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10:21 25.04.2019
Senioren warten auf den Beginn der Ostsee-Messe in Rostock (Symbolfoto). Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Berlin

Knapp fünf Millionen Senioren in Deutschland müssen Steuern zahlen. Aber wie viel wird von der Rente versteuert und wann genau greift die Steuerpflicht? Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Wie viel nimmt der Staat durch Steuern von Rentnern ein?

Die letzten verfügbaren Angaben dazu stammen aus dem Jahr 2014. Damals zahlten Rentner rund 33 Milliarden Euro Steuern. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Wie groß ist aktuell die Zahl der steuerpflichtigen Rentner?

Im laufenden Jahr sind es laut Bundesfinanzministerium knapp fünf Millionen Rentner. Darunter 48.000 Senioren, die durch die anstehende Rentenerhöhung im Sommer – plus 3,2 Prozent im Westen und plus 3,9 Prozent im Osten – erstmals steuerpflichtig werden.

Warum müssen Rentner überhaupt Steuern zahlen?

Grund dafür ist ein Systemwechsel, der nach einem entsprechenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts seit dem 1. Januar 2005 schrittweise umgesetzt wird – mit einer Übergangszeit von 35 Jahren. Im Fachjargon wird von „nachgelagerter Besteuerung“ gesprochen.

Wie viel von der Rente wird versteuert?

Der zu versteuernde Anteil der Rente steigt. Die Höhe hängt vom Jahr des Renteneintritts ab, bleibt auch trotz der jährlichen Erhöhungen der Altersbezüge fix. Dies ist der persönliche Rentenfreibetrag. Wer ab 2040 in den Ruhestand geht, muss seine Rente oder Pension voll versteuern. Aktuell liegt der Anteil, auf den Steuern fällig werden können, bei 78 Prozent.

Müssen in jedem Fall tatsächlich auch Steuern gezahlt werden?

Nein. Gerade Senioren mit geringem Rentenanspruch und ohne weitere steuerpflichtige Einkünfte zahlen häufig keinen Cent an den Fiskus. Rund 4,4 Millionen Rentner mussten im Jahr 2014 laut Bundesregierung Steuern zahlen, lediglich rund 600.000 von ihnen verfügten allein über eine gesetzliche Rente. Im laufenden Jahr wird die Zahl der steuerpflichtigen Rentner auf knapp fünf Millionen steigen.

Wann genau greift die Steuerpflicht?

Dazu ein Beispiel: Wer 2018 in den Ruhestand gegangen ist, muss 76 Prozent seiner Rente versteuern. Bei einem jährlichen Brutto-Anspruch von 12.000 Euro wären das 9120 Euro. Wegen des steuerlichen Grundfreibetrags, der aktuell bei 9168 Euro liegt, müssten 2019 keine Steuern auf diese Rente gezahlt werden. Anders ist die Lage jedoch, wenn weitere steuerpflichtige Einkommen wie Mieteinnahmen hinzukommen. Zudem ist jede Rentenerhöhung voll steuerpflichtig.

Wovon hängt die tatsächliche Steuerbelastung ab?

Hier gilt das Gleiche wie für Arbeitnehmer. Die Steuerbelastung ist davon abhängig, ob es noch weitere Einkünfte neben der Rente gibt und ob und, wenn ja, in welchem Umfang, Ausgaben etwa für Vereinsmitgliedschaften oder bestimmte Krankheitskosten abgesetzt werden können.

Erst Beiträge zahlen und später Steuern auf die Rente zahlen müssen – ist das gerecht?

Ja, sagen zumindest Bundesregierung und Rentenversicherung. Sie verweisen darauf, dass die Aufwendungen für die Altersvorsorge zunehmend steuerfrei werden.

In welcher Höhe?

Für 2019 können 88 Prozent der gezahlten Beiträge von der Steuer abgesetzt werden. Bei Ledigen gilt das bis zu einem jährlichen Höchstbetrag von maximal 24.305 Euro, bei Verheirateten und eingetragenen Lebenspartnern sind es 48.610 Euro. Ab 2025 können 100 Prozent der Vorsorgebeiträge steuerlich geltend gemacht werden.

Lohnt sich das unterm Strich?

„In der Regel ist die nachgelagerte Besteuerung der Rente von Vorteil“, heißt es bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. Mit den Aufwendungen für die Altersvorsorge könne die Steuerbelastung während der Berufszeit deutlich verringert werden. Dagegen seien im Alter die Bezüge geringer – und damit auch die Steuerlast.

Wie hoch ist die steuerliche Belastung für den Einzelnen?

Auch hier hat die Bundesregierung lediglich Zahlen bis zum Jahr 2014. Damals lag die Steuerbelastung von Rentnern in Westdeutschland im Schnitt bei 5430 Euro jährlich, in Ostdeutschland bei 2658 Euro.

Und wie hoch ist die monatliche Rente?

Der durchschnittliche Zahlbetrag betrug 2017 in den alten Bundesländern 828 Euro und in den neuen Bundesländern 1117 Euro. Bei diesen Beträgen sind Krankenkassen- und Pflegeversicherung bereits abgezogen.

Wie viel Steuergeld gibt der Bund für die Rente aus?

Der Zuschuss des Bundes zur gesetzlichen Rentenversicherung umfasst mittlerweile mehr als ein Viertel des Bundesetats. 2017 waren es 91,1 Milliarden Euro. 2021 wird er nach Berechnungen der Bundesregierung erstmals die 100-Milliarden-Euro-Marke überschreiten.

Korrektur: In der ersten Fassung dieses Textes hieß es: „Von rund 4,4 Millionen steuerpflichtigen Rentnern im Jahr 2014 mussten laut Bundesregierung lediglich rund 600.000 Steuern zahlen.“

Richtig ist: „Rund 4,4 Millionen Rentner mussten im Jahr 2014 laut Bundesregierung Steuern zahlen, lediglich rund 600.000 von ihnen verfügten allein über eine gesetzliche Rente.“ Wir haben diesen Fehler oben entsprechend korrigiert.

Lesen Sie auch: Die Renten steigen kräftig – das muss man jetzt dazu wissen

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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