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00:08 12.04.2018
Über Funk gibt Mandy Collet ihren Kollegen Bescheid.
Heringsdorf

War es ein Kaffeebecher, eine Zigarettenschachtel oder doch ein Handy? Innerhalb von Sekunden muss Polizeihauptkommissarin Mandy Collet erkennen, was der Autofahrer in der Hand hält. Sie steht an der Kreuzung vor der Schule und beobachtet den Verkehr. Bei genauer Betrachtung stellt sich heraus: Ja, es war ein Handy. Sie zückt ihr Funkgerät und gibt den Kollegen Bescheid, dass sie den Fahrer des Transporters aus dem Verkehr ziehen sollen. Konsequenz für ihn: ein Punkt in der Verkehrssünderkartei und 100 Euro Strafe.

Um Handysünder aus dem Verkehr zu ziehen, spielt die Polizei häufig „Petze“

Im vergangenen Jahr wurden auf der Insel Usedom 162 Kraftfahrer aus dem Vekehr gezogen, die auf ihrem Handy Nachrichten tippten, telefonierten oder andere Sachen damit machten. Im Einzugsgebiet des Reviers in Wolgast waren 158 Fahrer betroffen, in Greifswald 544. „Im gesamten Inspektionsbereich, der den Landkreis Vorpommern-Greifswald erfasst, waren es 1509 festgestellte Ordnungswidrigkeiten in Bezug auf das Handy“, sagt Polizeisprecher Axel Falkenberg. Das Handy liegt bei allen festgestellten Ordnungswidrigkeiten allerdings noch auf Platz vier. Ganz oben sind die Geschwindigkeitsverstöße, danach reihen sich der fehlende Gurt und Vorfahrtsfehler ein.

Damit die Kontrollen so unauffällig wie möglich sind, ziehen sich die Beamten keine Uniformen an, sondern zivile Kleidung. „Uns erkennt so niemand. Meinen Kollegen sage ich über Funk Bescheid und sie ziehen die Autofahrer an der nächsten Kreuzung raus“, erklärt sie. Bei der Polizei wird diese Methode regelmäßig angewendet.

Dann wechseln die jungen Polizisten Christian Schmidt und Maik Zenker sowie Mandy Collet ihren Standort und ziehen weiter nach Bansin-Dorf. Hinter der Bahnschranke sitzt sie auf der Bank, ein paar hundert Meter weiter stehen die Kollegen. „Hier habe ich auch im Blick, ob jemand bei Rot über die Schranke fährt“, sagt sie. Und nach wenigen Augenblicken waren zwei Treffer dabei. „Die beiden Frauen am Steuer können sich nun darauf einstellen, einen Monat als Beifahrer mitzufahren. Der Führerschein muss nämlich abgegeben werden“, erklärt sie.

„Es sind eher die Insulaner, die beim Schreiben auf dem Handy erwischt werden. Zum Beispiel, wenn sie von der Arbeit kommen und nur Bescheid sagen wollen, dass sie gleich kommen“, weiß

Polizeioberkommissar Christian Schmidt. „Im Urlaub sitzen die Fahrer meist zu zweit im Fahrzeug, da kann der Partner tippen und telefonieren“, betont er.

Auch bei den Ausreden lassen sich die erwischten Autofahrer immer etwas einfallen. „Mir wollte mal eine junge Frau erklären, dass ihr Großvater gerade im Krankenhaus gestorben ist und sie deshalb telefonieren musste. Als ich das überprüfen wollte, stellte sich schnell heraus, dass es sich um eine Lüge handelte“, erklärt Collet. „Sie hatte einfach nur Angst um ihren Führerschein, da sie noch sehr jung war.“

Auch der Fahrer eines Betonmischers telefonierte am Dienstag während der Fahrt und wurde rausgezogen. Als ihn die Polizisten stoppten, hatte er das Gerät immer noch in der Hand. Er gab an, dass ihn derzeit viele Menschen anrufen und er viel Arbeit auf den Baustellen hat. Kurz vor dem Ende der Kontrolle rollte ein 30 Jahre alter Mann an die wartenden Autos hinter der geschlossenen Bahnschranke an und tippe auf dem Handy. Als Mandy Collet ihn auf sein Vergehen ansprach, konnte er sich an nichts mehr erinnern und streitet alles ab. Demnächst bekommt er Post von den Behörden und kann sich dazu äußern. So wie die anderen Verkehrssünder auch.

Hannes Ewert

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