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Politik Wie tickt die FDP-Spitzenkandidatin Nicola Beer?
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12:00 26.01.2019
Nicola Beer wird am Sonntag zur Spitzenkandidatin ihrer Partei für die Europawahl gewählt. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
Berlin

„Schließen Sie doch einen Moment mit mir zusammen die Augen“, sagt die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer – und tut eben das, was sie vom Publikum verlangt. „Und stellen Sie sich das Europa vor, das Sie sich wünschen“, fügt sie hinzu.

Das traditionelle Dreikönigstreffen der FDP Anfang Januar in Stuttgart sollte ein großer Auftritt für Beer sein. Parteichef Christian Lindner hatte die designierte Spitzenkandidatin für die Europawahl eigens aufgefordert, sich auf der Bühne ordentlich Zeit für ihre Rede zu nehmen. Beer verlor sich aber immer wieder in sperrigen Formeln wie jener, es gehe um „ein Europa, das Einigung und Einheit sucht – aber nicht als Vereinheitlichung, sondern in Vielfalt“. Das gab zwar den eingeplanten Applaus der Parteifreunde. Aber so richtig zündete dann erst die folgende Rede von Parteichef Lindner selbst.

Einmal mehr ist Beer Lindners Wahl

Beer ist nicht zum ersten Mal Lindners Wahl, wenn es um eine wichtige Aufgabe für die FDP geht. Die 49-Jährige, die an diesem Sonntag auf dem Parteitag in Berlin auf Listenplatz eins gewählt werden soll, war eine wichtige Wegbegleiterin Lindners nach dem Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2013. Lindner wurde damals Parteichef, Beer seine Generalsekretärin.

Beer war Staatssekretärin für Europaangelegenheiten im hessischen Justizministerium und hessische Kultusministerin. Eine ihrer Forderungen im Europawahlkampf ist, dass alle Schüler mindestens für ein halbes Jahr in einem anderen EU-Land zur Schule gehen können. Dabei soll es nicht nur um die Schüler am Gymnasium gehen, die ohnehin schon oft ins Ausland gehen, sondern auch und gerade um Haupt-, Real- und Berufsschüler.

Wird Beer in Sippenhaft genommen?

Das klingt nach der idealen Europäerin. Doch fehlt es Beer womöglich an Abstand zum ungarischen Regierungschef Viktor Orban, der sich wenig um die Meinungsfreiheit im eigenen Land schert? Beer, so hat es der „Spiegel“ berichtet, habe beispielsweise versucht, FDP-Europaabgeordnete auf einen ungarnfreundlichen Kurs zu bringen. Sie dementiert das ausdrücklich. Beers Ehemann, ein Rechtsanwalt, trägt einen ungarischen Verdienstorden, persönlich überreicht durch Orban. Ihn sehen viele in der Partei kritisch – man könne Beer ja aber auch nicht in Sippenhaft nehmen. Beer kündigte am Freitag an, sie werde auf dem Parteitag eindeutige Worte zu Orbans „illiberaler Demokratie“ finden – betonte aber, eine solche Redepassage sei ohnehin schon eingeplant gewesen.

Dass Beer die klare Äußerung beherrscht, hat sie zum Beispiel in der Diskussion über die Förderung von Frauen in der FDP bewiesen. „In den Jahren, in denen ich angefangen habe, da wurden die Listenplätze noch an der Theke ausgesoffen“, warf Beer bei einer Veranstaltung im Hans-Dietrich-Genscher-Haus ins Publikum. Für eine Frauenquote in der Partei will sie sich aber dennoch nicht stark machen. Die passe nicht zur DNA der FDP. Ihr Rat an die Frauen: häufiger selbstbewusst Posten für sich selbst zu reklamieren.

Lesen Sie auch folgenden Kommentar: Die drei großen Probleme der FDP

Von Tobias Peter/RND

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