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Politik USA bestätigt Abschuss einer Drohne durch den Iran
Nachrichten Politik USA bestätigt Abschuss einer Drohne durch den Iran
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19:00 20.06.2019
Eine militärische Drohne vom Typ Northrop Grumman RQ-4 (Global Hawk) der US-Streitkräfte. Quelle: Sra Tyler Woodward/Zuma Press/dpa
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Teheran

Das Weiße Haus berief gerade eine Krisensitzung zum Abschuss einer US-Drohne im Golf von Oman ein, als Donald Trump an der Heimatfront mächtig unter Druck geriet. „Die Iran-Strategie von Präsident Trump ist ein selbstverschuldetes Desaster“, erklärte der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden.

Durch die Schuld des US-Präsidenten sei ein militärischer Konflikt im Nahen Osten wahrscheinlicher geworden. Tatsächlich sprachen US-Militärs am Donnerstag von einer „sehr gefährlichen Situation“. Bis zum Redaktionsschluss war unklar, wie Washington auf die jüngste Eskalation reagieren würde.

USA werfen Iran „unprovozierte Attacke“ vor

Am frühen Donnerstagmorgen war am Golf ein US-Aufklärungsflugzeug vom Typ „Global Hawk“ abgeschossen worden. Die iranischen Revolutionsgarden bekannten sich dazu und behaupteten, die unbemannte Drohne sei in der Provinz Hormusgan in den iranischen Luftraum eingedrungen. „Das war eine klare und konsequente Botschaft an diejenigen, die unsere Grenzen verletzten wollen“, sagte Revolutionsgarden-Kommandeur General Hussein Salami.

Das Zentralkommando der US-Streitkräfte für den Nahen Osten (Centcom) bestätigte später den Abschuss durch eine Boden-Luftrakete, warf dem Iran jedoch eine „unprovozierte Attacke“ vor. Die Drohne habe sich im internationalen Luftraum über der Straße von Hormuz bewegt: „Iranische Berichte, dass sich das Flugzeug über dem Iran befand, sind falsch.“

„Das ist eine massive Provokation“

Trump verhielt sich zunächst ungewöhnlich still. Kurz nach 10 Uhr morgens US-Zeit twitterte er dann: „Der Iran hat einen großen Fehler gemacht“. Politische Beobachter in Washington sprachen von einer „sehr ernsten Lage“.

Mit einem Stückpreis von mehr als 100 Millionen Dollar ist die „Global Hawk“, die in 15 Kilometer Höhe kreisen kann und die Spannweite einer Boeing 737 besitzt, ein extrem teures militärisches Gerät.

„Das ist eine massive Provokation“, sagte Admiral James Stavridis, der Ex-Kommandeur des strategischen Nato-Kommandos, beim Sender CNN. Es sei so gut wie ausgeschlossen, dass die Drohne in den iranischen Luftraum eindrang.

Trump sendet widersprüchliche Signale

Seit dem Angriff auf zwei Öltanker im Golf von Oman in der vorigen Woche, für den die USA das Mullah-Regime in Teheran verantwortlich machen, haben sich die Spannungen in der Region massiv verschärft. Die USA entsandte zusätzlich zu einem Flugzeugträger und einem Bomberverband insgesamt 2500 Soldaten in die Region.

Doch besonders brisant ist die Lage, weil seit der Kündigung des Iran-Atomabkommens durch die Trump-Regierung vor einem Jahr in Washington keinerlei Strategie zu erkennen ist.

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Sicherheitsberater Jon Bolton dringt auf einen Militärschlag mit dem Ziel eines Regimewechsels in Teheran. Das Verteidigungsministerium wirkt wegen des aktuellen Führungswechsels derzeit marginalisert. Trump selbst sendet widersprüchliche Signale aus.

„Alles ist unter Kontrolle“

„Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter“, erklärte er am vergangenen Freitag in seiner Lieblingssendung „Fox and Friends“ und warnte den Iran vor weiteren Aktionen. Zugleich sagte er: „Sie haben sich sehr verändert, seit ich Präsident bin.“

Am Montag erklärte er im Interview des Magazin Time, bei den Angriffen auf die Öltanker handele es sich nur um „sehr kleine“ Zwischenfälle. Am Mittwochabend sagte er bei Fox: „Machen Sie sich keine Sorgen. Alles ist unter Kontrolle“. Wenige Stunden später wurde die Drohne abgeschossen.

Die Demokraten werfen Trump vor, durch die Aufkündigung des Atomabkommens die Eskalationsspirale in Gang gesetzt zu haben. „Ein weiterer Krieg im Nahen Osten ist das letzte, was wir brauchen“, warnte Joe Biden.

Von RND/Karl Doemens