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23:09 16.08.2019
Stephan Weil (SPD), niedersächsischer Ministerpräsident, spricht während eines Interviews mit Journalisten. Quelle: dpa
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Berlin

Die Sozialdemokratie trudelt durch die Wolken wie ein Flugzeug mit leerem Cockpit. Lange zog die Maschine weit nach links: Es gab Rufe nach einem Ende der großen Koalition, nach Aufkündigung der Schuldenbremse, gar nach Enteignung großer Konzerne. Plötzlich, mit Olaf Scholz
und Boris Pistorius, neigt sich vieles nach rechts. Dies wiederum regt die Linken auf: Vor allem Scholz wird noch viel Gegenwind spüren in den nächsten Tagen.

Insgesamt sind längst allzu viele Kandidaten unterwegs. Manche lösen nur noch Augenrollen aus. Was, mal ehrlich, treibt die Stegners und die Lauterbachs? Hat es nicht etwas Makabres, wenn Leute, die in ihren heimischen Landesverbänden nichts mehr werden können, nun auf Bundesebene nach dem Vorsitz greifen?

In der Luft zu bleiben ist besser, als zu zerschellen

Mehr Basisdemokratie, jeder kann mitmachen: Das hatte erst mal einen guten Klang. Viele dachten an die Grünen und deren gut geglückten Neustart mit Robert Habeck und Annalena Baerbock. Doch ein sympathisch wirkendes Verfahren garantiert, wie die SPD nun zeigt, noch keinen sympathisch wirkenden Kandidaten. In ihrem jämmerlichen Bemühen, die Grünen zu kopieren, stößt die SPD nun an Grenzen. Offiziell sagt es keiner, aber als Vier-Augen-Wahrheit wird es längst eingestanden: Vor allem die krampfhafte Suche nach einem Mann-Frau-Tandem hat etwas Irreales.

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Was nun? Die SPD ist an einem Punkt, an dem sie nicht immer neue Namen braucht und neue Schaukeleien. Sie braucht jetzt eine Besinnungspause. Die Sozialdemokraten sollten kurz innehalten und auf den dritten Buchstaben in ihrem Parteinamen blicken. Politik ist kein Selbstzweck, sie soll dem Land dienen. Mit dem Belastungstest aber, den die Partei seit Monaten veranstaltet, quält sie nicht nur sich selbst. Sie quält ganz Deutschland. Die Erlösung brächte ein neuer SPD-Chef, der sich mit ruhiger Hand ins Cockpit setzt und wenigstens erst mal die Flughöhe hält. Einige in der SPD werden das prompt geißeln, als fragwürdiges „Weiter so“. Doch das gehört zum Betriebsgeräusch. In der Luft zu bleiben ist besser, als zu zerschellen.

Warum Weil der bessere Vorsitzende wäre

Überzeugender als alle, die sich bisher gemeldet haben, könnte wahrscheinlich Stephan Weil mit den anstehenden Herausforderungen umgehen. Nicht zuletzt im Stil könnte der niedersächsische Ministerpräsident wohltuende Kontrapunkte setzen. In einer aufgeregten Republik stünde Weil für eine neue Unaufgeregtheit, in eine allzu laute Debatte brächte er leise Töne. Die Leute würden ihm trotzdem zuhören. Denn Weil gehört zu den wenigen in der SPD, die wissen, wie beides geht: regieren – und Wahlen gewinnen. Weil drängt sich nicht auf, er polarisiert nicht. Vor allem plant er nicht, wie Scholz, den nächsten Blitzkrieg in seiner Partei. Exakt aus diesem Grund wäre er der bessere Vorsitzende.

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Von Matthias Koch

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