit auf sich?

PM beschreibt die Messgröße der Feinstaubpartikel. Aus medizinischer Sicht ist der Feinstaub umso schädlicher, je feiner die Staubkörnchen sind. Größere Partikel kann der menschliche Körper durch eigene Schutz- und Abwehrmechanismen filtern, zum Beispiel durch Härchen in der Nase. Ultrafeiner Staub hingegen dringt tiefer in die Lunge ein. Die von ICCT berücksichtigte Messgröße 2,5 beschreibt sehr feine Partikel.

Die direkten Gesundheitsauswirkungen von Stickstoffdioxid (NO2) werden bei der Studie nicht betrachtet. Als Vorläufersubstanz für PM2,5 sowie Ozon werden die Auswirkungen von NO2 jedoch indirekt miterfasst.

Vorzeitiger Tod durch Feinstaub – ist diese Nachricht wirklich neu?

Nein, es gab auch schon früher Studien, die die vorzeitigen Todesfälle untersuchten. Unter anderem legte die Europäische Umweltagentur Zahlen vor, wonach in Deutschland jährlich 66.000 Menschen vorzeitig durch die Feinstaubbelastung sterben. Dazu kommen demnach Stickoxide, die für weitere 13.000 Todesfälle verantwortlich sein sollen.

Laut Medizinern handelt es sich dabei zwar um statistische Hochrechnungen. Sie böten jedoch eine wichtige Orientierung, die man ernst nehmen müsse.

Auch eine Studie des Max-Planck-Instituts (MPI) für Chemie, die Mitte Januar bekannt wurde, misst vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub. Schon damals waren es mehr als bis dahin angekommen. In der Untersuchung ist von rund 120.000 vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaub die Rede. Die MPI-Studie führt die Landwirtschaft als einen Hauptverursacher auf. Weltweit trage Feinstaub zu rund neun Millionen vorzeitigen Todesfällen bei.

Zur aktuellen ICCT-Studie äußert sich Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik und Luftreinhaltung im Verkehr vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) , gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Feinstaub und Ozon sind definitiv gefährlich für die menschliche Gesundheit, keine Frage. Diese Faktoren sind mitverantwortlich für vorzeitige Todesfälle“, sagte Müller-Görnert. Das Gesundheitsrisiko hänge zwar auch davon ab, ob es gesundheitliche Vorbelastungen oder Vorerkrankungen gebe. „Aber generell kann man sagen: Diese Schadstoffe sind gefährlich. Und Dieselfahrzeuge tragen maßgeblich dazu bei.“

Von RND

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