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Nachrichten Politik Zu viele Alternativen zur AfD in Bayern
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18:31 14.10.2018
Von Euphorie ist bei der Bayern-AfD nichts mehr zu spüren. Der Landesverband ist intern zerstritten, die Arbeit in der künftigen Fraktion wird schwierig. Quelle: Armin Weigel/dpa
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Berlin

Der Jubel war verhalten bei der AfD-Wahlparty im niederbayerischen Mamming. Das Ergebnis der Bundestagswahl 2017 sollte übertroffen werden, das hat die Partei nun nicht geschafft. Der Schuldige war schnell ausgemacht. Es gab zu viele Alternativen zur AfD. "Die Freien Wähler haben nicht geschwächelt", sagte Parteichef Alexander Gauland im ARD-Interview. "Viele enttäuschte CSU-Wähler haben erst einmal dort Halt gemacht." Und auch Bayerns Landesvorsitzender Martin Sichert machte die "bürgerliche Konkurrenz" der Freien Wähler als Schuldige aus.

Dennoch: Die AfD zieht in Bayern sicher in ihr 15. Landesparlament ein, und das etwas besser als zuletzt erwartet. Doch eines kann das Ergebnis nicht verdecken: Der Landesverband ist intern zerstritten, die Arbeit in der künftigen Fraktion wird schwierig. Vor allem aber sind viele in der Partei enttäuscht, dass die Wahlkampf-Strategie nicht besser aufging und die AfD nicht noch mehr vom Niedergang der CSU in den Umfragen profitieren konnte.

Im Sommer schien das ein Selbstläufer zu werden: Seehofer führte in Berlin seinen Kampf um Zurückweisungen an der Südgrenze, Söder sprach von „Asyltourismus“ und AfD-Fraktionschefin Alice Weidel frohlockte, dass die CSU verbal AfD-Positionen übernimmt. Sie hielt die beiden Parteien sogar für koalitionsfähig, sagte sie im Juni dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Im Landesverband kam diese Aussage weniger gut an, schließlich hatten sich CSU-Größen bereits auf die Konkurrenz von rechts eingeschossen: „Unbayerisch“ und „brauner Schmutz“ sei die AfD, sagte Generalsekretär Markus Blume bereits im Mai.

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Bayerischer Defiliermarsch bei der AfD

„Wir halten, was die CSU verspricht“, war fortan der Slogan der AfD, die sich als „bessere CSU“ zu inszenieren versuchte. Der bayerische Defiliermarsch erklang auch bei ihren Veranstaltungen, die niederbayerische Spitzenkandidatin Katrin Ebner-Steiner trat vorzugsweise im Dirndl auf. Alles schien zu laufen für die Rechtspartei. Dass man sich nicht auf einen gemeinsamen Spitzenkandidaten einigen konnte, schien zunächst keine Rolle zu spielen. Der Oberbayer Franz Bergmüller wäre so einer gewesen – der Gastwirt, von den Freien Wählern gekommen, ist bayernweit durch seinen Kampf gegen das Rauchverbot bekannt. Doch Bergmüller musste erst einmal gerichtlich durchsetzen, überhaupt als AfD-Mitglied geführt zu werden.

So konzentrierte sich vieles auf die Niederbayerin Ebner-Steiner, die deutlich radikaler auftritt. Sie nennt Björn Höcke einen „Nationalromantiker“ und „einen der wenigen Politiker, die ehrlich und aufrichtig sind“. In Interviews spricht sie davon, dass „die Bevölkerung ausgetauscht“ werde und wünschte sich einen durchgehenden Grenzzaun zu Österreich. Von Nachteil war das alles zunächst nicht. Schwierig war in konservativen Landstrichen eher, dass die AfD im Wahlprogramm forderte, die staatliche Unterstützung für die Amtskirchen einzustellen.

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Chemnitz störte die AfD-Wahlkampfstrategie

Dann aber passierte Chemnitz – und machte die Strategie der Bayern-AfD, sich als konservative Alternative zu etablieren, zunichte. Die Diskussion um die Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz tat ein Übriges. Nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz Ende August, vermutlich durch Messerstiche eines Asylbewerbers, nahm beim Trauermarsch neben Höcke und Pegida-Chef Lutz Bachmann unter anderem auch der bayerische Bundestagsabgeordnete Gerold Otten teil. Angeschlossen hatten sich in den hinteren Reihen viele Hooligans und Rechtsextreme. CSU-Ministerpräsident Markus Söder nutzte die Bilder für verschärfte Attacken auf die AfD: Sie marschiere „Seit an Seit mit NPD, Pegida und Hooligans“.

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