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Politik Jung gewinnt gegen Alt – so gegensätzlich setzten die Generationen ihr Kreuz
Nachrichten Politik Jung gewinnt gegen Alt – so gegensätzlich setzten die Generationen ihr Kreuz
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09:53 27.05.2019
Die Führung der Grünen im Moment der Prognose zur Europawahl am Sonntagabend. Die Partei hat ihr Ergebnis fast verdoppelt – und das verdankt sie vor allem jungen Wählern. Quelle: Getty Images
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Berlin

Das Ergebnis mit 20,5 Prozent fast verdoppelt, die „Volkspartei“ SPD deutlich hinter sich gelassen: Die Grünen können sich zu Recht als Sieger der Europawahl fühlen. Ihren Erfolg haben sie nicht zuletzt den jüngeren Wählern zu verdanken.

Die Grünen-Stimmen kommen vor allem von den besser Gebildeten und – und das ist der wichtigere Faktor – von den Jüngeren. „Jüngere“ ist in diesem Fall aber relativ. Denn die Grenze verläuft bei Mitte 40. Bei allen Wählergruppen, die darunter liegen, sind die Grünen klar die stärkste Kraft. Und es gilt: Je jünger die Wähler sind, desto stärker wählen sie Grün.

Video: Die Grünen sind die Gewinner der Wahl

Bei den unter 30-Jährigen wird das Bild bereits deutlich. Der enorme Zuwachs der Grünen im Gesamtergebnis (+10 Prozent) geht maßgeblich auf diese Altersgruppe zurück, hat die Forschungsgruppe Wahlen des ZDF errechnet. 33 Prozent der unter 30-Jährigen gaben den Grünen ihre Stimme. Damit ist die Partei bei den jungen Wählern der klare Wahlsieger. Union (13 Prozent) und SPD (10 Prozent) würden weit abgeschlagen dahinter liegen. Auch die FDP (8 Prozent) und die Satire-Partei „Die Partei“ (8 Prozent) bekommen bei den jungen Wählern deutlich mehr Stimmen als im Gesamtergebnis.

Die meisten „Friday for future“-Anhänger durften diesmal noch gar nicht wählen

Hätten nur die Erstwähler ihre Stimme abgeben dürfen, wären die Grünen sogar auf 36 Prozent gekommen – damit hätten sie laut Infratest Dimap mehr Stimmen geholt als CDU/CSU (11 Prozent), SPD (7 Prozent), Linke (8 Prozent) und FDP (8 Prozent) zusammen.

Für die Gruppe der unter 18-Jährigen gibt es keine Untersuchungen, weil sie noch nicht wählen dürfen. Angesichts des Anteils von Minderjährigen in der Bewegung „Fridays for future“, könnte das Bild dort möglicherweise sogar noch deutlicher ausfallen.

Die Union – insgesamt noch die stärkste Kraft (rechnet man CDU und CSU zusammen) hat den größten Rückhalt in der Gruppe der über 60-Jährigen. Bei den 45- bis 59-Jährigen liefert sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Grünen. Und insgesamt bildet die Union quasi den Gegenpol zu den Grünen: Je jünger die Wähler, desto weniger erfolgreich ist die Union. Spätestens seit der Debatte um den Youtuber Rezo („Zerstörung der CDU“) ist klar, dass die Union ein Problem im Umgang mit jungen Wählern hat.

Wer hat die besten Antworten auf die Zukunft? SPD ist abgeschlagen

Und die SPD? Sie hat in allen Altersgruppen deutlich verloren. Bei den ganz Jungen liegt sie nur noch im einstelligen Bereich – knapp vor der Satirepartei „Die Partei“.

Video: SPD-Debakel: Wer könnte Nahles beerben?

Woher das Wahlverhalten der jungen Menschen kommt, kann eine Umfrage von Infratest dimap für die ARD erklären: Fragt man die Deutschen, welche Partei die besten Antworten auf Zukunftsfragen hat – dazu zählen beispielsweise Klimawandel oder Digitalisierung –, die junge Wähler mehr interessieren als ältere, liegt die Union mit 18 Prozent nur noch knapp vor den Grünen mit 17 Prozent. Abgeschlagen auf Platz drei bei dieser Frage: die Sozialdemokraten. Nur sieben Prozent sagen, die SPD hat die besten Antworten auf die Zukunftsfragen. Sie liegt damit nur minimal vor den „kleineren" Parteien Linke, FDP und AfD.

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Von RND/cb

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