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Politik Wir brauchen eine neue Solidarität!
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13:00 22.12.2018
Ein Obdachloser bittet mit einem Schild mit der Aufschrift „Bitte kleine Spenden für Essen! Vielen Dank" in der Fußgängerzone um eine Spende. Er wünscht den Spendern frohe Weihnachten. Quelle: dpa
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Berlin

Der Advent macht’s möglich. Dann sehen wir: Die Überzeugung, dass Solidarität die Gesellschaft trägt, ist noch da.

In der Weihnachtszeit spenden die Deutschen Millionen an die Hilfswerke. Das ist wohltuende, emotional begründete Solidarität – und nie ganz uneigennützig: Ich bin solidarisch in der Hoffnung, dass auch mir im Notfall geholfen wird. Daran ist nichts Verwerfliches. Solidarität hat es in der individualisierten, widersprüchlichen Gesellschaft schwer genug. Proletarische Solidarität war einst geprägt vom Wissen, das Abhängige und Ausgebeutete nur gemeinsam ihr Schicksal wenden können. In der zersplitterten Gesellschaft der Start-ups, der Scheinselbstständigkeit und ungeregelten Jobverhältnisse gibt es diese Erfahrung viel weniger. Gibt es Ersatz?

Gerade sagten 76 Prozent in einer Befragung, 2018 sei für sie ein gutes Jahr gewesen, 21 Prozent sagten, es war ein schlechtes. Es braucht eine intellektuelle und moralische Anstrengung dieser vier Fünftel, um zu begreifen, dass es ihnen nicht vollständig gut gehen kann, wenn es einem Fünftel schlecht geht. Diese Leistung in Herz und Hirn wird, so hoffe ich, eine Quelle von solidarischem Verhalten.

Wir müssen aber auch politisch begreifen, dass Solidarität neu organisiert werden muss – für die digitale Transformation der Arbeitswelt in einer entgrenzten Welt. Der Sozialstaat, die strukturelle Solidarität der Starken mit den Schwachen, muss zukunftsfähig gemacht werden – national, europäisch, global. Es braucht Mehrheiten, die bereit sind, dafür, zu zahlen. Eine sichere Welt ist nicht kostenfrei zu haben. Auch daran kann man, ganz nüchtern, zu Weihnachten erinnern.

Wolfgang Thierse ist ehemaliger Präsident des Bundestages.

Von Wolfgang Thierse

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